Rechenzentren in Irland verbrauchten 2025 rund 7663 GWh Strom – mehr als alle städtischen Haushalte zusammen. Trotz eines Moratoriums im Großraum Dublin.
In Irland gibt es bald mutmaßlich nicht nur mehr Schafe als Einwohner, sondern auch mehr Server. Rechenzentren in Irland machen nun 23 Prozent des gesamten gemessenen Stromverbrauchs des Landes aus. Laut neuen Zahlen der irischen Statistikbehörde Central Statistics Office (CSO) verbrauchten die Serverfarmen im Jahr 2025 insgesamt 7663 Gigawattstunden (GWh) – ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber den 6973 GWh des Vorjahres. Und das obwohl für den größten Teil von 2025 im Großraum Dublin ein faktisches Moratorium für neue Netzanschlüsse galt. Die irische Regulierungsbehörde Commission for Regulation of Utilities (CRU) hatte die Sperre erst im Dezember 2025 aufgehoben.
Damit liegt der Verbrauch der Rechenzentren über dem aller städtischen Haushalte, die auf einen Anteil von 18 Prozent kommen. Ländliche Haushalte stehen bei 9 Prozent. Wie The Register berichtet, wuchs der Stromverbrauch aller übrigen Abnehmer im selben Zeitraum lediglich um 2 Prozent. Grzegorz Głaczyński, Statistiker in der Klima- und Energieabteilung des CSO, ordnete die Entwicklung ein: Der Verbrauch von Rechenzentren sei „jedes einzelne Jahr ohne Ausnahme“ gewachsen – von 1240 GWh im Jahr 2015 auf 2490 GWh im Jahr 2019 und schließlich auf die aktuellen 7663 GWh. Damit hat sich der Bedarf zwischen 2019 und 2025 laut CSO verdreifacht.
Mit der Aufhebung des Anschluss-Moratoriums gelten in Irland nun deutlich verschärfte Regeln für den Betrieb neuer Rechenzentren. Betreiber, die einen Netzanschluss mit mehr als 10 Megawatt Leistung beantragen, müssen eigene Generatoren oder Batteriesysteme vorhalten, die mindestens die gleiche Leistung haben. Diese Anlagen müssen am Großhandelsstrommarkt teilnehmen und bei Bedarf Strom ins öffentliche Netz zurückspeisen – ein Konzept, das bereits von Microsoft und Digital Realty in Irland erprobt wurde.
Zusätzlich müssen neue Rechenzentren mindestens 80 Prozent ihres Strombedarfs durch zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung aus Irland decken. Strom aus bereits bestehenden, staatlich geförderten Projekten darf dabei nicht angerechnet werden. Für die Umsetzung räumt die CRU eine Übergangsfrist von sechs Jahren ab der Inbetriebnahme ein.
Die irischen Auflagen gehen teilweise über das hinaus, was die EU derzeit für Rechenzentren plant. Aktuell diskutiert Brüssel über mögliche Aufweichungen von Klimaregeln für die Branche. Ursprünglich sollten Grünstrom-Zertifikate zum Beispiel nur dann anrechenbar sein, wenn der Strom zeitgleich und in derselben Preiszone erzeugt wurde. Nach intensiver Lobbyarbeit sollen diese Anforderungen nun weitgehend entfallen.
(rie)
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