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„Ich fange an, Sepp Blatter zu vermissen“: Die Tagesspiegel-Community zu Infantino und dem WM-Aus der USA

Дата публикации: 07-07-2026 11:57:53

Ein Anruf von Trump, eine aufgehobene Rotsperre – und dann das 1:4 gegen Belgien: Die Tagesspiegel-Community reagiert – mit Empörung, Schadenfreude und grundsätzlichen Fragen über die Zukunft des Fußballs.

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Die Reaktionen in unserer Community auf die aufgehobene Rotsperre sind heftig. Tagesspiegel-Nutzer Tizian schreibt: „Das ist so unverhohlen offene Korruption, dass ich anfange, Sepp Blatter zu vermissen.“ Grund dafür ist das, was die UEFA als beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte bezeichnete: US-Präsident Donald Trump rief Fifa-Chef Gianni Infantino persönlich an und bat darum, die Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zu überprüfen – erteilt nach einem Foul im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina.

Der Weltverband gab nach und hob die eigentlich automatische Spielsperre auf. Was folgte, war ein Sturm globaler Empörung: Die UEFA sprach von einer „roten Linie, die überschritten wurde“, der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp nannte den Vorgang „verrückt“, Ex-Fifa-Präsident Joseph Blatter fragte öffentlich: „Quo vadis, Fifa?

Der US-Stürmer Folarin Balogun.

Um seine Rot-Sperre geht es: US-Stürmer Folarin Balogun

© IMAGO/ZUMA Press Wire/IMAGO/Paul Kitagaki Jr.

Trumps Kalkül ging aber nicht auf. Im Achtelfinale verloren die USA gegen Belgien mit 1:4 und schieden aus dem Turnier aus. US-Stürmer Folarin Balogun, dem der Präsident per Telefonat den Weg auf den Platz freigeräumt hatte, blieb ohne Tor. Trump, der die Fifa-Entscheidung noch euphorisch auf Truth Social gefeiert hatte, schwieg nach dem Abpfiff.

Das Ergebnis hat in unserer Community erwartungsgemäß viel Schadenfreude ausgelöst – aber auch ernsthafte Empörung über das, was dieser Vorgang für den Fußball bedeutet. Wir dokumentieren hier eine redaktionelle Auswahl der eindrücklichsten Kommentare aus unserer Community:

(Anm. d. Red.: einige Kommentare wurden vor dem Spielergebnis eingereicht.)


Berliner1983
Wundert mich das in Bezug auf Trump? Wundert mich das mit Blick auf Infantino/ die FIFA? Nein. Natürlich nicht. Trotzdem ist das eine neue Dimension, ist die Dreistigkeit, mit der Korruption zur Schau gestellt, erschreckend. Hier wurden Grenzen ausgetestet, hier fand eine Verschiebung von Grenzen statt. Und hier geht es „nur“ um Fußball. Wie oft standen Entscheidungen und Ankündigungen von Trump im Zusammenhang mit Ausschlägen an der Börse?


Heiko61
Das belgische Team gab die einzig richtige Antwort auf Trump und Infantino. Eine überzeugende, eine sportliche!


VoSch
Und die Ironie dabei ist: Ausgerechnet Folarin Balogun, der die USA bei der Heim-WM ins Achtelfinale schießt, verdankt seine Staatsbürgerschaft dem puren Zufall – seine nigerianische Mutter war 2001 nur zu Besuch in Brooklyn, als die Wehen einsetzten.

Nach Trumps Plänen, das Geburtsortsprinzip abzuschaffen, dürfte dieser Top-Stürmer gar nicht für das Nationalteam auflaufen.

Tagesspiegel-Nutzer/in VoSch

Nach Trumps Plänen, das Geburtsortsprinzip abzuschaffen, dürfte dieser Top-Stürmer gar nicht für das Nationalteam auflaufen. Dass Trump nun persönlich Druck macht, um Baloguns Rotsperre aufzuheben, zeigt die ganze Doppelmoral dieser Politik: Populismus schlägt Prinzipien, sobald es dem sportlichen Ruhm dient.


Feinherb
Trump agiert, als gäbe es keine Regeln. Er tut das völlig offen. Weil er der Präsident der (noch) mächtigsten Nation ist. Die Präsidenten vor ihm haben ähnlich gehandelt. Allerdings war ihnen wichtig, dass es zumindest so aussah, als hielten sie sich an Regeln.

Broeckelhaus @Feinherb
Die Präsidenten vor ihm haben ähnlich gehandelt. Ohne diese in Schutz nehmen zu wollen, aber auf die gleiche Stufe zu stellen, kann ich nicht nachvollziehen. Trump agiert offen gegen die Gerichte, er macht auch mehr als Wahlkampf, wenn er die Demokraten als kommunistische Gefahr deklariert und passend dazu lässt er DOJ gegen politische Gegner ermitteln und beschwert sich, wenn da nichts bei raus kommt.

Er attackiert die Pressefreiheit, ICE verbreitet vor allem in Hochburgen des politischen Gegners Terror auf den Straßen usw. Es gab an früheren Präsidenten durchaus wichtige Kritikpunkte, aber was Trump macht, geht weit über das hinaus, denn er versucht die Demokratie abzuschaffen, denn diese Regeln stören ihn ungemein.


