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Promis Sarah Connor und Carpendales: Wer sich nur halb trennt, der verzögert Schmerz

Дата публикации: 26-09-2026 06:42:00

Getrennt, aber weiter unter einem Dach – sogar Sex mit dem Ex? Zwei Promi-Paare leben genau dieses Modell der „sanften Trennung“.

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Getrennt, aber weiter unter einem Dach – sogar Sex mit dem Ex? Zuletzt sorgten zwei Promi-Paare für Aufsehen, die genau dieses Modell der „sanften Trennung“ leben.

Sie wohnen zusammen, fahren gemeinsam in den Urlaub, kümmern sich um die Kinder – und manchmal haben sie sogar noch Sex. Prominente Paare zeigen gerade eine ungewöhnliche Form der Trennung. Aber kann das funktionieren? Es kann den Schmerz verzögern. Und was bedeutet „getrennt“ eigentlich noch, wenn so vieles bleibt?

Früher schien die Sache vergleichsweise eindeutig: Eine Beziehung endet, einer zieht aus, irgendwann werden die Sachen aufgeteilt, vielleicht kommt die Scheidung – und im Idealfall begegnet man sich nach einiger Zeit wieder einigermaßen freundlich.

Doch Trennungen müssen offenbar nicht mehr nach diesem Drehbuch verlaufen.

Stefan Woinoff ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Beziehungsexperte von www.50plus-Treff.de. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle. 

Annemarie und Wayne Carpendale haben nach 19 gemeinsamen Jahren erklärt, kein Paar mehr zu sein. Gleichzeitig leben sie weiter unter einem Dach, verstehen sich gut und bezeichnen sich weiter als Familie und Team.

Noch einen Schritt weiter geht Sarah Connor. Sie erklärte über ihre Beziehung zu Florian Fischer: „Unsere Beziehung hat ihre Form verändert.“ Beide wohnen weiter zusammen, arbeiten miteinander, verreisen gemeinsam – und wenn sie Lust haben, schlafen sie auch noch miteinander.

Ist das überhaupt noch eine Trennung? Aus psychotherapeutischer Sicht lautet die Antwort: Ja und Nein. Denn eine Beziehung besteht nicht aus einem einzigen Baustein.

Eine Partnerschaft besteht aus vielen Beziehungen

Wir verwenden das Wort „Beziehung“ häufig so, als sei damit etwas Eindeutiges gemeint. Tatsächlich können in einer langjährigen Partnerschaft ganz unterschiedliche Beziehungsebenen nebeneinander existieren:

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  • die Liebesbeziehung,
  • die sexuelle Beziehung,
  • die Elternbeziehung,
  • die Alltagsgemeinschaft,
  • Freundschaft,
  • Vertrautheit
  • und nicht zuletzt eine gemeinsame Lebensgeschichte.

Bei einer Trennung müssen keineswegs alle diese Ebenen gleichzeitig verschwinden.

Ein Paar kann seine Liebesbeziehung beenden und trotzdem gute Eltern bleiben. Es kann sich sexuell trennen, aber freundschaftlich eng verbunden bleiben. Es kann getrennt wohnen und trotzdem Weihnachten oder Ferien gemeinsam mit den Kindern verbringen. Und theoretisch ist auch das Gegenteil möglich: Zwei Menschen definieren sich nicht mehr als klassisches Paar, empfinden aber weiter sexuelle Anziehung.

Genau darin könnte sich unser Verständnis von Trennung verändern: Nicht jede Trennung bedeutet die vollständige Auflösung einer Beziehung. Manchmal wird eine Beziehung vielmehr zerlegt und neu zusammengesetzt.

In meiner Praxis ist das trotzdem eher die Ausnahme

Ich erlebe durchaus Paare, die nach einer Trennung einen erstaunlich freundschaftlichen Umgang miteinander finden. Besonders wenn Kinder vorhanden sind, gibt es ehemalige Partner, die gemeinsam Geburtstage feiern, zusammen die jeweiligen Herkunftsfamilien besuchen oder sogar mit den Kindern gemeinsam Urlaub machen.

