26 Badetote an nur einem Wochenende: Die DLRG-Zahlen zeigen ein Muster, das vor allem Männer immer wieder in tödliche Gefahr bringt.
26 Badetote an nur einem Wochenende: Die DLRG-Zahlen zeigen ein Muster, das vor allem Männer immer wieder in tödliche Gefahr bringt.
26 Menschen sind an nur einem Wochenende beim Baden ums Leben gekommen. Was mich besonders beschäftigt: Bei den Todesopfern handelt es sich fast ausschließlich um Männer. Diese Zahl wirft für mich eine wichtige Frage auf: Warum bringen sich gerade Männer im Wasser immer wieder in Gefahr?
Wenn ich an einem heißen Sommertag an einem Badesee sitze, genieße ich die freie Zeit genauso wie alle anderen. Trotzdem bekomme ich meinen Beruf nach 30 Jahren im Bäderbereich einfach nicht aus dem Kopf. Mein Blick wandert fast automatisch aufs Wasser. Das passiert ganz unbewusst. Während andere einfach abschalten, beobachte ich die Menschen. Wahrscheinlich ist das einfach Berufskrankheit.
Dabei fällt mir immer wieder dasselbe auf. Familien verbringen gemeinsam einen schönen Tag, Kinder planschen am Ufer und viele suchen einfach nur eine Abkühlung. Doch gerade bei Männern beobachte ich häufig ein Verhalten, das mich nachdenklich macht.
Da wird noch schnell bis zur Boje geschwommen, obwohl der Rückweg deutlich länger ist. Da wird den Kindern gezeigt, dass der Papa das noch locker schafft. Oder es fällt ein Satz wie: „Ach komm, das sind doch nur ein paar Meter.“ Ich denke mir dann jedes Mal: Hoffentlich geht das gut.
Als ich gelesen habe, dass an einem einzigen Wochenende 26 Menschen beim Baden ums Leben gekommen sind, musste ich sofort an diese Situationen denken. Hinter dieser Zahl stecken keine anonymen Statistiken. Dahinter stehen Familien, Kinder, Partner und Freunde, die morgens wahrscheinlich nicht im Traum daran gedacht haben, dass sich ihr Leben wenige Stunden später für immer verändern würde.
Genau darüber denke ich immer wieder nach, wenn ich am See sitze. Warum fällt es uns Männern oft so schwer, rechtzeitig umzudrehen? Warum glauben wir, dass Vernunft ein Zeichen von Schwäche ist? Ich glaube, viele von uns sind mit dem Gedanken groß geworden, immer stark sein zu müssen und niemals aufzugeben. Doch genau dieses Denken kann am Wasser gefährlich werden.
Die wenigsten Menschen gehen morgens an einen Badesee und denken: Heute gehe ich ein großes Risiko ein. Es beginnt meistens ganz harmlos. Man fühlt sich fit, das Wasser sieht ruhig aus und die Boje scheint gar nicht so weit entfernt zu sein. Doch genau darin liegt die Gefahr.
Wer erst einmal weit draußen ist, merkt häufig erst dann, dass der Rückweg deutlich anstrengender wird. Die Arme werden schwer, die Kräfte lassen nach und plötzlich fühlt sich die Strecke doppelt so lang an wie noch wenige Minuten zuvor.
Der Körper interessiert sich aber nicht für unseren Ehrgeiz. Er weiß nichts von unserem Stolz und auch nichts von dem Wunsch, stark wirken zu wollen. Wenn die Kraft nachlässt oder der Kreislauf Probleme macht, hilft der stärkste Wille irgendwann nicht mehr weiter.
Mit den Jahren hat sich meine Sicht auf Stärke verändert. Früher hätte ich wahrscheinlich auch gedacht: Komm, das schaffst du schon noch. Heute sehe ich das anders.
Für mich ist nicht der Mann stark, der unbedingt noch bis zur Boje schwimmt. Stark ist der Mann, der ehrlich zu sich selbst ist, auf seinen Körper hört und ohne falschen Ehrgeiz wieder umdreht. Das ist keine Schwäche. Das ist Verantwortung – für sich selbst und für die Menschen, die zu Hause auf ihn warten.
Die Nachricht über 26 Badetote wird in wenigen Tagen wahrscheinlich wieder aus den Schlagzeilen verschwunden sein. Ich hoffe nur, dass wir die Botschaft dahinter nicht genauso schnell vergessen.
Ich wünsche mir, dass wir Männer anfangen, anders über Stärke nachzudenken. Niemand bekommt eine Medaille dafür, dass er noch bis zur Boje geschwommen ist oder weiter hinaus war als andere. Das interessiert am Ende niemanden.
Das Einzige, was wirklich zählt, ist, dass wir am Abend gesund wieder nach Hause kommen. Und vielleicht sollten wir Männer genau damit anfangen, uns gegenseitig zu beeindrucken – nicht mit Mutproben im Wasser, sondern mit Vernunft.
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