Bei der WM gab es eine bemerkenswerte Fluktuation auf den Trainerbänken. Zehn Coaches sind ihren Job los, nur einer von ihnen unfreiwillig.
Bereits nach dem ersten Gruppenspiel musste der erste Nationaltrainer gehen. Bislang ist Tunesiens Ex-Coach auch der einzige Übungsleiter, der nicht von sich aus den Platz geräumt hat. Nach dem 1:5 zum Auftakt gegen Schweden musste Lamouchi gehen – dabei hatte er das Team erst im Januar übernommen. Auf ihn folgte Hervé Renard, aber dazu später an dieser Stelle mehr.
Sieben Jahre lang hatte Clarke die schottische Nationalmannschaft trainiert, bei deren erster WM-Teilnahme seit 28 Jahren fielen aber vielmehr die sangesfreudigen Fans auf. Die marschierten mit Dudelsäcken durch US-Städte und machten das Singen der Nationalhymne „Flower of Scotland“ zu einem Gänsehaut-Erlebnis. Das wird von den Schotten in Erinnerung bleiben. Clarke nahm nach Platz 3 in der Gruppe und dem damit verbundenen Aus seinen Hut und ging.
Trainer Hong Myung-bo hat kurz nach dem WM-Aus seinen Rücktritt angekündigt. © AP/dpa | Moises Castillo
Das Aus der Südkoreaner hatte schnell die landespolitische Ebene erreicht. Staatsoberhaupt Lee Jae Myung kündigte nach dem Ausscheiden in der Vorrunde Konsequenzen an. Ob er direkt mit dem Trainer gesprochen hatte, ist nicht übermittelt, aber Hong Myung-bo trat kurz danach zurück. „Ich entschuldige mich aufrichtig bei der koreanischen Öffentlichkeit, die unsere Mannschaft unterstützt hat“, sagte der 57-Jährige.
Die Umstände seines Aus’ als Nationaltrainer lassen sich nicht zu hundert Prozent herleiten. Irgendetwas muss in Hinterzimmern passiert sein, dass Koubek seine Aussage, er habe einen Vertrag und wolle nicht aufgeben, später kassierte. Angeblich wegen einer Medienkampagne, möglicherweise hatte man ihm aber auch einen Rücktritt nahegelegt, der dann nach „freiwillig“ aussah. Wie auch immer: Nach dem WM-Aus war für ihn Schluss.
„Mit Klopp wird’s was“: Auf den Nagelsmann-Rücktritt fehlt nur noch ein logischer Schritt beim DFB
Der Ex-Bundestrainer ging – offiziell – ebenfalls freiwillig, doch nicht ohne gute Ratschläge von Funktionären. So soll unter anderem Ex-BVB-Boss Hans-Joachim Watzke mit weiteren DFB-Größen Druck auf den Coach ausgeübt haben, den Platz für einen Nachfolger freizumachen. Zuvor hatte Nagelsmann nach dem blamablen und nur mit viel Fantasie zu erklärenden Ausscheiden gegen Paraguay betont, dass er nicht vor der Verantwortung weglaufen wolle.
Ronald Koeman hat sich vom Nationalteam der Niederlande verabschiedet. © AP/dpa | Dolores Ochoa
Bondscoach Koeman stellte sich nach dem überraschenden Aus gegen Marokko schützend vor die Mannschaft, auch wenn die gerade im Sechzehntelfinale ausgeschieden war und das Ziel Halbfinale verpasst hatte: „Als Nationaltrainer trägt man diese Verantwortung. Die habe ich immer gespürt und werde sie auch immer spüren.“ Koeman war kritisiert worden, weil er in der Partie fünf Verteidiger aufgestellt hatte. Doch für seinen Rücktritt gab es auch private Gründe: „Meine Frau Bartina hat mich trotz ihrer eigenen Krankheit jeden Tag unterstützt und ermutigt, meine Arbeit als Nationaltrainer zu Ende zu bringen. Dafür bin ich ihr dankbarer, als ich es jemals in Worte fassen könnte.“
Dieses Ende war eingeplant, der Zeitpunkt vermutlich nicht. So lassen sich zumindest die Worte deuten, die der 45-Jährige zum Abschied sagte: „Wir haben es nicht geschafft, unser Ziel zu erreichen – nämlich die beste WM in der Geschichte Ecuadors zu spielen.“ Ecuador hatte gegen Deutschland verloren und war im Sechzehntelfinale gegen Mexiko ausgeschieden. Bereits zuvor hatte er mit dem Fußballverband seines Landes vereinbart, dass sein Vertrag bis zur Weltmeisterschaft laufen sollte.
Tunesiens zweiter Trainer während der WM: Herve Renard (l.) hat den Turnaround in der kurzen Zeit nicht geschafft © AFP | Aguilar
Gleich zweimal tauchen die Nordafrikaner in dieser Reihe auf. Im Fall von Renard, der den früh geschassten Lamouchi beerbte, weil der Turnaround nicht gelang. „Meine Reise ist zu einem Ende gekommen“, ließ der 54-Jährige via Instagram wissen. Diese Reise dauerte nur zwei Spiele, in denen seine Mannschaft ein Tor schoss, dafür aber sieben kassierte.
Englands Kapitän Kane versagt die Stimme
Der Ex-Dortmunder Otto Addo hatte im April Platz für Queiroz gemacht, doch Ghana schied im Sechzehntelfinale aus und verpasste die eigene Zielsetzung. Die könne auch nicht erreicht werden, wenn sich in dem Land nicht etwas ändere, ließ Queiroz nach seinem Aus wissen, als er den ghanaischen Verband offen kritisierte: „Die Zukunft der Black Stars wird nicht allein auf dem Platz gebaut, der Erfolg der Black Stars muss außerhalb des Platzes beginnen, indem man die bestmöglichen Bedingungen schafft, um das außergewöhnliche Fußball-Talent Ghanas vorzubereiten, zu schützen und zu entwickeln.“
Ein stilvoller Abgang in Verbindung mit einem stilvollen Angebot: Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen England stand fest, dass Aguirre (67) nicht länger Trainer der mexikanischen Nationalelf sein würde. Seinem Nachfolger Rafael Marquéz (47), der bereits in seinem Trainerstab arbeitete, sicherte er Unterstützung zu: „Ich habe ihm gesagt, dass er immer auf mich zählen kann.“
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