Manche sagen sinngemäß: Wir sind kein Liebespaar mehr, aber wir bleiben eine Familie. Das kann gut funktionieren.

Allerdings ist diese Form der Trennung nach meiner Erfahrung eher die Ausnahme als die Regel. Viele Menschen benötigen nach einer Trennung zunächst genau das Gegenteil: Abstand. Das ist psychologisch nachvollziehbar.

Wer sich nicht ganz trennt, verschiebt den Schmerz

Eine Trennung bedeutet Verlust. Gewohnheiten, Zukunftsvorstellungen und Rollen müssen aufgegeben werden. Wer morgens weiter gemeinsam Kaffee trinkt, abends zusammen auf dem Sofa sitzt und im Sommer miteinander verreist, bekommt möglicherweise kaum Gelegenheit zu erleben: Dieser Lebensabschnitt ist tatsächlich vorbei.

Eine freundschaftliche Beziehung zum Ex-Partner kann deshalb Zeichen einer gelungenen Trennung sein. Sie kann aber ebenso eine Möglichkeit sein, den Trennungsschmerz zu umgehen. Man trennt sich – und sorgt gleichzeitig dafür, möglichst wenig von der Trennung spüren zu müssen.

Dann wird aus einer sanften Trennung leicht eine verlängerte Übergangsphase.

Kinder können verbinden – ohne dass die Eltern ein Paar bleiben

Besonders wichtig wird diese Unterscheidung bei gemeinsamen Kindern. Kinder profitieren nicht davon, wenn ihre Eltern nach einer Trennung möglichst konsequent nichts mehr miteinander zu tun haben. Wenn Mutter und Vater weiterhin respektvoll miteinander umgehen, Absprachen treffen können und wichtige Ereignisse gemeinsam erleben, kann das Kindern viel Sicherheit vermitteln.

Manche getrennten Eltern verbringen deshalb weiter einzelne Urlaube gemeinsam oder besuchen zusammen die jeweiligen Herkunftsfamilien. Das kann wunderbar sein – solange die Verhältnisse für alle Beteiligten klar sind.

Problematisch wird es, wenn Eltern den Kindern dauerhaft eine Paarbeziehung vorspielen, die es nicht mehr gibt. Kinder brauchen weniger die Illusion einer intakten Paarbeziehung als verlässliche Beziehungen und verständliche Verhältnisse.

Die neue Liebe ist der eigentliche Belastungstest

Die entscheidende Bewährungsprobe solcher Modelle kommt häufig erst dann, wenn einer der beiden eine neue Partnerschaft eingeht. Solange beide allein sind, kann die Konstruktion erstaunlich gut funktionieren: Man wohnt zusammen, fährt gemeinsam weg, verbringt Weihnachten mit den Kindern und hat vielleicht sogar gelegentlich Sex.

Doch was geschieht, wenn plötzlich ein neuer Mann oder eine neue Frau auftaucht? Dann verändern sich die Koordinaten schlagartig.

Denn ein neuer Partner wird möglicherweise wenig begeistert davon sein, dass seine Partnerin weiter mit ihrem Ex-Mann zusammenwohnt, mit ihm in den Urlaub fährt und gelegentlich das Bett teilt.

Und auch der vermeintlich so entspannte Ex-Partner kann plötzlich feststellen, dass sich die eigene Gelassenheit anders anfühlt, sobald der andere verliebt nach Hause kommt. Hier zeigt sich häufig erst, ob die Trennung emotional tatsächlich vollzogen wurde.

Lockere Trennungen sind eher Übergangslösungen

Deshalb halte ich viele dieser sehr lockeren Trennungsmodelle eher für mögliche Übergangslösungen als für ein dauerhaft stabiles Lebensmodell. Sie können den Übergang erleichtern, gerade nach vielen gemeinsamen Jahren und mit Kindern. Sie können aber auch verhindern, dass die unvermeidliche Trauer über das Ende einer Beziehung wirklich durchlebt wird. Spätestens wenn neue Partner hinzukommen, muss aus dem Schwebezustand häufig etwas Eindeutigeres werden.

