Während KI in vielen Bereichen noch an Grenzen stößt, liefern Tools beim Verfassen von Social-Media-Beiträgen schon heute überzeugende Ergebnisse. Je nach Plattform kann sich der Anteil deutlich unterscheiden.
Während KI in vielen Bereichen noch an Grenzen stößt, liefern Tools beim Verfassen von Social-Media-Beiträgen schon heute überzeugende Ergebnisse. Je nach Plattform kann sich der Anteil deutlich unterscheiden.
Von Noëlle Bölling
„AI Slop" ist auch auf Linkedin auf dem Vormarsch. (Foto: BongkarnGraphic / Shutterstock)
Für viele ist Linkedin aus dem beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut einer Umfrage von Yougov und der Macromedia University of Applied Sciences sind inzwischen 13 Prozent der Erwachsenen in Deutschland auf dem Karrierenetzwerk aktiv. Jede:r Dritte davon nutzt es mindestens einmal täglich. Neben dem Knüpfen von Kontakten hat sich Linkedin vor allem für das Personal Branding als wichtige Plattform etabliert. Fach- und Führungskräfte positionieren sich dort öffentlich als Expert:innen, berichten von Erfolgen und Herausforderungen und bauen so ihre Reichweite aus. Da vielen die Zeit fehlt, selbst zu schreiben, haben sich inzwischen sogar einige Copywriter:innen auf Linkedin-Beiträge spezialisiert. Wie eine aktuelle Analyse des KI-Detektors Pangram allerdings zeigt, werden viele der Posts mithilfe von KI verfasst – mehr als auf jeder anderen untersuchten Plattform.
Pangram gilt derzeit als eines der besten Tools zur Erkennung KI-generierter Texte. Laut Unternehmensangaben erreicht die aktuelle Version eine Trefferquote von 99,98 Prozent, was durch unabhängige Studien der University of Maryland und der University of Chicago bestätigt wurde. Bekannt wurde das Tool unter anderem im Zusammenhang mit dem Horrorroman Shy Girl von Mia Ballard, der nach KI-Vorwürfen von der Hachette Book Group aus dem Verkauf genommen wurde. Obwohl die Autorin bestritt, KI verwendet zu haben, ergab eine Pangram-Analyse einen möglichen KI-Anteil von bis zu 78 Prozent. Zuletzt gerieten auch Reden deutscher Politiker:innen ins Visier: Eine Focus-Recherche mit dem Tool kam zu dem Ergebnis, dass rund neun Prozent der Plenarreden im Jahr 2026 vollständig von KI verfasst worden seien.
Jetzt hat Pangram Labs, das Startup hinter dem KI-Detektor, eine weitere Textsorte untersucht – nämlich Beiträge in den sozialen Medien. Dabei wurden ausschließlich Beiträge gescannt, auf die Nutzer:innen tatsächlich gestoßen sind, also reguläre Inhalte auf vielgenutzten Plattformen wie Linkedin, X, Medium, Reddit und Substack. Das verdeutlicht, dass KI-Inhalte längst nicht nur auf Spam-Seiten zu finden sind. Das Ergebnis: Jeder vierte längere Beitrag in sozialen Medien wurde von Pangram als vollständig KI-generiert eingestuft. Dabei handelt es sich um Texte, die primär von einem Sprachmodell erzeugt wurden. Der durchschnittliche KI-Anteil aller untersuchten Beiträge liege bei 13,8 Prozent, wobei es je nach Plattform und Beitragslänge deutliche Unterschiede gäbe. Auf vier von fünf Plattformen seien längere Inhalte mit höherer Wahrscheinlichkeit KI-generiert als Kurzbeiträge.
Den niedrigsten KI-Anteil wies laut der Analyse Substack auf, eine Plattform für längere Textformate, die in Deutschland bisher wenig verbreitet ist. Trotzdem wurden auch hier mehr als ein Fünftel der Beiträge von dem Detektor als KI-generiert oder KI-unterstützt eingestuft. Auf dem sozialen Netzwerk X gilt ein Viertel der Inhalte als vollständig von KI verfasst, weitere 23 Prozent seien mithilfe von KI erstellt worden. Den höchsten Anteil wies allerdings Linkedin auf: Laut Analyse wurden mehr als 40 Prozent der Beiträge mit mehr als 250 Wörtern als vollständig KI-generiert klassifiziert.
Die Plattform selbst hat angekündigt, auf diese Entwicklung zu reagieren. „Zwar kann KI ein hilfreiches Werkzeug zur sprachlichen Verfeinerung sein, aber wir beobachten einen Anstieg dessen, was viele als ‚AI Slop‘ bezeichnen – Inhalte, die mit geringem Aufwand KI-generiert wurden und oberflächlich betrachtet zwar ausgefeilt klingen mögen, denen es jedoch an einer wirklich einzigartigen Perspektive oder Substanz mangelt“, schrieb Laura Lorenzetti, die internationale Redaktionsleiterin von Linkedin, in einem Blogbeitrag. „Wenn KI übermäßig eingesetzt wird, insbesondere in großem Maßstab und automatisiert, verwässert sie die wertvollen Erkenntnisse, die echte menschliche Gespräche hervorbringen können.“
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