Teheran renoviert eine Militäranlage, die im Zusammenhang mit dem Nuklearprogramm steht und schon zweimal bombardiert wurde. Ob die Iraner Atomwaffen derzeit wirklich herstellen können, ist aber fraglich. Nun droht Donald Trump erneut mit Angriffen.
Teheran renoviert eine Militäranlage, die im Zusammenhang mit dem Nuklearprogramm steht und schon zweimal bombardiert wurde. Ob die Iraner Atomwaffen derzeit wirklich herstellen können, ist aber fraglich. Nun droht Donald Trump erneut mit Angriffen.
19.09.2026, 05.30 Uhr
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Vantor via AP
Taleghan 2 ist eine mysteriöse Anlage. Der Gebäudekomplex auf der Militärbasis Parchin 30 Kilometer südöstlich von Teheran gibt immer wieder Anlass zu Spekulationen. Vor mehr als zwanzig Jahren wurden dort im Rahmen des iranischen Amad-Projekts Sprengstoffe getestet, die zur Zündung einer Atomwaffe verwendet werden können. Im Jahr 2003 wurde die Anlage angeblich stillgelegt.
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Doch im Oktober 2024 zerstörte Israel ein Gebäude bei Taleghan 2, weil es dort offenbar verdächtige Aktivitäten festgestellt hatte. Im Mai 2025 begann Iran dann an derselben Stelle mit dem Bau eines zylinderförmigen Konstrukts. Dabei handelte es sich laut Experten mutmasslich um eine Detonationskammer für Sprengstofftests – ein Hinweis darauf, dass die Iraner solche Tests womöglich wieder aufnehmen wollten. Im März 2026, nach Beginn des Iran-Kriegs, wurde der Zylinder dann mit mehreren bunkerbrechenden Bomben zerstört.
Nun treibt Iran den Wiederaufbau von Taleghan 2 erneut voran. Das zeigen Satellitenbilder vom 13. September, die vom amerikanischen Institute for Science and International Security (ISIS) analysiert wurden. Darauf ist zu sehen, dass über den zerstörten Zylinder eine Plane gespannt wurde, die den Blick auf die Renovationsarbeiten versperrt. Daneben wurden zwei Betonmauern errichtet, die offenbar Schutz vor Luftangriffen bieten sollen. Weiter sind zahlreiche Baumaschinen erkennbar.
New Imagery Update: Iran is Rapidly Reconstructing Taleghan 2@vantortech satellite imagery from September 13, 2026, shows that Iran is rapidly moving forward with the reconstruction of the Taleghan 2 facility located at the Parchin military complex. Iran has erected a tarp… pic.twitter.com/onKG40itFc
— Inst for Science (@TheGoodISIS) September 17, 2026
Welches Ziel die Iraner genau verfolgen, ist unklar. Doch die ISIS-Experten werten die Bautätigkeit angesichts der Geschichte der Anlage als eine äusserst besorgniserregende Entwicklung. Dem iranischen Regime dürfte bewusst sein, dass solche Aktivitäten an einer derart heiklen Einrichtung nicht verborgen bleiben – doch offensichtlich hat die Anlage grosse Priorität.
Für den Bau einer Atombombe braucht es im Wesentlichen zwei Dinge: Spaltmaterial wie hoch angereichertes Uran und einen Sprengmechanismus, der die Kettenreaktion der Kernspaltung auslösen kann. Nach bisherigen Erkenntnissen verfügt Iran zwar noch nicht über eine solche Technologie. Die Arbeiten bei Taleghan 2 könnten aber darauf hinweisen, dass Iran zumindest die technischen Voraussetzungen dafür schaffen möchte.
Waffenfähiges Uran besitzen die Iraner ebenfalls nicht. Vor Beginn des Zwölftagekriegs im Sommer 2025 verfügte Teheran über 440 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von 60 Prozent. Dieses könnte theoretisch innert kurzer Zeit auf ein waffenfähiges Niveau angereichert werden. Allerdings geht die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) davon aus, dass diese Vorräte seit der Bombardierung der Anlagen in Isfahan, Natanz und Fordo verschüttet sind. Zudem ist unklar, ob Iran überhaupt noch die Fähigkeit zur Anreicherung von Uran besitzt. Die IAEA konnte seit über einem Jahr keine Inspektionen mehr durchführen.
Was passiert im «Pickaxe Mountain»?Hier kommt eine weitere Anlage ins Spiel: jene unter dem sogenannten «Pickaxe Mountain» bei Natanz. Unter diesem Berg wurde ab 2020 eine unterirdische Anlage gebaut, die bis zu 100 Meter tief unter dem Fels liegt. Nach Einschätzung des ISIS werden dort Zentrifugen zur Urananreicherung hergestellt. Im Juli berichtete zudem das «Wall Street Journal» unter Berufung auf anonyme israelische Sicherheitskreise, dass das iranische Regime im vergangenen Herbst Tausende Zentrifugen in den Berg gebracht habe. Es ist also denkbar, dass Iran dort die Anreicherung wieder aufnehmen könnte.
Bislang wurde der «Pickaxe Mountain» nie bombardiert, obwohl Donald Trump mehrmals mit Angriffen auf die Anlage gedroht hatte. Nun zeigen Satellitenbilder, dass auch dort Arbeiten stattfinden. Seit August wurden bei den Tunnelportalen mehrere Erdwälle aufgeschüttet, welche die Zufahrtsstrassen versperren. Dies weist darauf hin, dass die Anlage derzeit nicht in Betrieb ist, sondern wohl vielmehr vor einer Erstürmung geschützt werden soll. So ist es eher unwahrscheinlich, dass Iran demnächst waffenfähiges Uran produzieren kann.
Update on passive defense measures at Pickaxe Mountain: @vantortech imagery from September 11, 2026, shows that the earthen mound roadblocks are still in place, blocking ground vehicle access to the Western tunnel portals. The week-long restricted access reinforces the assessment… pic.twitter.com/mJdgvSfGvf
— Inst for Science (@TheGoodISIS) September 17, 2026
Dennoch stellt sich die Frage, welche Absichten die Iraner hegen. Jahrelang hatten sie den Status als nuklearer Schwellenstaat als Druckmittel genutzt. Doch diese Strategie ist gescheitert. Womöglich ist das Regime deshalb zum Schluss gekommen, dass nur eine Nuklearwaffe für Abschreckung sorgen kann. Doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein.
Jedenfalls sind die Bauarbeiten beim «Pickaxe Mountain» auch den Amerikanern aufgefallen, wie Präsident Trump vergangene Woche bestätigte. «Ich würde Iran raten, keine Spielchen zu treiben, weil wir sie sonst sehr hart angreifen werden», mahnte er.
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