Sex mit dem Ex muss nicht bedeuten: Wir gehören noch zusammen

Kann Sex nach der Trennung funktionieren? Ja. Aber er ist vermutlich der komplizierteste Teil eines solchen Modells. Körperliche und emotionale Verbundenheit sind nicht identisch. Menschen können jemanden sexuell attraktiv finden, ohne mit ihm wieder eine klassische Paarbeziehung führen zu wollen.

Gerade nach vielen gemeinsamen Jahren gibt es zudem große körperliche Vertrautheit. Sex mit dem Ex muss deshalb keineswegs automatisch bedeuten: Wir gehören wieder zusammen.

Das funktioniert allerdings nur, solange beide dasselbe darunter verstehen. Wenn einer denkt: „Das war einfach schön“, während der andere morgens aufwacht und denkt: „Vielleicht kommen wir doch wieder zusammen“, entsteht fast zwangsläufig Leid.

Die entscheidende Frage nach dem Sex

Und auch hier stellt sich die Frage nach einer neuen Partnerschaft besonders scharf. Spätestens dann muss geklärt werden, ob Sex mit dem Ex tatsächlich zu einer abgeschlossenen Paarbeziehung gehört – oder ob eben doch ein Teil der alten Partnerschaft weiterlebt.

Die entscheidende Frage nach dem Sex lautet deshalb nicht: „War es schön?“, sondern: „Was bedeutet das für dich?“

Warum trennt man sich dann überhaupt?

Wenn zwei Menschen weiter zusammenwohnen, verreisen und sogar miteinander schlafen – warum nennen sie sich dann nicht einfach weiter ein Paar? Weil Partnerschaft mehr bedeutet als die Summe gemeinsamer Aktivitäten.

Das entscheidende Merkmal einer Trennung kann darin bestehen, dass zwei Menschen den gegenseitigen Anspruch aufeinander aufgeben. Du musst dein Leben nicht mehr nach meinen Vorstellungen führen. Ich bin nicht mehr automatisch die Person, mit der du deine Zukunft planen musst. Wir dürfen eigene Wege gehen – und dazu gehört letztlich auch die Freiheit, sich neu zu verlieben.

Manche Beziehungen scheitern weniger daran, dass zwei Menschen sich nicht mehr mögen, sondern daran, dass sie die Erwartungen nicht mehr erfüllen können oder wollen, die mit ihrer bisherigen Paarbeziehung verbunden waren. Wenn diese Erwartungen wegfallen, verschwinden manchmal auch erstaunlich viele Konflikte.

Eine Trennung muss kein Beziehungsabbruch sein

Vielleicht erleben wir tatsächlich eine Erweiterung dessen, was Trennung bedeuten kann. Früher war die Vorstellung häufig binär: zusammen oder getrennt. Liebe oder Ende. Paar oder Ex-Paar.

Das menschliche Erleben ist oft weniger eindeutig. Nach einer langen Beziehung kann die erotische Partnerschaft verschwinden, während Freundschaft bleibt. Die romantische Liebe kann enden, während familiäre Verbundenheit fortbesteht. Das kann funktionieren. Aber es ist nicht automatisch die „reifere“ Form einer Trennung.

Der schmerzhafte Teil steht bei sanfter Trennung noch bevor

Manchmal ist ein klarer Schnitt das Gesündeste. Und manchmal sieht eine besonders harmonische Trennung nur deshalb so harmonisch aus, weil beide den schmerzhaften Teil noch vor sich herschieben.

Eine gute Trennung braucht deshalb nicht zwingend Distanz – aber sie braucht Klarheit. Und der vielleicht ehrlichste Test dieser Klarheit lautet: Was passiert, wenn einer von beiden sich neu verliebt?

Wenn auch dann beide frei sind, ihren eigenen Weg zu gehen, ohne dass die alte Beziehung heimlich weiter Ansprüche stellt, ist aus der Partnerschaft tatsächlich etwas Neues geworden.

Vielleicht ist genau das der Kern einer gelungenen Trennung: Nicht unbedingt die Beziehung zum anderen Menschen zu beenden – sondern eine bestimmte Form dieser Beziehung.

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