Während Achim Pfeifer die XXL-Weltmeisterschaft zu Hause skeptisch bewertet, ist Zlatko Blaskic mittendrin in den USA – und berichtet von seinen bisherigen Erlebnissen.
Stand: 19.06.2026, 17:36 Uhr
Von: Tim Abramowski

Während Achim Pfeifer die XXL-Weltmeisterschaft zu Hause skeptisch bewertet, ist Zlatko Blaskic mittendrin in den USA – und berichtet von seinen bisherigen Erlebnissen.
Aalen/Dallas. Der erste Spieltag der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist vorbei, der zweite läuft bereits – und das Turnier liefert schon früh reichlich Gesprächsstoff. Überraschende Ergebnisse, starke Auftritte, Enttäuschungen bei Favoriten und Diskussionen über den neuen XXL-Modus mit 48 Mannschaften prägen die ersten Tage.Auch auf der Ostalb wird die Weltmeisterschaft intensiv verfolgt – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Während Achim Pfeifer, Vorsitzender der TSG Hofherrnweiler-Unterrombach, das Turnier vor allem kritisch sieht, verfolgt Zlatko Blaskic, langjähriger Trainer beim 1. FC Normannia Gmünd, die WM aktuell direkt vor Ort in den USA.Für Pfeifer steht fest: Sportlich bietet das Turnier durchaus spannende Geschichten. Die schwachen Auftritte von Spanien und Portugal überraschten ihn, während Außenseiter wie Kongo und Kap Verde bislang positiv auffielen. „Auch wenn wir jetzt positive Überraschungen erleben, werden wir diese natürlich nicht mehr in der K.o.-Phase sehen.“
Trotz dieser besonderen Fußballgeschichten fällt sein Gesamturteil zur Weltmeisterschaft kritisch aus. „Für mich wird diese Weltmeisterschaft immer mehr zum Offenbarungseid der FIFA“, sagt Pfeifer deutlich. Schon die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar habe Pfeifer bewusst boykottiert. „Auch jetzt habe ich wenig Lust auf diese Mammut-WM mit vielen Sinnlos-Spielen.“ Weiter ergänzt er: „Gefühlt kommen mittlerweile fast alle weiter. Dadurch wird jedes Gruppenspiel sportlich ein Stück weit entwertet“, sagt er.
In diesem Jahr boykottiere er die Weltmeisterschaft zwar nicht, aber: „Wenn ich vor dem Fernseher sitze, spüre ich keinerlei Euphorie. Das ist eigentlich schade. Fußball gibt mir viel – aber die FIFA nimmt mir aktuell auch viel.“Die deutsche Mannschaft bewertet Pfeifer dagegen positiv. Der 7:1-Auftaktsieg gegen Curacao sei ein guter Start ins Turnier gewesen. Besonders imponiert habe ihm die Reaktion des Teams nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich. „Das war völlig in Ordnung und spricht für einen guten Teamgeist“, sagt Pfeifer.
Auch das kommende Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste sieht er optimistisch. Sein Tipp: ein 3:1-Sieg für Deutschland. Die Vorrunde werde das Team seiner Einschätzung nach souverän überstehen. Spätestens im Viertelfinale sei aber wohl Schluss.Ganz andere Eindrücke sammelt derzeit Zlatko Blaskic. Der Fußballtrainer ist inzwischen in den USA angekommen und erlebt die Weltmeisterschaft live vor Ort. Nach seiner Landung in Austin wurde er von seinem Cousin Brano und dessen Sohn empfangen, ehe es weiter nach San Antonio ging, wo ein Teil seiner Familie lebt.
Schon die ersten Tage in Texas hinterließen Eindruck. Vor allem die Dimensionen in den USA beeindrucken den Fußballtrainer enorm. „Die Stadien sind gigantisch, die Stimmung fantastisch. Alles ist höher, weiter und schneller als bei uns“, berichtet Blaskic. Auch die Infrastruktur sei beeindruckend – sechsspurige Straßen, riesige Fahrzeuge und gewaltige Distanzen prägen seinen Alltag. Vor seinem ersten Stadionbesuch ging es für ihn nach Dallas. Dort erlebte er in der kroatischen Fanzone bereits echte WM-Atmosphäre. Rund 35.000 kroatische Fans hätten sich dort versammelt. Die Stimmung beschreibt er als friedlich, emotional und beeindruckend.
Sportlich war für ihn bislang vor allem das Duell England gegen Kroatien das Highlight. „Vom Niveau her war das das beste Spiel bei dieser Weltmeisterschaft bislang.“ Die Engländer setzten sich mit 4:2 durch. Nicht alles gefällt ihm jedoch. Vor allem die Trinkpausen sieht er kritisch. „Sie dienen nur dem Zweck des Geldbeutels und tun dem Spiel überhaupt nicht gut.“
Noch mehr sorgen allerdings die Preise für Kopfschütteln. Fans müssen in den Stadien und Fanzonen tief in die Tasche greifen. Eine Brezel kostet umgerechnet rund elf Euro, ein Bier etwa 20 Euro und Softdrinks liegen bei rund zehn Euro. „Die Amerikaner nutzen die WM aus, um die Fans richtig zur Kasse zu bitten“, so Blaskic. Wer die Weltmeisterschaft bis zum Finale live verfolgen wolle, müsse mit enormen Kosten rechnen. Tickets, Flüge, Unterkunft und Verpflegung summierten sich schnell auf rund 20.000 Euro. Wie Pfeifer glaubt auch Blaskic an einen Sieg der deutschen Mannschaft am Samstag gegen die Elfenbeinküste. „Die Elfenbeinküste wird sich mit Sicherheit stärker wehren als Curaco, aber auch dieses Spiel wird Deutschland gewinnen.“
Damit zeigt sich auch auf der Ostalb ein gemischtes Bild dieser Weltmeisterschaft: sportliche Begeisterung auf der einen, Kritik an Modus und Kommerzialisierung auf der anderen Seite. Gesprächsstoff liefert das Turnier jedenfalls reichlich.