Chikara Kennedy verdiente bei Meta als Personalerin ein sehr gutes Gehalt. Warum sie heute mit deutlich weniger Einkommen glücklicher in Mexiko lebt.
Courtesy of Chikara Kennedy
Chikara Kennedy arbeitete als Personalmanagerin bei Meta, bevor sie 2023 entlassen wurde.
2024 gründete sie ihr eigenes Coaching-Unternehmen und verdient heute nach eigenen Angaben nur noch etwa halb so viel wie früher.
Der Umzug nach Mexiko half ihr, ihre Ausgaben deutlich zu senken und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Dieser Beitrag basiert auf einem Gespräch mit Chikara Kennedy, der 43-jährigen Gründerin und Geschäftsführerin von Chikara Power Coaching, die in Mexiko lebt. BUSINESS INSIDER (BI) hat Kennedys Einkommen und Beschäftigungsverhältnis anhand von Unterlagen überprüft. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit redigiert.
Bevor ich 2024 mein eigenes Unternehmen gründete, arbeitete ich fast fünf Jahre lang als Senior-HR-Managerin bei Meta.
Mein Grundgehalt lag damals bei rund 250.000 Dollar (etwa 215.000 Euro). Zusammen mit Bonuszahlungen und gesperrten Aktienpaketen verdiente ich mehr als 300.000 Dollar (etwa 260.000 Euro) im Jahr.
Es war ein gut bezahlter, klar strukturierter Job in einem Großunternehmen, und mein Einkommen war auf eine Weise vorhersehbar, die mir Sicherheit gab.
Dann änderte sich 2023 schlagartig alles. Ich ließ mich scheiden, wurde entlassen und wurde 40 Jahre alt – alles innerhalb desselben Jahres.
Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass ich meinen Job verlieren würde. Die Entlassung war für mich traumatisch. Zunächst traf mich der Jobverlust schwer. Die Unsicherheit über meine Zukunft löste große Ängste aus, und ich geriet wegen meiner finanziellen Situation immer wieder in Panik.
Damals wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte. Doch 2024 entschied ich mich, mein eigenes Coaching-Unternehmen zu gründen.
Lest auch
Während ich mein Unternehmen aufbaute und nicht wusste, ob es jemals so profitabel sein würde wie mein früherer Job, suchte ich nach Möglichkeiten, meine Ausgaben zu senken und gleichzeitig meine Lebensqualität zu verbessern.
Obwohl ich Ersparnisse hatte, wusste ich, dass ich mir meinen bisherigen Lebensstil in Washington, D.C., mit meiner teuren Wohnung nicht dauerhaft leisten sollte. Als Unternehmerin fühlte sich mein Einkommen deutlich unsicherer an. Allein meine Miete in der Innenstadt von Washington betrug mehr als 3000 Dollar (etwa 2600 Euro) im Monat.
Courtesy of Chikara Kennedy
Ich wollte nicht in die Situation geraten, ständig aufs Geld achten zu müssen. Ein Umzug an einen günstigeren Ort erschien mir deshalb als attraktive Möglichkeit – sowohl für meinen Lebensstil als auch, um meine Ausgaben zu reduzieren und einen Neuanfang zu wagen.
Während ich nach Wegen suchte, günstiger zu leben, lernte ich in einem Nagelstudio in Washington zufällig eine Frau kennen. Wir kamen über das Leben, Unternehmertum und die hohen Lebenshaltungskosten in Washington ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie darüber nachdenke, an einen Strand in Mexiko zu ziehen – und sagte zu mir: „Ich finde, du solltest das auch tun.“
Ich hatte sie gerade erst kennengelernt. Trotzdem löste dieser Satz etwas in mir aus.
Lest auch
Im September 2024 packte ich meine Sachen zusammen, stellte mein 15 Jahre altes Auto und den Rest meines Hausrats ein und zog mit vier Koffern nach Mexiko.
Ich hatte keine Schulden und musste auch keinen Autokredit abbezahlen. Ich dachte mir: Wenn es mir dort nicht gefällt, kann ich jederzeit zurückkehren. Das Einzige, das mir wirklich Sicherheit gab, war die Gewissheit, dass ich mich anpassen und wieder von vorne anfangen kann.
Warum sollte ich also nicht die Chance nutzen, einen anderen Lebensstil auszuprobieren, meine Ausgaben zu senken und mir die Zeit und den Freiraum zu verschaffen, mich neu zu erfinden?
