Ist finanzielle Freiheit heute einfacher als früher? Bestsellerautor Grant Sabatier erklärt, welche Rolle Internet, Nebenjobs und steigende Lebenshaltungskosten spielen.
Courtesy of Grant Sabatier
Autor Grant Sabatier hält finanzielle Unabhängigkeit heute für erreichbarer denn je.
Das Internet erleichtert den Aufbau zusätzlicher Einnahmequellen und eigener Unternehmen.
Steigende Lebenshaltungs- und Wohnkosten erschweren den Weg zu FIRE jedoch für Geringverdiener.
Grant Sabatier begann etwa 2010 zu investieren, profitierte von einem starken Bullenmarkt und erreichte bereits mit Anfang 30 die finanzielle Unabhängigkeit. Der Bestsellerautor von „Financial Freedom“, der sein Nettovermögen innerhalb von fünf Jahren von nahezu null auf mehr als eine Million Dollar steigerte, hat die Entwicklung der FIRE-Bewegung („Financial Independence, Retire Early“ – finanzielle Unabhängigkeit und früher Ruhestand) in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten beobachtet.
Auf die Frage, wie er FIRE im Jahr 2026 definieren würde, antwortete Sabatier: „Es war noch nie so einfach, das zu erreichen.“
Das mag zunächst widersprüchlich klingen. Sabatier räumt ein, dass einige Aspekte des FIRE-Wegs heute schwieriger sind als zu Beginn seiner eigenen Reise. Die Immobilienpreise sind gestiegen, die Inflation belastet die Haushaltsbudgets, und junge Anleger profitieren nicht mehr von den Nachwirkungen des Bullenmarkts nach der Finanzkrise 2008 mit nahezu null Prozent Zinsen.
Dennoch sei FIRE heute breiter aufgestellt, flexibler und zugänglicher geworden. Außerdem habe das Internet den Aufbau von Unternehmen und zusätzlichen Einkommensquellen erheblich erleichtert.
„Ich denke, FIRE ist für jeden erreichbar. Wirklich für jeden“, sagt Sabatier. „Es hängt nur davon ab. Der Zeitrahmen verändert sich, ebenso wie die Kompromisse – und die sind größtenteils persönlicher Natur.“
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Während sich die frühe FIRE-Bewegung stark darauf konzentrierte, möglichst sparsam zu leben, hat sie sich laut Sabatier weiterentwickelt. Unternehmer des Internetzeitalters nutzen Nebenjobs, Online-Unternehmen und mehrere Einkommensquellen, um den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit zu beschleunigen.
FIRE bedeutet heute längst nicht mehr nur, möglichst wenig Geld auszugeben. Für viele Anhänger geht es vielmehr darum, die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben zu vergrößern – und dabei kann ein höheres Einkommen genauso wichtig sein wie Sparsamkeit.
„Irgendwann hieß es: Okay, wir können diesen Prozess nach unseren eigenen Vorstellungen deutlich beschleunigen, indem wir verschiedene Unternehmen gründen und Nebenjobs aufbauen“, sagt er. „Das war die Weiterentwicklung.“
Nach Ansicht Sabatiers war es noch nie so einfach, außerhalb eines klassischen Angestelltenverhältnisses Geld zu verdienen. Das Internet habe die Hürden für Unternehmensgründungen gesenkt, den Zugang zu Kunden erleichtert und den Aufbau einer eigenen Reichweite über soziale Netzwerke, Websites, Newsletter und andere digitale Kanäle ermöglicht.
Das bedeute allerdings nicht, dass jedes Nebengeschäft automatisch erfolgreich werde. Gleichzeitig sei auch die Konkurrenz größer geworden. Trotzdem seien die Möglichkeiten heute deutlich vielfältiger als früher.
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Wer nicht weiß, womit er anfangen soll, sollte laut Sabatier zwei Listen erstellen: eine mit Dingen, die ihm Spaß machen, und eine mit Fähigkeiten, die er besonders gut beherrscht. Dort, wo sich beide Listen überschneiden, könnten sich neue Einkommensmöglichkeiten ergeben.
Wer seit Jahren ein Instrument spielt, könnte Unterricht geben oder Auftritte absolvieren. Wer gerne reist, könnte andere bei der Reiseplanung unterstützen. Entscheidend sei, Fähigkeiten oder Interessen zu Geld zu machen, die ohnehin bereits vorhanden sind.
Nach Sabatiers Einschätzung lässt sich FIRE heute deutlich individueller gestalten. Inzwischen gibt es verschiedene Varianten wie Coast FIRE, Barista FIRE, Lean FIRE oder Fat FIRE. Manche verfolgen weiterhin den klassischen Ansatz, durch konsequentes Sparen Jahrzehnte früher in Rente zu gehen. Andere nutzen die FIRE-Prinzipien, um weniger zu arbeiten, den Beruf zu wechseln oder finanziell unabhängiger vom monatlichen Gehalt zu werden.
Sabatier bezeichnet das moderne FIRE-Konzept als eine Strategie nach dem Baukastenprinzip.
„Jeder Mensch lebt anders, hat andere Möglichkeiten und andere Vorstellungen vom eigenen Leben“, sagt er. „Deshalb kann jeder selbst entscheiden, was FIRE für ihn bedeutet – und den Rest einfach weglassen.“
Trotzdem sieht Sabatier die Herausforderungen realistisch. Vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen sei FIRE schwieriger geworden – insbesondere wegen der gestiegenen Inflation und der hohen Wohnkosten. Zwar hält er finanzielle Unabhängigkeit grundsätzlich für jeden erreichbar, doch der Zeitrahmen hänge stark von Einkommen, Ausgaben, familiären Verpflichtungen und dem Wohnort ab.
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„Ich habe schon das Gefühl, dass es schwieriger geworden ist, wenn man nur den Mindestlohn verdient und gleichzeitig mit den Wohnkosten Schritt halten muss“, sagt er. „Die Inflation ist deutlich stärker gestiegen, als ich erwartet hätte – und das trifft Menschen mit geringem Einkommen besonders hart.“
Wer den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit beschleunigen möchte, müsse häufig sein Einkommen erhöhen. Letztlich entscheide weiterhin die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben – allerdings habe es noch nie so viele Möglichkeiten gegeben, diese Lücke zu vergrößern.
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