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Das Lesachtal als Reiseort: „Der Honig kommt von der Erika“

Дата публикации: 20-07-2025 10:48:00

Wandern und süßes Nichtstun: Das österreichische Lesachtal ist mit seinem kleinteiligen Tourismus überraschend modern. mehr...

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Das Lesachtal als Reiseort: „Der Honig kommt von der Erika“

Wandern und süßes Nichtstun: Das österreichische Lesachtal ist mit seinem kleinteiligen Tourismus überraschend modern.

Dunkle Wolken über dem Lesachtal in Österreich Das Lesachtal in Österreich erstreckt sich über etwas mehr als 20 Kilometer parallel zur italienischen Grenze Foto: Edwin Stranner/imago
Edith Kresta

„Der Weg ins Paradies ist lang und beschwerlich“, sagt Eva-Maria Oberluggauer lachend beim Empfang im familiengeführten Almwellness Ressort Tuffbad. Im weinroten Dirndl empfängt die Chefin des Hauses die Gäste persönlich. Die Besucher haben enge Kurven, verstopfte Straßen oder verspätete Busverbindungen auf sich genommen, um hierher zu kommen: ins abgelegene Lesachtal, laut Werbung das naturbelassenste Tal Österreichs.

Hier im sonnigen Kärnten herrscht Ruhe. Hier rauscht allenfalls der Bergwald oder der Bergbach. Wald zieht sich über die steilen Hänge des etwa 40 Kilometer langen Tals. Dazwischen propere Bauernhäuser, sauber gemähte Wiesen und Almen. Alles wie reingewaschen. Keine Seilbahn, kein Lift stört die Idylle.

Ein wahres Eldorado für Wanderer und jene, die Stille abseits vom Rummel touristischer Gebiete suchen. Kurvenreich schlängelt sich die schmale Hauptstraße durchs Tal. Kapellen, Kreuzwege und vielfach der gekreuzigte Jesus am Wegrand demonstrieren die Daseins- und Jenseitssicht der Lesachtaler. Im Wallfahrtskloster Maria Luggau tut sogar die Jungfrau Maria ihre Wunder. Lifestyle, gewachsen in jahrhundertelang gefestigten Bahnen.

Das hat sich seit 1995 nicht verändert, als ich schon einmal hier war. Damals wurde das Lesachtal zur „Landschaft des Jahres“ der Naturfreunde Internationale gekürt. Zweck dieser Naturfreunde-Aktion war es, „Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung der ausgewählten Regionen“, in diesem Falle der Alpen, zu entwickeln. An diesem Konzept hält man auch heute im Tal noch fest.

Brot als Weltkulturerbe

Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität, das Lesacher Brot ist Weltkulturerbe und das Tal hat sich als Slow-Food-Region auszeichnen lassen – „diese Werte werden auch hier im Tuffbad über alles andere gestellt und täglich von jedem Mitarbeiter gelebt“. Wohl auch deshalb, erklärt uns unsere Gastgeberin Eva-Maria Oberluggauer, blieben ihre Mit­ar­bei­te­r*in­nen sehr lange im Betrieb und es gäbe kaum Fluktuation. Der Großteil der Mitarbeiter kommt aus den umliegenden Dörfern des Lesachtals.

Kein Wunder, ist das Tuffbad mit 120 Betten doch der tourisitische Leitbetrieb. „Der Honig kommt von der Erika, der Käse von der Kathrin, Kräuter von der Klara, Wein vom Georg, „sagt Oberluggauer. Alles sehr überschaubar.

Verändert hat sich im Tal allerdings der Zustand der bewaldeten Berge: nach einem großen Sturm 2018, der viele Bäume umriss, wütet der gefräßige Borkenkäfer und hinterlässt kahle Hänge. Verändert hat sich auch das Tuffbad, dass sich zu einem der besten Wellnessresorts Österreichs herausgeputzt hat. Was die Padres aus dem nahen Wallfahrtsort Maria Luggau vor gut 250 Jahren entdeckten, sorgt im Tuffbad heute für Wellness von innen wie von außen: eine Heilquelle spendet (zertifiziertes) Mineralwasser zum Trinken, aber ebenso zum Schwimmen im Infinitypool. Die offizielle Bezeichnung: „Calcium-Magnesium-Sulfat-Hydrogencarbonat-Mineralwasser“.

„Wenn die Bauernhöfe existieren, wird auch das Lesachtal bleiben“, meinte 1995 der Landwirt und Privatzimmervermieter Franz Unterguggenberger, damals Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Kärnten. Für ihn wie für die meisten Lesachtaler war Tourismus immer nur Zuerwerb. Er prägt nicht gänzlich die Infrastruktur. Das hat auch geographische Gründe: Das Tal liegt abseits der Hauptverkehrswege, und wegen schwieriger geologischer Bedingungen stand der massentouristische Ausbau nie wirklich zur Diskussion. Kein Großprojekt, kein Großkonzern und auch keine Verschuldungsmisere belasten das Tal.

