Ein kleiner Küstenort auf Mallorca sieht seinen Frieden von deutschen und britischen Touristen bedroht. Um sich zu wehren, will die Bürgermeisterin zu kreativen Methoden greifen.
Ein kleiner Küstenort auf Mallorca sieht seinen Frieden von deutschen und britischen Touristen bedroht. Um sich zu wehren, will die Bürgermeisterin zu kreativen Methoden greifen.
Lärm bis spät in die Nacht, Betrunkene auf den Straßen, Erbrochenes vor den Häusern: Seit Jahren kämpfen die Bewohner Mallorcas mit den, oft auch negativen, Folgen des Party-Tourismus. Eine Gemeinde im Norden der Insel will sich nun schützen, um nicht genauso überlaufen zu werden, wie die Party-Hotspots im Süden. Die progressive Bürgermeisterin schlägt dabei eine Reihe an Maßnahmen vor – unter anderem Anti-Werbung in Deutschland. Denn: Sie stört sich vor allem an deutschen und britischen Sauf-Gruppen.
Cala Ratjada ist eine malerische Gemeinde an der Nord-Ost-Spitze Mallorcas. Unter Kennern der Insel war das Städtchen mit seinen sechstausend Einwohnern lange vor allem für seine Natur und sein kulturelles Leben bekannt. In den letzten Jahren haben nun aber auch verstärkt Schulabschlussfahrten, Junggesellenabschiede und Kegelvereine den Ort für sich entdeckt – mit den bekannten Ärgernissen für die Anwohner.
Bürgermeisterin Núria Garcia äußerte sich mehrmals abfällig über diese Auswüchse des Tourismus auf der Insel. Sie gehört zur linken Regionalpartei Més, die sich unter anderem für den Umweltschutz auf Mallorca engagiert. Gegenüber der spanischen Zeitung „Última Hora“ sagte sie: „Wollen wir ein zweites Arenal oder Magaluf werden? Ich möchte das nicht.„
Um das zu verhindern, hat sie einen Runden Tisch mit Anwohnern, Gastronomen und Politikern einberufen. Laut der „Mallorca Zeitung“ schlägt Garcia dort unter anderem vor, härter gegen problematische Gäste vorzugehen, mehr Beamte der Guardia Civil einzusetzen und mit Flugblättern auf geltende Regeln hinzuweisen. Zudem will sie in Deutschland Abschreckungs-Werbung gegen Exzesstourismus schalten.
Ein Vorbild für solche Anti-Werbung ist Amsterdam. 2023 hatte die Stadt die „Stay-Away“-Kampagne geführt. Wer damals im Internet nach Begriffen wie „billiges Hotel Amsterdam“ oder „Kneipentour Amsterdam“ suchte, bekam Hinweise ausgespielt, die die Lust auf einen Party-Trip vermiesen sollten. Die Kampagne richtete sich speziell an junge britische Männer und wies auf die strengen Regeln Amsterdams oder die gesundheitlichen Folgen von Alkohol hin.
Das es die Stadt ernst meint, bewies Garcia schon im Juni. Ein Hotel hatte damals auf einem Banner mit dem Versprechen Werbung gemacht: „Was auf Mallorca passiert, bleibt auch auf Mallorca“. Die Verwaltung verstand das als Einladung an genau die Touristen, die sie am liebsten draußen haben möchte. Also stellte sie ein offizielles Gesuch an das Hotel und ließ die Banner entfernen.
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