Kriminelle imitieren mit mobilen Geräten Mobilfunkantennen und überschwemmen Smartphones mit Phishing-SMS. Die Masche breitet sich rasant aus.
Kriminelle imitieren mit mobilen Geräten Mobilfunkantennen und überschwemmen Smartphones mit Phishing-SMS. Die Masche breitet sich rasant aus.
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Eine unauffällige Limousine fährt durch die Innenstadt, im Kofferraum surrt ein Gerät von der Größe eines kleinen Computergehäuses. Während der Wagen seine Runden dreht, vibrieren in den Hosentaschen der Passantinnen und Passanten reihenweise die Smartphones, weil eine angebliche Mahnung oder eine vermeintliche Parkbuße eingegangen ist.
So oder so ähnlich hat sich vergangenen Sommer eine Szene in Genf abgespielt, und sie steht stellvertretend für eine Betrugsmasche, die in der Schweiz und international rasant an Bedeutung gewinnt.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Hinter dem Phänomen steckt ein sogenannter SMS-Blaster, ein etwa schuhkartongroßes Gerät, das an eine Autobatterie angeschlossen wird und sich bequem über eine App fernsteuern lässt. Der Apparat gibt vor, eine legitime Mobilfunkantenne zu sein, und sendet ein so starkes Signal aus, dass sich alle Smartphones in einem Umkreis von bis zu eintausend Metern automatisch mit ihm verbinden.
Die Telefone der ahnungslosen Opfer wechseln dabei kurzzeitig in das veraltete 2G-Netz, in dem die Sicherheitsstandards niedriger sind und Nachrichten ungeprüft zugestellt werden können. Auf diese Weise erreichen die Täter zehntausende Geräte, ohne auch nur eine einzige Telefonnummer zu kennen.
Wie überzeugend die gefälschten Nachrichten wirken, zeigt der Genfer Fall besonders eindrücklich, denn die Empfänger erhielten dort den Hinweis auf eine angeblich offene Parkbuße über vierzig Franken, die sich verdoppeln würde, wenn nicht umgehend gezahlt werde. Wer dem Link folgte, landete auf einer Seite, die der echten Bußgeldplattform täuschend ähnlich sah, und gab dort persönliche Daten und Kontoinformationen ein.
Die Genfer Staatsanwaltschaft kennt mittlerweile 154 Geschädigte mit einem Gesamtschaden von knapp zwei Millionen Franken. Im Kanton Waadt verloren rund vierzig Personen zusammen 260 000 Franken, und in der Region Basel verschickte ein Täter im vergangenen Herbst falsche Nachrichten im Namen der Migros, mit denen er an einem einzigen Tag rund 100 000 Smartphones erreichte. Laut Polizei ist davon auszugehen, dass es sich um ein internationales Cybercrime-Netzwerk handelt.
Sie können sich vor solchen Angriffen wappnen, wenn Sie einige einfache Vorkehrungen treffen. Auf vielen Android-Geräten lässt sich in den Netzwerkeinstellungen die Verbindung zum 2G-Netz vollständig deaktivieren, wodurch der SMS-Blaster bei Ihnen ins Leere läuft. Beim iPhone ist eine direkte Abschaltung nicht möglich, doch der sogenannte Blockierungsmodus in den Datenschutzeinstellungen unterbindet die Verbindung zu 2G ebenfalls, schränkt allerdings andere Funktionen ein und sollte deshalb mit Bedacht eingesetzt werden.
Wenn Sie häufig im Ausland unterwegs sind, müssen Sie diese Einstellung dort wieder aufheben, weil das alte Netz in vielen Ländern weiterhin in Betrieb ist. Darüber hinaus rät das Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit zu gesundem Misstrauen gegenüber jeder SMS, die zur sofortigen Zahlung auffordert, denn weder Behörden noch seriöse Unternehmen verschicken Mahnungen mit anklickbaren Links. Prüfen Sie verdächtige Forderungen daher immer direkt bei der offiziellen Stelle, von der sie kommen, damit der nächste falsche Funkmast bei Ihnen keinen Erfolg hat.
Dass es sich nicht um ein rein schweizerisches Phänomen handelt, zeigt ein Fall aus Toronto, wo die kanadische Polizei Ende April dieses Jahres drei junge Männer festnahm, die monatelang mit einem mobilen SMS-Blaster durch den Großraum der Stadt gefahren waren. Im Rahmen der Operation Project Lighthouse wurden ihnen 44 Anklagepunkte vorgeworfen, weil ihr Gerät mehr als dreizehn Millionen Netzunterbrechungen verursachte und dabei sogar die Verbindung zur Notrufnummer 911 lahmlegte.
Genau hier liegt die besondere Tücke der Methode, denn während die Opfer mit angeblichen Mahnungen abgelenkt werden, könnten andere Anwohner im selben Augenblick im Notfall keine Hilfe rufen.
Mobilfunkanbieter wie Swisscom, Sunrise und Salt blockieren mit eigenen SMS-Filtern täglich zehntausende betrügerische Nachrichten, doch die Täter umgehen diese Vorkehrungen, indem sie ihre eigene Antenne betreiben und damit das offizielle Netz schlicht aushebeln. Auch die Tatsache, dass das 2G-Netz in der Schweiz eigentlich abgeschaltet ist, bietet keinen Schutz, weil die mobile Pseudoantenne dieses veraltete Verfahren selbst zur Verfügung stellt.
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