Im Handwerk fehlen Mitarbeitende – Beschäftigte aus dem Ausland werden deshalb immer wichtiger. In Aalen soll eine Kooperation mit der Handwerkskammer ihren Weg in die Betriebe beschleunigen.
Stand: 29.09.2026, 17:00 Uhr

Im Handwerk fehlen Mitarbeitende – Beschäftigte aus dem Ausland werden deshalb immer wichtiger. In Aalen soll eine Kooperation mit der Handwerkskammer ihren Weg in die Betriebe beschleunigen.
Aalen. "Verzögerung auf dem Amt sorgt für Verzögerung beim Kunden." Mit diesem Satz beschreibt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, ein Problem, das für Handwerksbetriebe angesichts des Fachkräftemangels von Bedeutung ist. Denn offene Stellen lassen sich nicht allein mit Bewerberinnen und Bewerbern aus der Region besetzen. Betriebe sind deshalb auch auf Menschen aus dem Ausland angewiesen.
Wenn Verfahren zu lange dauernDie Handwerkskammer berichtet aktuell von Betrieben, bei denen die Erteilung einer Ausbildungsduldung mehr Zeit in Anspruch genommen habe, als bis zum Beginn der Ausbildung zur Verfügung stand. Betroffen seien unter anderem Ausbildungsplätze für Stuckateure, Dachdecker, Klempner oder Fliesenleger. Für die Betriebe bedeutet das Unsicherheit bei der Personalplanung – für die jungen Menschen kann im schlimmsten Fall eine bereits zugesagte Ausbildungsstelle verloren gehen.
"Eine fundierte Einzelfallprüfung und ein zügiges Verfahren schließen sich nicht aus", sagt Mehlich. Die Kammer fordert deshalb, die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen und Verfahren nicht unnötig zu verzögern. Denn wenn ein Betrieb auf eine dringend benötigte Fachkraft wartet, betrifft das am Ende auch dessen Kunden. Ein anderes Programm der Hochschule Aalen soll daher bereits internationale Studierende mit der Industrie der Region vernetzen.
In Aalen sollen kurze Wege helfenDass Fachkräfte im Handwerk fehlen, ist jedoch keine neue Entwicklung – und betrifft längst nicht nur den Bereich der Ausbildung. In Aalen haben Stadt und Handwerkskammer Ulm deshalb bereits im Oktober 2025 eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Sie soll dazu beitragen, ausländische Fachkräfte schneller in die Betriebe der Region zu bringen.
Die Handwerkskammer übernimmt für Aalener Handwerksbetriebe die Erstberatung und unterstützt bei der Vorprüfung der Unterlagen. Außerdem gibt es feste Ansprechpartner und einen direkten Austausch mit der Ausländerbehörde. Dadurch sollen Anträge möglichst vollständig eingereicht und unnötige Rückfragen im weiteren Verfahren vermieden werden.

Konkret haben sich Stadt und Kammer darauf verständigt, zunächst die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses zu prüfen beziehungsweise zu beantragen. Erst danach soll das beschleunigte Fachkräfteverfahren eingeleitet werden. Nach Angaben der Handwerkskammer vereinfacht das den Ablauf, weil fehlende Unterlagen und Rückfragen bereits vor dem eigentlichen Verfahren geklärt werden können. Zuvor sei die Nachforderung fehlender Unterlagen schwieriger gewesen, da die Kommunikation ausschließlich über die Ausländerbehörde erfolgt sei.
Bei der Unterzeichnung der Vereinbarung nannte die Stadt als Ziel, die Zeit bis zur Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses von zwei bis drei Monaten auf rund drei Wochen zu verkürzen. Ob diese Verkürzung tatsächlich erreicht wird, lässt sich bislang allerdings nicht belegen.
Noch keine belastbare BilanzDie Stadt Aalen teilte auf Nachfrage mit, dass die Vereinbarung bisher nur in geringem Umfang in Anspruch genommen worden sei. Die kurzen Wege zwischen Handwerkskammer und Ausländerbehörde hätten sich aus Sicht der Ausländerbehörde zwar bewährt. Eine Aussage darüber, wie stark die Verfahren dadurch tatsächlich beschleunigt worden seien, sei aber noch nicht möglich.
Auch der Handwerkskammer liegen keine validen Zahlen vor. Nach der Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses und der Einleitung des beschleunigten Fachkräfteverfahrens erhalte sie von den Betrieben in der Regel keine weiteren Rückmeldungen. Die Kammer wertet das als Hinweis darauf, dass die weiteren Verfahrensschritte überwiegend reibungslos verlaufen und kein weiterer Unterstützungsbedarf besteht. Das ist allerdings kein messbarer Nachweis für kürzere Verfahren. Wie viele Verfahren bislang über die Kooperation gelaufen sind und wie lange sie jeweils gedauert haben, kann die Handwerkskammer nicht beziffern.
Der nächste Fokus liegt im InlandDie Handwerkskammer will den Blick künftig zudem stärker auf Menschen richten, die sich bereits in Deutschland befinden und grundsätzlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Eine Arbeitsaufnahme sei häufig erst möglich, wenn der Aufenthaltsstatus und die notwendigen Genehmigungen geklärt und die erforderlichen Genehmigungen erteilt seien. Hier sieht die Handwerkskammer weiterhin erheblichen Unterstützungs- und Abstimmungsbedarf. Vorhandene Fachkräftepotenziale schneller in Beschäftigung zu bringen, könne helfen, die Lücke auf dem Arbeitsmarkt zu verkleinern. Entscheidend ist für Unternehmen aber auch, dass internationale Fachkräfte bleiben.
Die Kooperation in Aalen hat damit vor allem eines geschaffen: kurze Wege zwischen Handwerkskammer, Betrieben und Ausländerbehörde. Ob diese Wege tatsächlich zu deutlich kürzeren Verfahren führen, muss sich allerdings noch zeigen.
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