Tizian2011
Wenn das belgische Team nicht schon motiviert war, diese von Trump herbeigeführte Entscheidung hatte es spätestens geschafft. Danke Belgien! Sportlich wird man diese US-Mannschaft in den Geschichtsbüchern nicht wahrnehmen, nur diese Trump-Infantino-Einlage wird bleiben.


KlausKaminski
Die beiden sitzen sicher zu Hause, klopfen sich vor Lachen auf die Schenkel und amüsieren sich köstlich über die Meute, die sich jetzt erregt. Denn sie wissen genau: Ihnen kann keiner was und das Geldverschieben geht munter weiter, weil schon heute Abend wieder alle den TV anschalten, um Brot und Spiele zu gucken.


changyai
NIE HATTE BELGIEN EINEN GRÖSSEREN FANCLUB! :-)


Bonden
Nein - das gönne ich diesen Trumps und Infantinos dieser Welt nicht, dass sie mir meinen Spaß am Fußball kaputt machen. Ich habe bei dieser WM schon einige sehr tolle Spiele gesehen und bin mir sicher, dass da noch ein paar dazu kommen. Lediglich auf Spiele der USA werde ich verzichten - da kann man sich vermutlich nicht auf das verlassen, was man sieht; das Ergebnis steht erst viel später fest.


Rumpelrumpel
Die ganze Welt drückt jetzt den Belgiern die Daumen und hofft auf eine Abreibung für die USA, obwohl die USA-Spieler nichts falsch gemacht haben, nur im „falschen“ Land geboren wurden.

Eigentlich sollte der Sport auch außerhalb der Olympischen Spiele helfen, Gräben zu überwinden und Menschen als solche sichtbar zu machen

Tagesspiegel-Nutzer Rumpelrumpel

Genauso wie die russischen, israelischen, iranischen...(bitte selbst ergänzen) Sportler, die zum Spielball der Politik werden. Eigentlich sollte der Sport auch außerhalb der Olympischen Spiele helfen, Gräben zu überwinden und Menschen als solche sichtbar zu machen und nicht als Feinde. Die Abscheu sollte der korrupten FIFA gelten, nicht den Sportlern.


Pennsjonehr
Das war ein äußerst smarter Move der deutschen Nationalmannschaft: Passiver Boykott der WM durch das Ausscheiden gegen Paraguay.


Ber
Ich fordere, dass unser Bundeskanzler heute mit Infantino telefoniert und Deutschland zurück ins Turnier holt. Am besten direkt ins Viertelfinale.



Avanti5719
Eigentlich interessiert mich die WM genauso brennend wie die Gummitwist-Meisterschaft. Aber über diesen Sieg (oder um ehrlich zu sein: diese Niederlage) habe ich mich doch riesig gefreut.


Stachel.v.tagesspiegel
Trumps Kapriolen kennt man ja nun schon, er wird das alles wieder schönreden und jegliche Schuld von sich weisen. Wer aber der größte Verlierer sein wird, das ist Infantino, er weiß es nur noch nicht. Dieser Fall muss nach der WM von der FIFA aufgearbeitet werden. Wenn man wirklich irreparablen Schaden abwenden will, dann kann eigentlich nur eine Konsequenz folgen: Infantino muss zurücktreten.


Jarvis
Eilmeldung: „Nachdem US-Präsident Trump von Fifa-Präsident Infantino im Anschluss an das Achtelfinalspiel USA-Belgien, welches aus Sicht des Gastgebers mit 1:4 endete, telefonisch darüber informiert wurde, dass sich keine vier Tore für Team USA mehr finden lassen, wurde auf bilateraler Ebene durch beide Präsidenten übereinstimmend festgehalten, dass US-Präsident Trump durch als Balljungen verkleidete Antifa-Aktivisten am Spielfeldrand um den Turniersieg betrogen wurde.

...um zu verhindern, dass der Kommunismus den Weltfußball übernimmt, kamen beide Präsidenten überein, dass das Spiel USA-Belgien so lange wiederholt wird, bis Belgien freiwillig ausscheidet.

Meint Tagesspiegel-Nutzer Jarvis (Achtung Satire)

Zur Lösung des Konfliktes und um zu verhindern, dass der Kommunismus den Weltfußball übernimmt, kamen beide Präsidenten überein, dass das Spiel USA-Belgien so lange wiederholt wird, bis Belgien freiwillig ausscheidet. Infantino begründete diese Entscheidung wie folgt: Auf dieser freiwilligen Basis ließe sich ein gerechtes Ergebnis erzielen, ohne die belgische Mannschaft nach der zehnten Spielansetzung wegen abgelaufener Visa durch die US-Regierungsbehörde ICE deportieren lassen zu müssen.

Die beiden Präsidenten hätten mit dieser Lösung vor allem den Sport und seine Fans im Blick gehabt, die schließlich einen Anspruch darauf hätten, nicht von roten Teufeln übernommen zu werden.“

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