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Vom Krisenmodus zum Wachstumsclub – Wie der VfR Aalen den Neustart geschafft hat

Дата публикации: 29-09-2026 08:00:00

Nach zwei Insolvenzen und sportlichen Rückschlägen gelingt dem VfR Aalen 2026 der Aufstieg in die Regionalliga – und ein Kulturwandel.

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Stand: 29.09.2026, 10:02 Uhr

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Michael Schäfer übernahm Verantwortung als Präsident beim VfR Aalen, als der Verein am Tiefpunkt angekommen war. Sportlichen Erfolg mit wirtschaftlicher Stabilität zu verbinden, das ist sein Hau

Michael Schäfer übernahm Verantwortung als Präsident beim VfR Aalen, als der Verein am Tiefpunkt angekommen war. Sportlichen Erfolg mit wirtschaftlicher Stabilität zu verbinden, das ist sein Hau © Tim Burkhardt

Nach zwei Insolvenzen und sportlichen Rückschlägen gelingt dem VfR Aalen 2026 der Aufstieg in die Regionalliga – und ein Kulturwandel.

Aalen. Nach Jahren der Turbulenzen und zwei Insolvenzen ist dem VfR Aalen im Sommer 2026 als Meister der Oberliga die Rückkehr in die Fußball-Regionalliga Südwest gelungen. Für Präsident Michael Schäfer ist das mehr als eine sportliche Momentaufnahme: Es steht für wirtschaftliche Konsolidierung, strategischen Neuaufbau und einen nachhaltigen Kulturwandel. Schäfer zieht eine sachliche, aber auch selbstkritische Bilanz.

Strategischer Neustart nach der Insolvenz

2022 stand der VfR Aalen zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre vor dem wirtschaftlichen Aus. „Wir haben 2017 und 2022 zwei Insolvenzen erlebt und drei Abstiege in zwölf Jahren. Die emotionale Herausforderung war groß, aber der Abstieg 2024 in die Oberliga war der Tiefpunkt“, erinnert sich Schäfer. Anstatt in Schockstarre zu verharren, entschied sich der Verein für einen klaren Dreijahresplan: Rückkehr in die Regionalliga und Schuldenfreiheit bis 2027. Die Rückkehr in die Regionalliga ist bereits 2026 gelungen, am Ziel der Schuldenfreiheit wird noch gearbeitet: "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Wir haben nach wie vor noch Schulden, die wir abbauen müssen."

Neue Führungsstruktur und klare Verantwortlichkeiten

Mit einer personellen Neuaufstellung des Vorstands – Marc Elser (Sport), Mehmet Deli (Finanzen & Sponsoring) und Sebastian Geiger (Organisation & Öffentlichkeitsarbeit) – sowie einem neu formierten Aufsichtsrat und Wirtschaftsbeirat wurde die Vereinsführung professionalisiert. Wichtige Prozesse wie monatliche Liquiditäts- und Budgetplanung sowie transparente Ressortaufteilung wurden eingeführt. Schäfer betont: „Wir planen erst die Einnahmen, dann die Ausgaben – nicht umgekehrt. Das war eine der wichtigsten Veränderungen.“

Balance zwischen sportlichem Ehrgeiz und wirtschaftlicher Vernunft

Der sportliche Erfolg war Mittel zum Zweck. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga liegt der Fokus laut Schäfer klar auf dem Klassenverbleib und der Etablierung in der Liga. Nach acht Spieltagen steht der VfR mit zwölf Punkten und Platz acht solide da. „Ohne Marc Elser, der den Kader ab 2024 konsequent neu ausgerichtet hat, wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Er arbeitet akribisch im Hintergrund und meidet die Bühne.“ Die Verpflichtung von Trainer Beniamino Molinari und die Fokussierung auf Spieler, die vor allem charakterlich zur Mannschaft und zum Verein passen sollen, unterstreichen die neue Philosophie: aktiver, mutiger Fußball mit wirtschaftlicher Bodenhaftung.

