Es war überfällig, dass die Bundesbank auch öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, die Verwaltung der milliardenschweren Kapitalrente zu übernehmen. Drei Gründe, warum das ein gutes Zeichen ist.
Die Einführung einer Kapitalrente wäre eine Revolution des deutschen Rentensystems. Ermutigend ist, dass die Koalition sie endlich angeht. Schließlich wurde diese Empfehlung der Alterssicherungskommission bisher weder von Vertretern der Union noch der SPD zerredet. Sie alle wissen: Mehr Kapitaldeckung ist entscheidend, um die Finanzierung der Rente zukunftsfest zu machen. Überfällig war es, dass die Bundesbank sich auch öffentlich als Verwalter ins Spiel bringt.
Denn in Berlin wird schon jetzt um die Details der Ausgestaltung gerungen. Insbesondere darum, wer den Zuschlag für ihre Verwaltung bekommt. Bisher war vorwiegend die Rede vom Kenfo. Deutschlands erster Staatsfonds, der zur Finanzierung der Atommüll-Lagerung aufgesetzt wurde, wurde von der Kommission in ihrem Bericht beispielhaft erwähnt. Seitdem macht die Kenfo-Chefin offensiv Werbung und kann auf prominente Fürsprecher bauen, darunter den Ex-Finanzminister Christian Lindner.
Die Bundesbank hielt sich bisher in notenbanküblicher Schweigsamkeit zurück. Nur hinter den Kulissen sprachen ihre Vertreter in Berlin vor. Es ist gut, dass die Bundesbank nun ein öffentliches Lebenszeichen von sich gegeben hat. Das heißt freilich nicht, dass sie automatisch den Zuschlag bekommen sollte. Zu begrüßen ist zunächst, dass es nun einen Wettbewerb gibt. Und für den kann die Bundesbank drei gewichtige Argumente ins Feld führen.
Erstens, ihre Bekanntheit und ihr Ruf. Die Bundesbank genießt unter der Bevölkerung anders als andere staatliche Institutionen ein hohes Vertrauen. Der Wert einer nicht nur gesetzlich verankerten, sondern auch politisch gelebten unabhängigen und verlässlichen Zentralbank ist seit Trumps Angriffen auf die amerikanische Notenbank noch ersichtlicher geworden.
Bei einem derart grundlegenden Systemwandel kann Vertrauen für die Akzeptanz entscheidend sein. Vor allem, da in Ostdeutschland die gesetzliche Rente für viele Menschen die einzige Altersvorsorge ist. Und im ganzen Land immer noch vier Fünftel der Menschen einen Bogen um Aktien und ETFs macht.
Zweitens, ihre Erfahrung. Die Bundesbank verwaltet für staatliche Stellen schon heute Vermögen, und zwar in einem gewaltigen Umfang von aktuell 140 Milliarden Euro. Füllt sich der Kapitalstock der Kapitalrente jedes Jahr in der von Bundeskanzler Friedrich Merz genannten Höhe von 30 Milliarden Euro, dürfte es also einige Jahre dauern, bis man in diese Sphären kommt. Beim Kenfo wäre es dagegen mehr als das heute verwaltete Vermögen.
Und das führt zum dritten Punkt: den Kosten. Bei der Bundesbank liegt das verwaltete Vermögen in eigenen Depots, verwaltet von eigenen Portfoliomanagern. Der Kenfo muss das an externe Asset-Manager ausschreiben. Das drückt die Rendite. Gleichzeitig ist er mit seinen 50 Mitarbeitenden deutlich kleiner und agiler als die Bundesbank mit ihren über 10.000 Beschäftigten.
All diese und weitere Faktoren muss nun der Gesetzgeber diskutieren und abwägen. Gut, dass er dabei mehr als eine Option hat.
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