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Cremes retten Weleda, Arzneimittel nicht – das soll sich ändern

Дата публикации: 08-09-2026 15:00:00

Weleda will sein Pharmageschäft wieder auf Wachstumskurs bringen. Dafür setzt das Unternehmen auf bekannte Arzneien, mehr Forschung sowie die Apotheken – und auf den Standort Schwäbisch Gmünd.

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Stand: 08.09.2026, 17:00 Uhr

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Im Heilpflanzengarten in Wetzgau baut Weleda zahlreiche Arzneipflanzen selbst an. Von hier aus beginnt die Wertschöfpungskette, die bis zum fertigen Präparat reicht.

Im Heilpflanzengarten in Wetzgau baut Weleda zahlreiche Arzneipflanzen selbst an. Von hier aus beginnt die Wertschöfpungskette, die bis zum fertigen Präparat reicht. © Marisa Herzer

Weleda will sein Pharmageschäft wieder auf Wachstumskurs bringen. Dafür setzt das Unternehmen auf bekannte Arzneien, mehr Forschung sowie die Apotheken – und auf den Standort Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd. Weleda wächst – aber nicht in allen Bereichen. Während das Geschäft mit Naturkosmetik 2025 kräftig zulegte, ging der Umsatz mit Arzneimitteln zurück. Ausgerechnet das Geschäft, das für Weleda seit mehr als 100 Jahren zum Kern gehört, soll nun wieder stärker wachsen. Die Zahlen zeigen den Unterschied deutlich: Der Umsatz des Weleda-Konzerns stieg 2025 um 6,2 Prozent auf 484,6 Millionen Euro. Die Naturkosmetik legte um 9,2 Prozent auf 401,9 Millionen Euro zu. Das Pharmageschäft dagegen schrumpfte um 6,3 Prozent auf 82,7 Millionen Euro, währungsbereinigt um 4,7 Prozent. Sein Anteil am Konzernumsatz sank damit von 19,3 auf 17,1 Prozent. 

Der Rückgang hat Gründe, die über das Unternehmen hinausreichen. Weleda beschreibt das Marktumfeld 2025 als herausfordernd: Der stationäre Apothekenmarkt entwickelte sich verhaltener als im Vorjahr, die Nachfrage im Segment homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel war schwächer. In anderen Märkten wie Frankreich begrenzte zunehmender Verdrängungswettbewerb das Wachstum.

Schwäbisch Gmünd ist ein wichtiger Produktionsstandort für Weledas Arzneimittel – vom Heilpflanzengarten bis zur Herstellung.

Schwäbisch Gmünd ist ein wichtiger Produktionsstandort für Weledas Arzneimittel – vom Heilpflanzengarten bis zur Herstellung. © Herzer, MarisaWeniger Präparate, mehr Sichtbarkeit

Weleda reagiert darauf mit einer Neuausrichtung – und die beginnt bei der Frage, worauf sich das Unternehmen überhaupt konzentrieren will. Im rezeptfreien Bereich setzt Weleda künftig auf drei Anwendungsfelder: Auge, Stress und Schlaf sowie Verdauung. Es sind Bereiche, in denen das Unternehmen bereits Produkte im Markt hat. Parallel dazu wurden Marketing und Vertrieb umgebaut, das Vertriebsteam in Deutschland 2025 vollständig neu aufgestellt und die Kooperationen mit Apothekengruppen ausgebaut. Seit März 2026 verantworten Stefanie Haefele und Mónica Mennet-von Eiff das Pharmageschäft gemeinsam als Doppelspitze. 

Dabei geht es nicht darum, das Arzneimittelgeschäft neu zu erfinden, sondern mehr aus dem bestehenden Portfolio herauszuholen. "Die Arzneimittel sind das Herzstück", sagt Haefele. Ihr Ziel formuliert sie sehr konkret: Kundinnen und Kunden sollen in der Apotheke von sich aus nach Weleda fragen – "Ich hätte gerne was von Weleda, ich habe das und das, habt ihr da was?"

Präsenz in den Apotheken

Sichtbar werden soll das ab Ende September, wenn die Kampagne in Deutschland und Österreich startet, in der Schweiz im November. Weleda will seine Arzneimittel dabei stärker dort platzieren, wo die Kaufentscheidung fällt: in Schaufenstern und im Sichtwahlregal hinter dem Verkaufstresen. Hinzu kommen Schulungen für Apothekerinnen, Apotheker und pharmazeutisch-technische Assistenten. Als Blickfang dient eine mobile Kampagneninstallation, die "Apotheke der Natur", die derzeit in Schwäbisch Gmünd steht und später auf Messen und Veranstaltungen zum Einsatz kommen soll. 

