Die Polizei NRW züchtet Belgische Schäferhunde und gibt für den Dienst nicht geeignete Welpen zu einem günstigen Preis an Interessenten ab. Der Hund klingt wie ein Schnäppchen – doch Experten warnen: Hunde der Rasse Malinois sind nichts für Anfänger. Was Interessierte wissen müssen.
Polizeihund „Sid“ stammt aus der landeseigenen Zucht für Polizeidiensthunde - er wird den Dienst bei der Polizei Mettmann antreten. Die Hunde, die sich nicht für den Polizeidienst eignen, werden an private Interessenten abgegeben.
Foto: Kreispolizei MettmannDüsseldorf · Die Polizei NRW züchtet Belgische Schäferhunde und gibt für den Dienst nicht geeignete Welpen zu einem äußerst günstigen Preis an private Interessenten ab. Doch diese Rasse stellt hohe Ansprüche an seine künftigen Besitzer. Was Interessierte wissen müssen.
Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen (LAFP) züchtet Hunde der Rasse Malinois, also Belgische Schäferhunde, für den Polizeidienst in NRW – Beamte auf vier Pfoten quasi. Doch nicht alle Hunde schaffen es in den Dienst und die Polizei gibt Hunde, die es nicht schaffen, an private Halter ab. Wie kommt man an so einen Hund, wie alt ist er bei der Abgabe, wie viel kostet er und was macht ihn aus? Wir haben beim LAFP nachgefragt.
„Ein Polizeihund muss über ein starkes Selbstbewusstsein, eine hohe Stresstoleranz sowie eine ausgeprägte Spiel- und Futtermotivation verfügen“, erklärt Christian Rauscher, Sprecher des LAFP. Dies sei insbesondere bei Hunden der Rasse Malinois der Fall. Ob ein Hund es in den Polizeidienst schafft, entscheiden Mitarbeiter der landeseigenen Zucht, die die Hunde über mehrere Wochen begutachten. Hierbei werde beobachtet, wie sich der Hund gegenüber Menschen, Materialien, Geräuschen und Unbekanntem verhält.
Die Ausbildung beginnt bereits im Welpenalter und endet mit der Prüfung zum Polizeihund im Alter von 18 bis 24 Monaten, im Anschluss können weitere Spezialisierungen erfolgen. Die Hundeführer trainieren darüber hinaus auch nach der Ausbildung täglich mit ihren Hunden.
Noch bis vor Kurzem wechselten ausgemusterte Welpen der Polizei NRW für 350 Euro den Besitzer, doch der Preis wurde nun auf 600 Euro (inklusive Steuer) erhöht. Das ist noch immer günstig für einen Rassehund, auf dem freien Markt werden sonst in der Regel um die 2000 Euro für einen gesunden Welpen veranschlagt. Die Hunde aus der polizeieigenen Zucht sind bei Abgabe um die acht Wochen alt.
Ein Belgischer Schäferhund ist ein hochsensibler Arbeitshund, der ausgelastet werden muss. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es passieren, dass er bei Übererregung schnappt oder auch Möbel in der Wohnung zerstört. „Insofern stellt er, obwohl er als leicht zu erziehen gilt, an seine Menschen doch besondere Anforderungen. Denn wenn er nicht gemäß seiner Anlagen gefordert wird, kann er auch ein ganz schön unangenehmer Mitbewohner werden“, heißt es im Rasseporträt auf der Seite des Hunde-Experten Martin Rütter.
Experten empfehlen deshalb eine Mischung aus körperlicher Auslastung – also etwa zwei Stunden täglich für Spaziergänge einzuplanen, dazu kommt mentale Auslastung: ein- bis zweimal täglich etwa 15 Minuten Suchspiele nach Personen oder Objekten. Außerdem ist zu beachten, dass ein Malinois unbedingte Konsequenz, klare Grenzen und Zwangspausen benötigt. Das Zuhause sollte zudem reizarm gestaltet sein.
Auch das LAFP betont die nötige Auslastung: „Ein Malinois passt gut zu aktiven Menschen, die dem Hund körperlich und geistig gerecht werden können und wollen“, so Rauscher, „oftmals trifft dies auf Personen zu, die in einer Rettungshundestaffel, im Hundesport und vergleichbaren Aktivitäten aktiv sind oder sich dafür interessieren.“
Die Polizei NRW gibt ihre Hunde nur in vertrauenswürdige Hände, betont Rauscher. Geprüft wird bei privaten Interessenten die individuelle Eignung und die wohnlichen Gegebenheiten. „Ein großes eingefriedetes Grundstück ist natürlich wünschenswert, eine Abgabe ist im Einzelfall aber auch an Personen möglich, die Erfahrung mit der Haltung von Gebrauchshunden im Haus vorweisen und einen geregelten Auslauf sicherstellen können.“ Bewerber ohne Erfahrung mit Gebrauchshunden, die allerdings über eine gute körperliche Konstitution, optimale wohnliche Voraussetzungen und eine geregelte Begleitung durch einen professionellen Hundetrainer verfügen, kommen jedoch auch als Abnehmer in Betracht.
Interessenten können sich per E-Mail melden, siehe Infobox.
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