Der Jeddah Tower in Saudi-Arabien soll als erstes Gebäude der Welt die Marke von 1.000 Metern Höhe überschreiten. Doch je höher der Turm wird, desto ungewöhnlicher werden die physikalischen Bedingungen.
Der Jeddah Tower in Saudi-Arabien soll als erstes Gebäude der Welt die Marke von 1.000 Metern Höhe überschreiten. Doch je höher der Turm wird, desto ungewöhnlicher werden die physikalischen Bedingungen.
Der Jeddah Tower in Saudi-Arabien soll als erstes Gebäude der Welt die Marke von 1.000 Metern Höhe überschreiten und damit den Burj Khalifa ablösen. Rund ein Drittel des Turms ragt in Höhen auf, in denen andere physikalische Bedingungen herrschen als am Boden.
Dort oben beginnt der Bereich über der sogenannten atmosphärischen Grenzschicht, also jenem ein bis drei Kilometer hohen Luftband, in dem sich unser alltägliches Wetter abspielt. „Darüber sprechen wir bei hohen Gebäuden nicht oft, weil nicht viele diese Höhe erreicht haben”, erklärt der leitende Ingenieur John Peronto gegenüber „Newsweek”.
Innerhalb dieser Grenzschicht bremsen Hügel, Städte oder Wälder den Luftstrom aus. Sie wirbeln den Wind auf, erzeugen Turbulenzen und sorgen dafür, dass Böen mit großer Kraft an Gebäuden zerren, begleitet von Gewittern und starken Auf- und Abwinden.
In noch größeren Höhen ändern sich diese Kräfteverhältnisse jedoch deutlich. Dort bläst der Wind zwar meist konstanter und oft schneller, doch extreme, plötzliche Windspitzen nehmen ab. Laut Peronto verlagern starke Sturmkräfte sich eher nach unten, statt in der Turmspitze zu verharren. Für die Statik des Jeddah Tower ist das ein Vorteil: In den oberen Etagen wirken die Kräfte gleichmäßiger und sind besser berechenbar.
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Um die gewaltige Konstruktion standsicher zu machen, nutzt das Team ein geometrisches Prinzip: Drei Punkte definieren eine stabile Standfläche. Der Wolkenkratzer ist daher wie ein gigantisches Stativ konzipiert.
Diese dreibeinige Form reduziert die Angriffsfläche des Windes, obwohl der Turm enorme Masse besitzt. Peronto beschreibt das Projekt gegenüber „Newsweek” als wahrscheinlich „eines der angenehmsten Hochhäuser der Welt”, weil sein Gewicht so hoch ist, dass der Wind das Gebäude kaum in Bewegung versetzen kann.
Hinzu kommt ein breiter werdender Fußbereich: Nach unten hin nimmt die Grundfläche zu. So verteilt sich das Gewicht großflächig im Untergrund, ohne dass dafür extrem dicke Fundamentwände nötig sind.
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Kritiker verweisen bei diesen Superlativen vor allem auf die ökologische Dimension. Das gilt besonders für Zement, einen zentralen Bestandteil von Beton, der für Hochhäuser in riesigen Mengen benötigt wird. Wie die britische BBC berichtet, war Zement im Jahr 2018 für rund acht Prozent der weltweiten, vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2023 waren es sechs Prozent, immer noch mehr als der CO2-Ausstoß der internationalen Luftfahrt.
Laut Statista stieß die globale Zementindustrie 2023 etwa 2,4 Milliarden Tonnen CO2 aus. Würde sie als eigener Staat gelten, wäre sie einer der größten Klimaverursacher überhaupt. „Newsweek“ verweist zudem darauf, dass Gebäude insgesamt rund 39 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen ausmachen. Ein großer Teil der Klimabilanz entsteht dabei lange vor der Eröffnung, denn Projekte wie der Jeddah Tower verschlingen gewaltige Mengen an Beton und Stahl. Fachleute sprechen von „eingebetteten Emissionen“.
Ende April meldeten die Projektbeteiligten einen symbolträchtigen Schritt: Der Jeddah Tower hat die 100. Etage erreicht. Ein Architekt bezeichnete dies gegenüber „Newsweek“ als „großen Meilenstein“. Baustellenaufnahmen zeigen, dass der Turm damit etwa die halbe geplante Höhe erreicht hat. Auf der Projektseite heißt es, bereits beim 83. Stockwerk sei ungefähr die Hälfte überschritten worden. Die endgültige Höhe bleibt laut „Newsweek“ bis zur vorgesehenen Eröffnung im August 2028 ein wohlgehütetes Geheimnis.
Der Wolkenkratzer soll zum Herzstück des neuen Stadtviertels „Jeddah Economic City“ in der Hafenmetropole Dschidda werden, der zweitgrößten Stadt Saudi-Arabiens. Die Kosten veranschlagen Beobachter auf 1,2 (rund eine Milliarde Dollar) bis 2,7 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa einer bis 2,3 Milliarden Euro).