Mónica Mennet-von Eiff und Stefanie Haefele (v.l.) vor der "Apotheke der Natur": Mit mehr Sichtbarkeit in den Apotheken will Weleda das Pharmageschäft wieder stärken.

Mónica Mennet-von Eiff und Stefanie Haefele (v.l.) vor der "Apotheke der Natur": Mit mehr Sichtbarkeit in den Apotheken will Weleda das Pharmageschäft wieder stärken. © Marisa Herzer

Der Aufwand hat einen nüchternen Hintergrund: Ein großes Sortiment nützt wenig, wenn es niemand empfiehlt. "Wie viele Ärzte oder Therapeuten kennen sich so gut aus, dass sie das einsetzen?", fragt Mennet-von Eiff. "Da braucht es viel mehr Schulung und Training und Ausbildung." 

Bestehendes weiterentwickeln

Ein zweiter Ansatz ist, vorhandene Präparate gezielter weiterzuentwickeln und neu zu positionieren. Denn neue Medikamente zu entwickeln, ist langwierig und teuer – nach Angaben des Unternehmens dauert das mindestens zehn Jahre. Ein Beispiel ist Rheum rhaponticum, ein seit Langem im Sortiment vorhandenes Präparat, das nun im Zusammenhang mit dem Thema Wechseljahre stärker vermarktet werden soll. Auch die 2025 eingeführten Amara-Tropfen in der 20-Milliliter-Größe zeigen die Logik: kein neues Mittel, sondern eine neue Darreichungsform für ein bekanntes. Dazu kamen die Visiodoron Malva Intense Augentropfen für den Bereich Auge. 

Parallel soll die wissenschaftliche Datenbasis wachsen. Derzeit läuft eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie zum Medikament Cardiodoron, das zur Stabilisierung des Kreislaufes dient, eine weitere Untersuchung dieser Art ist für ein Magen-Darm-Präparat vorgesehen. Der Aufwand ist erheblich, wie Mennet-von Eiff einräumt: Solche Studien seien "unheimlich teuer, und ein mittleres Unternehmen kann sich auch nicht zahlreiche klinische Studien leisten". Entsprechend konzentriert sich Weleda auf ausgewählte Präparate. 

Das Arzneimittel entsteht in Gmünd

Für Schwäbisch Gmünd ist die Entwicklung deshalb besonders interessant, weil das Pharmageschäft hier nicht nur vermarktet, sondern in wesentlichen Teilen auch produziert wird – vom Heilpflanzenacker bis zum fertigen Präparat. 

Aus den Pflanzenextrakten entstehen in der Gmünder Produktion die Ausgangsstoffe für Weleda-Arzneimittel. Eine Mitarbeiterin mischt und presst die Pflanzenbestandteile für die weitere Verarbeitung.

Aus den Pflanzenextrakten entstehen in der Gmünder Produktion die Ausgangsstoffe für Weleda-Arzneimittel. Eine Mitarbeiterin mischt und presst die Pflanzenbestandteile für die weitere Verarbeitung. © Marisa Herzer

Im Heilpflanzengarten in Wetzgau werden zahlreiche Arzneipflanzen angebaut. Jede Ernte wird dokumentiert und kontrolliert, Herkunft, Erntezeitpunkt und Qualität des Pflanzenmaterials lassen sich nachvollziehen. Am Standort entstehen daraus rund 450 unterschiedliche Pflanzenextrakte. Nach Unternehmensangaben werden dort etwa 600 Tonnen Pflanzenmaterial im Jahr verarbeitet. Rund 30 bis 40 Prozent davon gehen in Arzneimittel, der größere Teil in die Kosmetik. Die fertigen Extrakte werden anschließend im Hauptwerk zu Arzneimitteln weiterverarbeitet. Der Heilpflanzengarten ist damit Teil einer Wertschöpfungskette, die bis in die industrielle Herstellung reicht. 

Wachstum soll zurückkehren

Auf dieser bestehenden Wertschöpfung will Weleda nun aufbauen und das Arzneimittelgeschäft wieder voranbringen. Für 2026 erwartet der Konzern insgesamt ein Wachstum über Marktniveau und eine verbesserte Ertragsmarge – auch durch einen stärkeren kommerziellen Fokus im Pharmabereich.

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