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Der «Sonntags-Blick» wird nach 57 Jahren eingestellt

Дата публикации: 15-07-2026 16:01:06

Das älteste Sonntagsblatt der Schweiz soll Ende Jahr Geschichte sein. Dafür wird die Samstagsausgabe des «Blicks» erweitert.

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Das älteste Sonntagsblatt der Schweiz soll Ende Jahr Geschichte sein. Dafür wird die Samstagsausgabe des «Blicks» erweitert.

Prägten die Ortsbilder der Schweiz: «Sonntags-Blick»-Automat im Berner Breitenrain-Quartier, 2024.

Prägten die Ortsbilder der Schweiz: «Sonntags-Blick»-Automat im Berner Breitenrain-Quartier, 2024.

Peter Klaunzer / Keystone

Gerüchte gab es schon länger. Seit Jahren sinkt die Auflage der einst mit Abstand grössten Sonntagszeitung der Schweiz rasant. 2008 betrug sie noch 260 000 Exemplare, heute noch knapp 75 000. Damit ist der «Sonntags-Blick» längst hinter seine beiden Konkurrenten, die «Sonntags-Zeitung» aus dem Haus Tamedia und die «NZZ am Sonntag», zurückgefallen. Laut Medienberichten ist es nun definitiv: Der «So-Bli», wie das Blatt auch genannt wird, wird Ende Jahr eingestellt beziehungsweise in die Samstagsausgabe des «Blicks» integriert.

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Der «Sonntags-Blick» wurde am 23. März 1969 vom Ringier-Verlag als erste Sonntagszeitung der Schweiz gegründet. Die roten Zeitungsautomaten, aus denen das Blatt bezogen werden konnte, prägten jahrzehntelang die Ortsbilder – fast wie die gelben Briefkästen der Post. 2024 wurden die letzten Automaten abgebaut, es lohnte sich nicht mehr, sie landauf, landab zu füllen.

Martin Speich schneidet im Jahr 1969 zur Erstausgabe des «Sonntags-Blicks» eine Rahmtorte an.

Martin Speich schneidet im Jahr 1969 zur Erstausgabe des «Sonntags-Blicks» eine Rahmtorte an.

RDB / Ullstein / Getty

Affäre Borer als Tiefpunkt

Publizistisch konzentrierte sich das Blatt nach bester Boulevardmanier auf knallige Geschichten, aber auch auf Unterhaltung und Genuss. Einige der Schlagzeilen fanden Eingang in die Pressegeschichte. 2006 veröffentlichte der «So-Bli» zum Beispiel ein abgefangenes Fax des ägyptischen Aussenministeriums, das mutmasslich zeigte, dass der US-Nachrichtendienst CIA geheime Gefängnisse für Terrorverdächtige in Europa betrieb.

Und es gab auch Skandale. Der bekannteste war wohl jener um eine angebliche Liebesaffäre des Schweizer Botschafters in Berlin Thomas Borer. Der Botschafter verlor die Stelle, Ringier musste sich auf dem Titelblatt entschuldigen und dem Ehepaar Borer einen hohen Geldbetrag als Schadenersatz überweisen. Eine Konstante im Blatt war und ist die Kolumne des Chefpublizisten Frank A. Meyer, seit Jahrzehnten kommentiert er mit markigen Worten das Weltgeschehen.

Ausgaben des «Sonntags-Blicks» mit der Schlagzeile «Entschuldigung!» liegen am 14. Juli 2002 an einer Medienkonferenz in Zürich auf. Der Ringier-Verlag entschuldigte sich mit dieser Ausgabe beim ehemaligen Botschafter Thomas Borer für die vorangegangene Berichterstattung.

Ausgaben des «Sonntags-Blicks» mit der Schlagzeile «Entschuldigung!» liegen am 14. Juli 2002 an einer Medienkonferenz in Zürich auf. Der Ringier-Verlag entschuldigte sich mit dieser Ausgabe beim ehemaligen Botschafter Thomas Borer für die vorangegangene Berichterstattung.

Walter Bieri / Keystone

Auch andere Sonntagsblätter erscheinen am Samstag

Ringier ist nicht das erste Medienhaus, das sein Sonntagsblatt aus Kostengründen aufgibt und dafür die Samstagsausgabe ausbaut. CH Media hat diesen Schritt schon vor Jahren vollzogen, 2017 wurde aus der «Schweiz am Sonntag» die «Schweiz am Wochenende». Dasselbe in Deutschland. Sowohl die «FAZ am Sonntag» als auch die «Welt am Sonntag» erscheinen längst am Samstag – trotz dem Namen. Der Vertrieb ist am Samstag bedeutend kostengünstiger als am Sonntag.

Die Entscheidung des Ringier-Verlags hat auch Auswirkungen auf die zwei anderen Schweizer Sonntagsblätter: Da sich die drei Zeitungen bisher die Vertriebskosten geteilt haben, werden diese für die verbleibenden Titel nun höher. Dem Vernehmen nach wollen die «NZZ am Sonntag» und die «Sonntags-Zeitung» aber trotz den neuen Umständen wie bisher weitermachen. Wie lange noch, ist allerdings unklar.

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