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Es bereichert mich sehr Gäste zu haben, das bringt neue Ideen in diese abgelegenen Höhen

Kathrin Unterweger, Bäuerin

„Gästezimmer, die mit der Substanz des heimischen Waldes ausgebaut wurden, für Urlauber, die meist von der Frau des Hauses betreut werden“, sagt die Bäuerin Kathrin Unterweger vom Jörgishof. „Es bereichert mich sehr, Gäste zu haben, das bringt neue Ideen in diese abgelegenen Höhen“, sagt sie. Die selbstbewusste Frau, dreifache Mutter, bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Bio-Milchviehbetrieb auf 1.350 Meter Seehöhe mit Direktvermarktung und Urlaub am Bauernhof. Im Mai 2025 wurde sie zur neuen Bezirksobfrau gewählt. Ein Novum in der 140-jährigen Geschichte des Kärntner Bauernbundes: Erstmals übernimmt eine Frau dieses Amt.

Das Tuffbad als Segen für die Beschäftigten

Es sind kleinteilige gewachsene Verhältnisse, solide wie die Balken der Häuser. Überschaubar. Doch die Bergwirtschaft hat ausgedient. Sie lebt von Subventionen und wird heute hauptsächlich als Grundproduktion, die die Lebenshaltungskosten verbilligt, betrieben. Viele Einheimische müssen zur Arbeit außerhalb des Tals pendeln. Da ist das Tuffbad mit seinem Arbeitsplatzangebot ein Segen, den vor allem österreichische Gäste zu schätzen wissen.

Hierher kommen nicht nostalgiegeplagte Baby-Boomer, die noch das Edelweiß in der Schrankwand kannten. Hierher kommen viele junge Paare. Das Tuffbad hat den Anschluss an modernen Bergurlaub geschafft. Während Wanderer auf knapp 300 km markierten Wegen die Bergkulisse zwischen den Karnischen Alpen und dem beeindruckenden Bergmasiv der Lienzer Dolomiten erkunden, geben sich die anderen dem süßen Nichtstun hin, sei es mit einer entspannenden Aromaöl-Therapie, die in den Varianten Lärche, Fichte und Weißtanne angeboten wird, einer Lesachtaler Heupackung, einer Kräuterstempelmassage oder einer Ziegenbutter-Nachtkerzenöl-Packung?

Oder sie tauchen ein in das warme Wasser des Infinitypools mit dem Blick auf die saftigen Almwiesen und die Bergmassive rundum.

Im Talkessel des Lesachtales hat sich trotzdem erhalten, was draußen in den Städten nicht mehr zählt: Bodenständigkeit und Brauchtum zwischen Gesangs- und Volkstanzgruppen. Ob Mann, ob Frau, sozialer Treffpunkt ist der Verein. „Da wird noch miteinander geredet“, meint Nikolaus Lanner, umtriebiger Vorsitzender des Tourismusverbands Lesachtal. In seinem Slow-Food-Restaurant „Wanderniki“ spielt er für Bekannte und Gäste schon sehr beschwingt „La Montanara“ auf seinem Akkordeon.

Rückschrittlichkeit als Programm für die Zukunft? Die Naturfreunde hatten mehr im Blick. Gemeinsam mit Vertretern der Gemeinden, mit Verbänden und Initiativen vor Ort wollten sie modellhafte Projekte für eine nachhaltige Entwicklung der Region anregen. Damit sollten die Existenz der einheimischen Bevölkerung und die ökologische Stärke der Region gesichert werden.

Kraftquellen als Wanderziel

Mit Themenwanderwegen etwa zu den „Kraftquellen der Landschaft“, „Kräuterwanderungen“ oder unterwegs mit dem Chirurgen Dr. Georg Lexer, der die vier Spezialisten Dr. Alm, Dr. Wald, Dr Wiese und Dr. Wasser zur Heilung anpreist. „Wir haben unsere Landschaft zu bieten. Wir haben etwas, was der Gesundheit, der heute so viel beschworenen Vorbeugung hilft“, sagt der Arzt, der lange Jahre außerhalb des Lesachtals arbeitete. All das sei heute in Zeiten von Burnout und digitalem Stress sehr gefragt.

Zurück in die Zukunft – ein touristisches Leitmotiv, das für Qualität steht und im Lesachtal aufgeht. Wie das Lesachtaler Brot. Die Brot-Sommelière von Slow Food, Anita Stöffler, erklärt wie der Sauerteig angesetzt werden muss und wie oft man diesen „füttern“ soll. Sie erklärt die Abfolge von Mischen, Kneten, Gehen lassen, Backen, um das braune, rustikale Brot mit seiner säuerlichen Note und seinem Geschmack nach den nussigen Aromen des Leinsamen herzustellen. Und als regionales I-Tüpfelchen mischt sie einen Tropfen Zirbenöl unter. Das Mehl stammt selbstverständlich aus einer der Mühlen entlang des historischen Mühlenweges in der Nähe des Klosters Maria Luggau.

Zurück in die Zukunft, also Reduzierung und Beschränkung als Modell für die Alpen blitzt zwar immer wieder in Konzepten und Strategien auf, aber bislang bringt der immer weiter steigende Tourismus in den Alpen vor allem erhebliche Herausforderungen mit sich, die sowohl die Umwelt als auch die lokale Bevölkerung betreffen.

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