Der Einsatz am Bibisee hat viele bewegt. Doch der Vorfall zeigt auch, wie leicht lebensgefährliche Situationen im Wasser übersehen werden.
Der Einsatz am Bibisee hat viele bewegt. Doch der Vorfall zeigt auch, wie leicht lebensgefährliche Situationen im Wasser übersehen werden.
Als ich die Berichte über die Rettung eines 23-jährigen Mannes am Bibisee gelesen habe, musste ich zuerst an die Feuerwehrfrau denken, die ohne zu zögern ins Wasser gegangen ist. Dafür kann ich nur meinen größten Respekt aussprechen. Sie hat nicht abgewartet, sie hat nicht gehofft, dass sich jemand anderes kümmert, sondern gehandelt. Solche Menschen übernehmen Verantwortung, obwohl sie in diesem Moment gar nicht wissen können, wie der Einsatz ausgehen wird. Genau diese Entschlossenheit verdient Anerkennung.
Je länger ich mich allerdings mit diesem Vorfall beschäftigt habe, desto mehr hat mich ein anderer Punkt nachdenklich gemacht. In mehreren Berichten war zu lesen, dass zunächst kaum jemand reagierte, obwohl sich ein Mensch rund 150 Meter vom Ufer entfernt in akuter Lebensgefahr befand. Und genau dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen.
Seit Jahrzehnten arbeite ich im Bäderbereich und eines habe ich in all den Jahren immer wieder erlebt: Die meisten Menschen wollen helfen. Daran habe ich überhaupt keinen Zweifel. Das Problem ist vielmehr, dass viele eine echte Notlage im Wasser gar nicht als solche erkennen.
Unser Bild vom Ertrinken ist durch Filme und Serien geprägt. Dort wird geschrien, gewunken und spektakulär um Hilfe gerufen. Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Ein Mensch, der wirklich ertrinkt, hat oft gar nicht mehr die Kraft, laut um Hilfe zu rufen. Er versucht nur noch, den Kopf über Wasser zu halten, geht immer wieder unter und kämpft mit jeder Faser seines Körpers ums Überleben.
Für Außenstehende wirkt das manchmal völlig unspektakulär. Manche glauben sogar, der Betroffene würde nur tauchen oder mit Freunden herumalbern. Genau darin liegt die große Gefahr.
An einem Freibad gibt es ausgebildete Wasseraufsichten, die ständig beobachten, was im Becken passiert. Sie lernen genau diese Anzeichen zu erkennen und reagieren oft schon, bevor andere Badegäste überhaupt bemerken, dass etwas nicht stimmt.
An einem Badesee sieht die Situation häufig ganz anders aus. Dort gibt es in vielen Fällen keine Wasseraufsicht. Dann sind es die Menschen am Ufer, die entscheiden, ob Hilfe rechtzeitig kommt oder eben nicht. Genau deshalb hat mich dieser Vorfall so beschäftigt. Nicht weil ich jemanden verurteilen möchte, sondern weil ich mich frage, ob wir als Gesellschaft manchmal zu sehr darauf vertrauen, dass sich schon irgendjemand kümmern wird.
Die Feuerwehrfrau am Bibisee hat das Gegenteil bewiesen. Sie hat Verantwortung übernommen und damit vermutlich einem jungen Mann das Leben gerettet. Für mich ist das echte Zivilcourage.
Solche Menschen verdienen nicht nur einen Dank, sondern unseren größten Respekt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir aus solchen Ereignissen etwas mitnehmen. Niemand erwartet, dass sich Menschen ohne ausreichende Schwimmkenntnisse selbst in Lebensgefahr bringen. Das wäre sogar falsch. Aber jeder kann den Notruf wählen. Jeder kann laut auf sich aufmerksam machen, andere Badegäste ansprechen oder Rettungsmittel organisieren. Oft sind genau diese ersten Sekunden entscheidend, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Gerade jetzt, in den Sommermonaten, verbringen wieder Tausende Menschen ihre Freizeit an Seen und Flüssen. Die allermeisten werden einen schönen Tag erleben und gesund nach Hause fahren. Leider gibt es jedes Jahr auch Menschen, die dieses Glück nicht haben. Hinter jeder Rettung steckt deshalb mehr als nur eine Schlagzeile. Es geht um Familien, Freunde und Angehörige, deren Leben sich innerhalb weniger Minuten komplett verändern kann.
Deshalb bleibt mir nach diesem Vorfall vor allem ein Gedanke. Hut ab vor dieser Feuerwehrfrau. Sie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und nicht auf andere zu warten. Vielleicht führt ihre mutige Tat auch dazu, dass wir beim nächsten Badetag alle ein wenig aufmerksamer sind. Denn manchmal reicht schon ein wachsamer Blick, ein rechtzeitig gewählter Notruf oder der Mut, andere auf eine gefährliche Situation aufmerksam zu machen. Und genau das kann am Ende den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.
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