Die größte Umstellung bestand darin, nach fast 20 Jahren in Konzernen ohne die psychologische Sicherheit eines regelmäßigen Gehalts auszukommen.
Außerdem fällt es mir schwer, heute so viel zu sparen oder zu investieren wie früher.
Es gab Phasen, in denen mein Geschäft langsamer lief. Dann habe ich mein Budget erneut überprüft und nach weiteren Sparmöglichkeiten gesucht. Derzeit zahle ich für eine Zwei-Zimmer-Wohnung knapp 1700 Dollar (etwa 1450 Euro) Miete. Ich überlege bereits, in eine kleinere Wohnung zu ziehen, um etwas mehr finanziellen Spielraum zu haben.
Im Gegensatz zu meinem Leben in Washington brauche ich heute allerdings kein Auto mehr und gebe nur sehr wenig Geld fürs Einkaufen aus. Ich lebe einfacher, wohne aber direkt gegenüber vom Strand – und liebe es. Ich erledige fast alles zu Fuß und gebe deutlich weniger Geld für Konsum, Statussymbole, Pendeln und teure Bequemlichkeit aus als während meiner Zeit im Konzern.
Als Unternehmerin habe ich keine Krankenversicherung. Über meinen früheren Arbeitgeber war ich hervorragend abgesichert. Als ich entlassen wurde, machte mir der Verlust dieser Absicherung große Sorgen – insbesondere, weil ich inzwischen über 40 bin.
Lest auch
In Mexiko kann ich medizinische Behandlungen problemlos selbst bezahlen. Sie sind deutlich günstiger als in den USA. Außerdem ist die medizinische Versorgung sogar besser als die, die ich früher hatte, und ich gehe inzwischen regelmäßiger zum Arzt.
Obwohl ich heute weniger verdiene, hat sich vieles in meinem Leben deutlich verbessert: meine Gesundheit, mein Stressniveau, meine Flexibilität, meine Beziehungen und meine Lebensqualität insgesamt. Mein Alltag fühlt sich heute so frei an wie früher nur kurze Urlaube.
Früher ging ich jeden Tag zur Arbeit, kam nach Hause, schlief und wartete auf das Wochenende oder den nächsten Urlaub. Heute kann ich auch an einem Dienstag an den Strand gehen, wenn ich möchte – obwohl ich weniger verdiene. Ich bin häufiger draußen in der Sonne, laufe mehr und gehe regelmäßig schwimmen.
Das war nicht nur ein finanzieller Neuanfang. Es war auch ein emotionaler und persönlicher.
Der Schritt in die Selbstständigkeit war für mich eine große Chance, mich weiterzuentwickeln. Ich habe dadurch viel intensiver darüber nachgedacht, was ich wirklich möchte und warum. Außerdem beschäftige ich mich stärker mit Netzwerken und unterschiedlichen Einkommensquellen. Vor allem aber kann ich heute ein authentischeres Leben führen.
Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Stabilität heute etwas anderes bedeutet, als vielen von uns beigebracht wurde. Jahrelang hatte ich versucht, ein „erfolgreiches“ Leben aufzubauen. Doch die Scheidung und die Entlassung kurz hintereinander zwangen mich dazu, Sicherheit völlig neu zu definieren.
Ich war immer davon ausgegangen, mein gesamtes Berufsleben in einem Konzern zu verbringen und dort später mit einer Betriebsrente in den Ruhestand zu gehen. Unternehmerin zu werden, gehörte nie zu meinem Plan.
Lest auch
Auch wenn mein Leben heute ganz anders aussieht, als ich es mir früher vorgestellt hatte, bin ich deutlich glücklicher – obwohl ich weniger verdiene. Meine psychische Gesundheit hat sich verbessert. Ich bin offener für Neues geworden und lerne gern neue Menschen kennen. Ich bin ausgeglichener, abenteuerlustiger und habe das Gefühl, mein Leben wirklich zu leben.
Heute arbeite ich mit den Menschen zusammen, mit denen ich arbeiten möchte. Ich bestimme meinen Tagesablauf selbst und nehme mir bewusst Zeit für Dinge, die mir wichtig sind – etwa Sport, Yoga oder Stunden am Strand. Früher arbeitete ich, um meinem Leben zu entkommen. Heute baue ich mir ein Leben auf, vor dem ich nicht mehr fliehen möchte.
Lest den Originalartikel auf Business Insider US.