Zum 250. Geburtstag des Landes sehen wir nur noch seine hässliche Seite. Wo die USA funktionieren und wofür man sie immer noch bewundern kann.
Ach Amerika! Standest du nicht einmal für das Land der unbegrenzten Freiheiten und Möglichkeiten? Hier durfte der Tellerwäscher zum Millionär werden. Grenzenloser Optimismus konnte Berge versetzen und Menschen auf den Mond schicken. Jenseits des Atlantiks wurden Millionen von anfangs europäischen Auswanderern zu patriotischen Amerikanern gemacht – ein erfolgreicher „Schmelztiegel“ der Nationen.
Was ist daraus geworden? Ein Staat, der von einem finanziell höchst interessierten Familienclan regiert wird, wo Gesetze zum eigenen Vorteil zurechtgebogen werden. Mit einem Präsidenten, der mit unberechenbarer Zollpolitik die Weltwirtschaft beschädigt, sich keinen Deut um Regeln kümmert und sich auch sonst wie der größte Rüpel im Schulhof benimmt. Firmen mit US-Niederlassungen werden schikaniert, Staatschefs brüskiert. Nur Waghalsige bieten Trump die Stirn: Großartig, wie Italiens Georgia Meloni auf Trumps lächerlichen Vorwurf reagierte, sie habe sich um ein Foto mit ihm gedrängt.
Das alles lenkt uns von unangenehmen Wahrheiten ab: Ja, es ist Zeit, dass sich Europa um die eigene Sicherheit kümmert! Mittlerweile gieren wir Europäer nach schlechten inneramerikanischen Nachrichten. Wobei die Wirtschaft dort deutlich besser läuft als (insgeheim) erhofft. Wir betrachten lieber das „hässliche“ Amerika: Drogen- und Waffenprobleme, das schlechte Gesundheitssystem, der Krieg ohne Plan gegen das iranische Mullah-Regime. (Dass das ein grässlicher Unrechtsstaat ist, hat man schon fast vergessen bei all der Häme über Trump!)
Man darf die USA dennoch weiterhin mögen: Sie haben die altmodischsten Waschmaschinen und dennoch die atemberaubendsten technischen Fortschritte. Dort wird ermöglicht und nicht gebremst. Die entwaffnende Offenheit und Herzlichkeit seiner Bürger darf man an Amerika noch immer schätzen (auch wenn wir Europäer das oft als oberflächlich einstufen). Sie bleiben fröhlich, wo Österreicher schon lange raunzen und haben keine Scheu vor Nationalstolz und Pathos. Sie leben Selbstverantwortung und sind nicht neidisch: Wer es „geschafft“ hat , wird bewundert. Sie sind hilfsbereit und pflegen das Gemeindeleben. Und sie können – entgegen aller Unkenrufe – auch Fußball-WM. Die modernen Stadien sind voll (und wenn es heiß ist, klimatisiert), die Organisation funktioniert offenbar klaglos, der Dollar rollt.
Eine jahrzehntelang in New York und jetzt wieder in Wien lebende Salonniere schilderte dem KURIER sehr plastisch, was sie aus ihrer alten Heimat vermisst: „Keinen schert es, was Sie tun. Aber wenn Sie plötzlich hinfallen, sind alle da.“ Auch das ist Amerika. Es wird selbst Trump überleben. Alles Gute zum 250. Geburtstag!
kurier.at | 03.07.2026, 18:00
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
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