Ein harmloses Urlaubsfoto kann Cyberkriminellen mehr verraten, als Ihnen lieb ist. KI erkennt den Aufnahmeort oft ohne GPS-Daten – und macht Betrug persönlicher.
Mit Fotos wie diesem erkennt die KI von Kriminellen, wo jemand im Urlaub war – und schickt passende Phishing-Nachrichten.
Foto: Alexander Spatari/GettyImages
Ein harmloses Urlaubsfoto kann Cyberkriminellen mehr verraten, als Ihnen lieb ist. KI erkennt den Aufnahmeort oft ohne GPS-Daten – und macht Betrug persönlicher.
Wer im Urlaub stolz ein Foto vom Strand, einer Altstadt oder einer Wanderung postet, verrät damit möglicherweise mehr als gedacht. Denn moderne KI kann den Aufnahmeort häufig allein anhand des Bildinhalts erkennen – selbst dann, wenn GPS-Daten entfernt wurden. Cyberkriminelle könnten diese Informationen nutzen, um besonders glaubwürdige
Betrugsnachrichtenzu erstellen. Davor warnt der Sicherheitsanbieter
McAfee.
Für seine Untersuchung ließ McAfee mehr als 21.000 öffentlich verfügbare Reisefotos von zwei frei verfügbaren KI-Modellen analysieren. Das Ergebnis: Ein Modell erkannte Stadt und Land in 91 Prozent der Fälle korrekt, das zweite kam auf 87 Prozent. Dafür benötigte die KI weder Geo-Tags noch Metadaten – allein Architektur, Landschaft, Straßenschilder, Vegetation oder Lichtverhältnisse reichten häufig aus.
In einem zweiten Test luden Mitarbeiter private, bislang unveröffentlichte Urlaubsfotos bei ChatGPT, Claude und Microsoft Copilot hoch. Die Trefferquote fiel zwar geringer aus, das jeweilige Land konnten die KI-Systeme aber meist dennoch richtig bestimmen.
Dass eine KI den Aufnahmeort erkennt, ist zunächst noch kein Sicherheitsproblem. Gefährlich wird es erst, wenn Kriminelle diese Informationen mit anderen öffentlich verfügbaren Daten kombinieren.
Ein Beispiel: Sie posten ein Urlaubsfoto aus Rom auf Instagram. Eine KI erkennt den Ort. Kurz darauf erhalten Sie eine E-Mail oder SMS, die scheinbar von Ihrer Bank stammt. Darin heißt es, eine Kreditkartenzahlung in Rom müsse bestätigt werden. Weil die Nachricht perfekt zu Ihrer Reise passt, wirkt sie deutlich glaubwürdiger als gewöhnliches Phishing.
Auch gefälschte Nachrichten von Hotels, Fluggesellschaften oder Reiseveranstaltern lassen sich so gezielt auf den tatsächlichen Aufenthaltsort zuschneiden. Aus einer Massenmail wird dadurch ein persönlicher Angriff.
Laut McAfee lassen sich vor allem diese Bilder leicht zuordnen:
Schwieriger wird es bei neutralen Motiven wie Hotelzimmern, einfachen Stränden oder Nahaufnahmen. Doch selbst dann konnte die KI häufig zumindest das richtige Land bestimmen.
Ganz auf Urlaubsfotos müssen Sie deshalb nicht verzichten. Mit einigen einfachen Maßnahmen reduzieren Sie das Risiko deutlich:
Gerade während des Urlaubs versuchen Betrüger häufig, Zeitdruck auszunutzen. Passt eine Nachricht auffällig gut zu Ihrer Reise, sollten Sie deshalb besonders misstrauisch sein – denn genau das könnte Absicht sein.
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