Ein tragischer Todesfall zeigt erneut, wie schnell am Wasser aus einem Sommertag ein Unglück werden kann. Worauf Eltern jetzt besonders achten sollten.
Ein tragischer Todesfall zeigt erneut, wie schnell am Wasser aus einem Sommertag ein Unglück werden kann. Worauf Eltern jetzt besonders achten sollten.
Mich beschäftigt dabei nicht die Frage, wer Schuld trägt. Darüber werden die Ermittlungsbehörden entscheiden. Mich beschäftigt vielmehr die Frage, ob wir aus solchen Tragödien lernen.
Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die nächste Hitzewelle bevorsteht. Schon in den kommenden Tagen werden wieder tausende Familien an Seen, Flüsse, Weiher und in Freibäder fahren. Kinder werden spielen, planschen und toben.
Genau deshalb ist jetzt der richtige Moment, über ein Thema zu sprechen, das oft unterschätzt wird. Denn Wasser macht keinen Unterschied zwischen einem erfahrenen Schwimmer und einem Kleinkind. Es verzeiht keine Unaufmerksamkeit.
Seit Jahrzehnten begleite ich Menschen am und im Wasser. Ich habe unzählige Familien erlebt, die gemeinsam einen schönen Sommertag verbringen wollten. Die allermeisten Ausflüge enden glücklich.
Trotzdem habe ich in all den Jahren immer wieder Situationen erlebt, in denen Kinder plötzlich nicht mehr dort waren, wo sie eben noch gespielt haben. Oft war es nur ein kurzer Moment der Ablenkung. Ein klingelndes Handy, eine Nachricht, ein Gespräch mit Bekannten oder der schnelle Blick in die Badetasche. Zum Glück ist in den meisten Fällen nichts passiert.
Aber genau diese Erlebnisse haben mir immer wieder gezeigt, wie schnell Kinder verschwinden können. Deshalb sage ich seit Jahren immer wieder denselben Satz: Handy weg. Augen aufs Kind. Volle Aufmerksamkeit.
Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Unser Smartphone ist ständig griffbereit. Schnell noch eine Nachricht beantworten, ein Foto machen oder kurz in den sozialen Medien nachsehen – all das dauert oft nur wenige Sekunden. Genau diese wenigen Sekunden können am Wasser jedoch entscheidend sein. Keine Nachricht und kein Foto sind wichtiger als die Sicherheit eines Kindes.
Viele Menschen haben außerdem ein völlig falsches Bild vom Ertrinken. Sie glauben, Kinder würden laut um Hilfe schreien oder wild mit den Armen schlagen. Die Realität sieht leider oft ganz anders aus. Gerade Kleinkinder ertrinken häufig nahezu lautlos. Sie können innerhalb kürzester Zeit untergehen, ohne dass andere überhaupt bemerken, dass etwas nicht stimmt. Genau deshalb reicht ein kurzer Moment der Ablenkung manchmal bereits aus.
Gerade jetzt, wo die Temperaturen wieder steigen, wird es viele Familien an Seen, Flüsse und Freibäder ziehen. Ich hoffe deshalb sehr, dass sich alle Eltern und Großeltern diese Gefahr noch einmal bewusst machen. Wasser ist wunderschön und gehört für viele zum Sommer dazu. Aber es verlangt unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
Ein weiterer Irrtum begegnet mir seit Jahren immer wieder. Schwimmflügel werden häufig als Sicherheitsgarantie angesehen. Das sind sie nicht. Schwimmflügel sind eine Schwimmhilfe, aber kein Schutz vor dem Ertrinken. Sie ersetzen niemals eine aufmerksame Aufsicht. Wer glaubt, sein Kind sei mit Schwimmflügeln automatisch sicher, wiegt sich in einer gefährlichen Scheinsicherheit.
Ich erlebe es immer wieder, dass Eltern dadurch unbewusst entspannter werden. Dabei dürfen Schwimmhilfen niemals dazu führen, dass man weniger aufmerksam wird. Die wichtigste Lebensversicherung eines Kindes ist und bleibt die Person, die direkt daneben steht und hinschaut.
Genauso wichtig ist es, die Verantwortung nicht zwischen mehreren Erwachsenen aufzuteilen. Ich höre immer wieder Sätze wie: „Ich dachte, du passt gerade auf.“ Genau solche Missverständnisse können fatale Folgen haben. Deshalb sollte am Wasser immer klar sein, wer die Aufsicht übernimmt. Nicht alle gleichzeitig, sondern eine Person ganz bewusst und ohne Ablenkung.
Kinder sind neugierig. Sie entdecken ständig etwas Neues und sind oft viel schneller unterwegs, als Erwachsene glauben. Deshalb genügt es nicht, nur gelegentlich hinzusehen. Gerade Kleinkinder brauchen am Wasser eine lückenlose Aufsicht.
Mir geht es mit diesem Beitrag nicht darum, Eltern Angst zu machen. Die meisten Mütter, Väter und Großeltern möchten ihren Kindern einfach einen schönen Sommertag ermöglichen. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Ich wünsche mir, dass alle Familien den Tag gemeinsam genießen und am Abend gesund wieder nach Hause fahren.
Der tragische Todesfall der Zweijährigen zeigt einmal mehr, wie schnell sich das Leben verändern kann. Niemand von uns kann jede Gefahr ausschließen. Aber wir können das Risiko deutlich verringern. Indem wir das Handy für eine Weile weglegen.
Mein Appell vor der kommenden Hitzewelle ist deshalb ganz einfach: Legen Sie das Handy zur Seite. Schauen Sie nicht auf das Display, sondern auf Ihr Kind. Diese wenigen Sekunden Aufmerksamkeit können am Ende den entscheidenden Unterschied machen.
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