Zwischen Drehs und langen Pausen schwankt das Einkommen einer Schauspielerin aus Frankreich stark. Sie erzählt, wie unsicher ihr Alltag im Filmgeschäft ist.
Zwischen Drehs und langen Pausen schwankt das Einkommen einer Schauspielerin aus Frankreich stark. Sie erzählt, wie unsicher ihr Alltag im Filmgeschäft ist.
Victoria (24) aus Straßburg arbeitet als Schauspielerin und muss mit schwankenden Einnahmen leben. In einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Monde“ berichtet sie, dass ihre Arbeit projektbezogen für Film und Fernsehen verläuft und das Jahr dadurch aus sehr unterschiedlichen Phasen besteht. Ein Dreh kann nur wenige Wochen dauern und wird pro Tag bezahlt. Danach folgen oft längere Zeiten ohne neue Projekte oder Angebote.
Sie stammt aus einer Lehrerfamilie ohne Bezug zur Filmbranche. Erste Theatererfahrungen sammelte Victoria in Reims nach einer Empfehlung aus dem schulischen Umfeld. Der Einstieg ins Kino kam früh und führte sie schnell nach Paris sowie in die finanzielle Eigenständigkeit.
Der Umgang mit Geld bleibt für die 24-Jährige jedoch eine ständige Herausforderung. „Sehr schnell wurde mir klar, dass ich mich zwischen Kunst und Geldverdienen entscheiden musste. Ich würde am liebsten nur Filme drehen, aber erst durch Dreharbeiten fürs Fernsehen lässt sich gut Geld verdienen, und zwar auf eine stabilere Art und Weise“, erklärt Victoria gegenüber „Le Monde“.
,regionOfInterest=(590,442)&hash=20b7eaa54834cbe3f37530e30ded9192141a9ab67302e4027b58a2ef2bb7759d)
Ihre Bezahlung hängt vom jeweiligen Vertrag ab, gut verhandelte Projekte können ihr bis zu 1000 Euro pro Drehtag einbringen. In der Regel liegt ihr Einkommen jedoch eher zwischen 600 und 800 Euro pro Tag, wobei ein Drehtag bis zu 15 Stunden dauern kann. In besonders guten Monaten hat sie so bis zu 9000 Euro verdient. Gleichzeitig betont sie, dass darauf auch lange Pausen von bis zu einem Jahr ohne Drehs und damit ohne Einkommen folgen können.
„Sobald ich bezahlt werde, lege ich Geld zurück, aber es bleibt nie lange liegen. Ich brauche es zum Leben in den arbeitsfreien Zeiten. Ich spare nicht für die Zukunft. Und ich weiß nie, wann ich wieder arbeiten werde“, sagt Victoria. Rückhalt aus der Familie und das Einkommen ihres Partners geben ihr etwas Stabilität im Alltag. Trotz großer Leidenschaft zum Schauspiel denkt sie immer wieder über andere Wege wie Schreiben oder Regie nach. Ein kompletter Ausstieg bleibt für sie eine reale Option, falls sich die Situation dauerhaft nicht verbessert.
Die Schauspielbranche ist auch hierzulande von Unsicherheit geprägt: Obwohl es in Deutschland zahlreiche Schauspieler gibt, kann nur ein kleiner Teil dauerhaft davon leben. Viele arbeiten projektbezogen, sind nur kurzfristig beschäftigt und haben dadurch Probleme mit sozialer Absicherung, Arbeitslosengeld und Altersvorsorge, erklärt die Zeitschrift „Mediendiskurs“.
Zusätzlich entstehen hohe laufende Kosten für Bewerbungen, Fotos und Castings, während regelmäßige Einnahmen oft ausbleiben. Schauspieler Oliver Wnuk empfiehlt im „Mediendiskurs“, frühzeitig ein finanzielles Polster aufzubauen und zusätzliche kreative Fähigkeiten zu entwickeln, um sich ein zweites berufliches Standbein zu sichern.