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Wie gut ist BW vor Hochwasser geschützt?

Дата публикации: 15-07-2026 06:02:38

In Baden-Württemberg kommt es immer wieder zu Starkregen und Überschwemmungen - etwa in Rudersberg. Wie gut ist das Land auf Flutkatastrophen vorbereitet?

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Vor fünf Jahren haben die Menschen im Ahrtal wohl die größte Katastrophe erlebt, die sie sich hätten vorstellen können. Nach Starkregen kam es in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 zu einer Sturzflut. 136 Menschen starben in Rheinland-Pfalz, 49 in Nordrhein-Westfalen. Auch Baden-Württemberg hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen. Nicht in dem Ausmaß wie vor fünf Jahren im Ahrtal, aber dennoch mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen.

Rudersberg (Rems-Murr-Kreis), Anfang Juni 2024: In kürzester Zeit verwandelte Starkregen die Straßen im Ort in Flüsse, zerstörte Häuser und Geschäfte. Innerhalb weniger Stunden entstand ein Schaden von rund 150 Millionen Euro. In der Metzgerei Hinderer stand das Wasser vor zwei Jahren 1,80 Meter hoch im Laden. Alle Geräte, Möbel und Wände mussten raus, ein Totalschaden. "Das waren Wellen, wie wenn man am Meer steht, wenn das auf einen zuschwappt", erinnert sich Metzgermeister Werner Hinderer heute an die Flut. "Wir haben Fotos gemacht, sechs Minuten nachdem hier der Boden nur feucht war, bis dann die Welle kam, über einen Meter".

Hochwasserschutz: Bürger sorgen selbst vor für den Katastrophenfall

Seine Metzgerei hat Werner Hinderer nach dem Hochwasser in Rudersberg wieder aufgebaut. Und er hat vorgesorgt, sollte nochmal ein Hochwasser kommen. Sogenannte Quickwalls, also mobile Wände, die schnell aufgebaut werden und Gebäude vor Wasser schützen können. "60 Zentimeter Wasserdruck kann das aushalten", so Hinderer. Danach würde der Druck zu stark. Bei dem Hochwasser vor zwei Jahren hätten diese Wände nicht ausgereicht. Aber sie sind immerhin ein Anfang.

Rudersberg

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Werner Hinderer sieht die Verantwortung beim Schutz vor Hochwasser nicht nur bei der Kommune oder beim Staat. "Für uns war es immer ganz wichtig, nicht auf andere zu zeigen, sondern auch zu sagen: 'Ich muss ins Tun kommen'". Nach dem Hochwasser habe er gemerkt, dass er eine gewisse Vorbildfunktion übernommen habe. Das sei ein wichtiger Motivationsschub gewesen.

Rudersberg informiert über Starkregenrisiko im Ort

Die Gemeinde Rudersberg hat mittlerweile eine Info-Homepage, auf der sich die Bürgerinnen und Bürger informieren können, wie groß die Gefahr der Überflutung im Falle von Starkregen und Hochwasser für ihren Ortsteil, ihre Straße ist und wie sie besser vorsorgen können. Außerdem hat die Gemeinde eine Fortschreibung ihres Hochwasserschutzkonzepts in Auftrag gegeben. Darin soll untersucht werden, wo es auch unter veränderten Niederschlagswerten wegen des Klimawandels noch Handlungsbedarf gibt. Laut Bürgermeister Raimon Ahrens (parteilos) will man aus diesem Gutachten dann in den kommenden Jahren weitere Schutzmaßnahmen ableiten, sollten sie denn nötig sein. Vor einigen Jahren schon wurde in Rudersberg ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Das hat laut Ahrens im Juni 2024 vielleicht noch Schlimmeres verhindert.

In Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) wurde bereits vor einigen Jahren ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Bei der Flut im Jahr 2024 hat das wohl Schlimmeres verhindert.

In Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) wurde bereits vor einigen Jahren ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Bei der Flut im Jahr 2024 hat das wohl Schlimmeres verhindert. SWR

Land investiert in den Hochwasserschutz

Das Land Baden-Württemberg hat laut Umweltministerium seit 2023 insgesamt rund 225 Millionen Euro für kommunale Hochwasser- und Starkregenschutzmaßnahmen bereitgestellt. Hinzu kommen Mittel für die vier Regierungspräsidien. Diese Gelder fließen zum Beispiel in das Integrierte Rheinprogramm, welches Hochwasser im Rhein, vor allem im Raum Karlsruhe und Mannheim, entschärfen soll. Dabei würden gezielt große Flächen entlang des Flusses geflutet werden, damit sich das Wasser dort vorübergehend ausbreiten kann und die Hochwasserwelle weiter flussabwärts niedriger ausfällt.

Aber auch große Katastrophenschutzübungen sollen auf den Ernstfall vorbereiten. "Je besser das eingeübt wird, je besser alle Beteiligten wissen, wer hat jetzt welche Aufgabe, was ist zu tun, in welchen Fällen, da liegt der Schlüssel darin, auch wirklich Menschenleben zu retten", so Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) gegenüber dem SWR.

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Elementarschadenversicherung für Hausbesitzer gefordert

In Rheinland-Pfalz sind laut Gesamtverband der Versicherer aktuell nur 53 Prozent der Wohngebäude gegen Schäden durch Starkregen, Hochwasser oder Erdrutsche versichert. In Baden-Württemberg sieht es anders aus, hier sind es 94 Prozent der Wohngebäude. Damit liegt Baden-Württemberg bundesweit mit Abstand an der Spitze. Hintergrund ist eine historische Besonderheit: Bis Mitte der 90er-Jahre gab es in Baden-Württemberg eine gesetzliche Versicherungspflicht gegen Elementarschäden.

Die baden-württembergische Landesregierung setzt sich für eine bundesweite Pflicht für eine Elementarschadenversicherung ein. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz im Juni haben die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder die Bundesregierung in einem Beschluss dazu aufgefordert, eine Pflichtversicherung auf Bundesebene einzuführen. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte das in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. "Eine weitere Verzögerung ist mit Blick auf die zunehmende Häufigkeit von Extremwetterereignissen nicht hinnehmbar", heißt es im Beschlusspapier der Regierungschefs.

In Rudersberg haben die Bürgerinnen und Bürger gemischte Erfahrungen mit den Versicherungen gemacht. Werner Hinderers Elementarschadenversicherung hat gezahlt, allerdings wartet er eigenen Angaben zufolge noch auf die Zahlungen der L-Bank aus dem landeseigenen Förderprogramm. Auch ein anderer Bürger im Ort ist frustriert davon, wie schleppend die Auszahlungen seiner Versicherung ablaufen. "Die Versicherungen machen einem das Leben schwerer als die Flut", berichtet er.

Neben all dem Leid und Frust, den die Bürgerinnen und Bürger in Rudersberg durch das Hochwasser erlebt haben, zieht Bürgermeister Ahrens aber auch eine positive Bilanz. Die Gemeinde habe das enorm zusammengeschweißt. "Menschen kommen, helfen, dass man zusammen anpackt, um da diesen Karren auch wieder aus dem Dreck zu ziehen, um wieder als Gemeinde nach vorne blicken zu können und ich glaube, wenn man so heute durch unsere Gemeinde schaut, ist uns da auch wirklich viel gelungen".

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