Finanzielle Gesundung als Leitmotiv

Ziel bleibt die wirtschaftliche Konsolidierung. Zwar konnten Zuschauerzahlen, Sponsoring und Vermarktungserlöse gesteigert werden, jedoch stiegen auch die Kosten deutlich an. Ein Verlust von rund 500.000 Euro im Geschäftsjahr 2023/24 sei der Ausgangspunkt gewesen. "Das löst sich nicht von heute auf morgen auf", so Schäfer. Monatlich werden Liquidität, Budgeteinhaltung und Sponsoringerlöse streng überwacht. „Investitionen erfolgen mit Augenmaß. Einnahmen wie etwa aus dem DFB-Pokal-Spiel gegen Schalke wurden zur Stabilisierung genutzt, nicht nur in den Kader gesteckt“, erklärt Schäfer. „Wer sich totspart, hält die Regionalliga nicht. Aber wir gehen keine Risiken ein, die wir nicht tragen können.“

Vom Abstiegskandidaten zum wirtschaftlichen Netzwerk

Das Geschäftsmodell hat sich grundlegend gewandelt. Die Abhängigkeit von einzelnen Großsponsoren wurde reduziert, stattdessen setzt der VfR auf eine breite Basis aus über 150 Sponsoren. Neue Produkte wie der Businessclub „Next-Generation“ und Veranstaltungen wie die Ausbildungsmesse stärken die regionale Verankerung. Mehmet Deli, zuständig für Finanzen und Sponsoring, hat diesen Wandel maßgeblich mitgestaltet. „Unternehmen erwarten heute mehr als ein Logo auf der Bande. Sie wollen Netzwerk, Sichtbarkeit und die Gewissheit, dass ihr Geld verantwortungsvoll eingesetzt wird“, sagt Schäfer.

Organisatorischer und kultureller Wandel

Der Wandel zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch im Alltag. Aus dem Krisenmodus wurde eine prozessorientierte Organisation mit klaren Verantwortlichkeiten und offener Kommunikation. Regelmäßige Vorstandssitzungen, Finanz-Reviews, eine enge Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt sowie ein Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen sorgen für Stabilität. „Die Meisterschaft haben wir nicht mit Geld gewonnen, sondern mit Menschen, die sich eingebracht haben“, betont Schäfer mit Blick auf die vielen Ehrenamtlichen.

Vertrauen zurückgewonnen – auch bei Fans und Öffentlichkeit

Die Rückkehr in die Regionalliga habe laut Schäfer nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich Wirkung gezeigt. Nach Jahren des Misstrauens wachse das Vertrauen bei Mitgliedern und Fans wieder. Ehrliche Kommunikation und Transparenz bei Zahlen und Diskussionen mit der Fanszene haben diesen Prozess unterstützt.

Der VfR als Wirtschaftsfaktor für die Region

Mit dem Aufstieg habe sich die Bedeutung des VfR Aalen für Stadt und Ostalb wieder vergrößert. Mehr Zuschauer und Gästefans bedeuten Impulse für Gastronomie, Hotels und Einzelhandel. Gleichzeitig fungiere der Verein als Netzwerkplattform, fördere Austausch und unterstütze Themen wie Fachkräftesicherung, etwa durch die Ausbildungsmesse.

Governance und langfristige Stabilität

Transparenz und Kontrolle werden großgeschrieben: Aufsichtsrat, Wirtschaftsbeirat, dokumentierte Prozesse und die regelmäßige Einbindung von Steuerberater und Rechtsanwalt bilden das Fundament. „Wir wollen, dass der Verein unabhängig von einzelnen Köpfen stabil weiterläuft“, betont Schäfer.

Ausblick und Lehren

Trotz des Erfolgs bleibt die Marschrichtung vorsichtig: „Die größten Risiken sehe ich in der sportlichen Konkurrenzfähigkeit, steigenden Kosten und der Gefahr, dass Erwartungen schneller wachsen als die Einnahmen.“ Das Modell ist auf den Klassenerhalt ausgelegt und enthält flexible Szenarien für den Fall sportlicher Rückschläge. Schäfers wichtigste Lehren: Zahlen ehrlich kommunizieren, offen mit Mitgliedern und Sponsoren sprechen, auf Kompetenz und Haltung setzen – und nie den Glauben an den Verein verlieren.

Mit einem 4:0-Sieg in Heilbronn bei Türkspor Neckarsulm machte der VfR Aalen im zweiten Oberliga-Aufstieg die Rückkehr in die Regionalliga Südwest perfekt.

Mit einem 4:0-Sieg in Heilbronn bei Türkspor Neckarsulm machte der VfR Aalen im zweiten Oberliga-Aufstieg die Rückkehr in die Regionalliga Südwest perfekt. © Oliver Giers

Die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg wurde gebührend mit den VfR-Fans am Rathaus in Aalen gefeiert.

Die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg wurde gebührend mit den VfR-Fans am Rathaus in Aalen gefeiert. © Oliver Giers

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