Was ist die Junge Oper Dortmund genau? Die Junge Oper Dortmund hat die Aufgabe, ausschließlich Oper für Kinder und Jugendliche zu machen. Im Theater Dortmund gibt es ein Ensemble für die große Bühne und es gibt ein spezielles Ensemble, zwei Sängerinnen und ich, die Opern für eben Kinder und Jugendliche machen. Wir haben auch unsere […]
Was ist die Junge Oper Dortmund genau?
Die Junge Oper Dortmund hat die Aufgabe, ausschließlich Oper für Kinder und Jugendliche zu machen. Im Theater Dortmund gibt es ein Ensemble für die große Bühne und es gibt ein spezielles Ensemble, zwei Sängerinnen und ich, die Opern für eben Kinder und Jugendliche machen.
Wir haben auch unsere eigenen Komponisten, es ist also nicht unbedingt so, dass Opernklassiker jetzt für Kinder angepasst werden. Nein, es sind tatsächlich eigenständige Produktionen, die sowohl im Theater Dortmund, wie auch in den Schulen und Tagesstätten aufgeführt werden. Das kann entweder mit Orchester sein oder auch a cappella. In dieser Spielzeit hatten wir beispielsweise sieben verschiedene Produktionen. Nächste Spielzeit führen wir aber auch Humperdincks Oper Hänsel und Gretel auf, was ja eine richtige romantische Oper ist. Ansonsten arbeiten wir hauptsächlich mit einem Composer in Residence, der alle zwei bis drei Jahre wechselt.
Reicht Ihnen das? Oder anders gefragt, können Sie von der Jungen Oper aus eine sogenannte normale Bühnenkarriere anstreben?
Die Frage ist vielmehr: Will ich eine normale Bühnenkarriere machen? Zuerst einmal ist die Junge Oper Dortmund eine hervorragende Schule für einen jungen Sänger, denn Kinder und Jugendliche sind ein sehr ehrliches Publikum. Wenn es Ihnen gefällt, dann lassen sie Dich das auch merken. Wenn nicht, dann hört man schon oft ein „Mama, wann gehen wir endlich nach Hause.“ (lacht)
Kinder nehmen kein Blatt vor den Mund. Kinder sind nicht das rücksichtsvolle Publikum, was am Ende brav klatscht, auch wenn es ihm nicht gefallen hat. Darüber hinaus haben wir unwahrscheinliches Glück, intensiv mit einem lebenden Komponisten zu arbeiten und die Partien mit ihm zu diskutieren. Was ist sangbar, was nicht? Wo gibt es Probleme, was fördert den Gesang? Das ist unheimlich interessant und da lernt man als junger Sänger sehr viel. Ich bin ja Bariton und kann dann auch hier mal ausprobieren, wie hoch meine Stimme kommt, ohne sich zu viel anzustrengen oder ob ich auch mal in den Bass-Baritonbereich vorstoßen kann. Auf der anderen Seite ermöglicht mir mein Engagement, auch andere Projekte anzunehmen. Kirchenprojekte sind mir sehr wichtig, ich arbeite z.B. sehr gerne mit Rosch Mirkes zusammen, Liederabende, Konzerte auf der Bühne, dies alles ist enorm bereichernd und hilft mir, meinen Weg zu finden, der für mich persönlich immer noch nicht festgelegt ist.
Franz SchillingSie wollen also nicht unbedingt Opernsänger werden?
Dafür muss man gemacht sein. Und es gibt solche Persönlichkeiten, die die Opernbühne brauchen. Und die haben auch die Stimme dafür. Oft sind dieses Talent und diese Fähigkeit angeboren. Ich bin an sich kein geborener Sänger, ich suche die Herausforderung in der Musik, sehe mich also eher als Diener. Das ist ein kleiner, aber sehr feiner Unterschied. Eigentlich will ich Teil eines Größeren sein, Teil eines Teams, das gemeinsam Musik machen will. Und nicht Einzelkämpfer. Ich möchte mir, momentan jedenfalls, die Freiheit erlauben, das zu singen was ich mag. Und das ist beispielsweise einen Frank Sinatra-Abend zu singen. (lacht) Oder Musical. Ich bewundere Musical-Sänger, das ist ein enorm harter Beruf, bei dem man auch noch ungemein gut tanzen können muss. Würde mich aber auch sehr reizen. Mit Frin Wolter und Nora Braun will ich im nächsten Jahr Schuberts Winterreise machen, in einer Bearbeitung für Akkordeon, Geige und Cello. Solche Projekte sind für mich ungemein aufregend. Eigentlich angele ich mich von Projekt zu Projekt weiter und sehe, wohin der Weg mich führt.
Aber so einen kleinen geheimen Wusch haben Sie sicher doch.
(lacht) Ich liebe das Wagnerfach und wenn meine Stimme sich in diese Richtung entwickeln würde, dann würde es mich sehr freuen, einmal Wagner zu singen. Im Konzert singe ich übrigens Wolframs Lied an den Abendstern aus Tannhäuser.
Sie haben bei Christoph Strehl in Salzburg studiert, der ebenfalls Oper, Konzert und Lieder singt.
Ja, Strehl ist ein hervorragender Pädagoge und Mozart-Interpret. Ein Vertreter eines besonderen Stils. Man muss sich allerdings erst an den Wert der Oper in einer Stadt wie Salzburg gewöhnen. Wenn man aus Luxemburg kommt, wo es kein Opernhaus und kein Opernensemble, wo Oper eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielt, dann kommt einem dieser sehr ernsthafte Zugang zuerst einmal etwas befremdlich vor.
Ich habe Oper erst in Salzburg entdeckt. Da kommt auch niemand an Mozart vorbei. Ich habe dort vier Jahre studiert, leider auch während Covid, so dass keine wirkliche Regelmäßigkeit zustande kam. Ich habe dann auch meine erste Opernrolle überhaupt, den Guglielmo in Cosi fan tutte mit dem Ensemble der Uni gesungen.
Eine Stimme verändert sich ja. Was beutet das für Sie als Sänger?
Ich habe ja schon als Kind bei den Pueri Cantores gesungen und Kurse bei Marie-Reine Nimax und Marc Dostert belegt. Meine Stimme wurde also schon von Kind auf geschult und begleitet. Das war alles sehr wichtig für eine gesunde Basis. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich meine Stimme enorm verändert. Nicht so in der Höhe – ich bin also Bariton geblieben – sondern viel mehr in der Breite. Sie ist zudem kräftiger geworden und freier. Am Anfang war meine Stimme ziemlich eng, was natürlich auf die Anatomie der Stimmbänder zurückzuführen war. Dann lernte ich technisch singen; meine Gesichtsmuskulatur, meine Artikulationsmuskulatur, meine Atmung, alles musste gelernt werden. Und vor allem, ich musste lernen, es zu trennen. Dadurch kann ich ökonomischer und jetzt auch länger am Stück singen. Was sehr wichtig ist, denn bei einem Liederabend muss man schon zweimal 45 Minuten singen können, ohne einzubrechen. Bei der Oper hat man öfters Pausen, es sei denn, man singt einen langen Wagner-Monolog. (lacht)