Schulhefte, Collegeblöcke, Blei- und Buntstifte – der Schulstart ist für die Schreibwarenbranche wie das Weihnachtsgeschäft für die Marzipanindustrie. Doch Konsumzurückhaltung und Zollwirrwarr machen den Herstellern zu schaffen. Wir haben uns angeschaut, wer hinter bekannten Marken steckt.
Stifte und Papier: Der Schulstart ist die wichtigste Zeit für Schreibwarenhandel und -hersteller
Foto: Jens Kalaene / picture alliance / dpaWährend die einen erst Anfang August in die Sommerferien gestartet sind, beginnt in anderen Bundesländern schon das neue Schuljahr. Und damit startet der Run auf Schulmaterialien. Unzählige Hefte, Blei- und Buntstifte, Fasermaler, Tuschkästen, Locher, Scheren, Collegeblöcke und Co. wandern in die Einkaufskörbe.
Allein zur Einschulung der Erstklässler rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit einem Umsatz von rund 725 Millionen Euro . „Familien, Freunde und Bekannte der Schulkinder kaufen benötigte Schreibwaren, Kleinigkeiten für die Schultüte und passende Geschenke“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth (61).
Die „Back to School“-Zeit ist nicht nur für die Schreibwarenhändler, sondern auch für die Schreibwarenhersteller der wichtigste Zeitraum, bestätigt Volker Jungeblut, Geschäftsführer beim PBS-Verband der Markenindustrie, gegenüber dem manager magazin. PBS steht dabei für Papier, Büroartikel und Schreibwaren. Bekannte Marken sind hierzulande unter anderen Herlitz, Leitz, Faber-Castell, Brunnen, Staedtler, Schwan-Stabilo, Edding und Pelikan.
Laut Handelsverband Büro und Schreibkultur ist der Umsatz im PBS-Markt in den vergangenen Jahren jedoch deutlich gesunken. Demnach umfasste er in Deutschland 2024 ein Volumen von rund 12,5 Milliarden Euro , ein Jahr zuvor waren es noch 13,2 Milliarden Euro. Enthalten sind darin auch die Zahlen des Großhandels mit Geschäftskunden, der den größten Teil ausmacht.
Das Geschäft mit den „Back to School“-Kunden mag zum einen an der voranschreitenden Digitalisierung der Schulen leiden. Zum anderen schlagen aber „Inflation und die derzeitige Konsumzurückhaltung durch“, sagt Jungeblut. Auch gebe es einen starken Preisverfall bei Schreibgeräten. „Über 30 Euro geht nichts mehr, außer bei Luxusgeräten.“
Gekauft wird die Schulausstattung dabei nicht mehr zwangsläufig beim Fachhandel, sondern häufig in Drogerien und bei Discountern mit Eigenmarken sowie bei Onlineanbietern wie Amazon und Temu. Manch ein Hersteller sucht sein Heil in spezialisierten Angeboten wie zum Beispiel beim Künstlerbedarf, im Luxussegment wie Montblanc oder erweitert sein Sortiment durch anderweitige Produkte, wie es Durable mit Ständern für Tablets macht oder Schwan-Stabilo mit Kosmetik und Outdoorprodukten.
Trotz der optimistischen Töne des Handelsverbands HDE: Der Ausblick auf dieses Jahr ist angesichts der Kaufzurückhaltung trübe. Hinzu kommt das Zollchaos mit den USA, aber auch die im Raum stehenden höheren Zölle der EU für chinesische Produkte mit womöglich gravierenden Folgen, die – Stichwort Lieferketten – auch in Deutschland zu spüren wären.
„Ich erwarte eine weitere Konsolidierung“, prognostiziert Jungeblut. Erst im vergangenen Jahr wurde die Marke Lamy an den japanischen Mitsubishi-Konzern verkauft. 2023 wechselte die Pelikan-Gruppe ihren Besitzer. Daneben suchen Traditionshäuser wie Staedtler, Faber-Castell und Edding ihren eigenen Weg. Letzteres warnte bereits vor ein paar Wochen vor einem deutlichen Umsatzrückgang .
In unserer Serie „Wer steckt dahinter?“ haben wir uns einige bekannte Marken aus der Schreib- und Bürowarenwelt angeschaut.
Für Ordnungswillige: Leitz hat des Bürokraten liebstes Kind schon seit 1886 im Programm
Foto: Marijan Murat / dpaSie stehen in jedem Büro und in vielen Haushalten: die Leitz-Aktenordner. Bereits im Jahr 1886 hatte Louis Leitz in Stuttgart die Hebelmechanik im Bucheinband entwickelt. Wenn auch sicherlich etwas modifiziert, werden die Leitz-Ordner immer noch produziert. Nur gehört die Marke schon lange nicht mehr der Familie Leitz, sondern zum US-amerikanischen Büroartikelhersteller Acco Brands. Zu dem Konzern aus Lake Zurich bei Chicago gehören auch Marken wie Cambridge, Artline, Kensington, LucidSound, Rexel und Xyron.
2024 verbuchte Acco Brands einen Nettoumsatz von 1,67 Milliarden Dollar , ein Minus von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Schon da beklagte CEO Tom Tedford eine schwächere weltweite Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach bestimmten Büroartikeln.
Für 2025 klingt Tedford ebenfalls wenig euphorisch , wie bei der Präsentation der Halbjahreszahlen deutlich wurde: „Wir haben die unmittelbaren Auswirkungen der Zölle im April zu spüren bekommen.“ Mit einem aggressiven Kostenprogramm will das Management gegensteuern.
In französischer Hand: Die Pelikan-Gruppe hatte Herlitz schon vor langer Zeit geschluckt, dann übernahm die Hamelin Groupe die Kultmarke aus Hannover
Foto: A3913 David Ebener/ dpaWas haben Herlitz, Pelikan, Oxford, Linex, Landré und Elba gemeinsam? Natürlich den Gesellschafter. Hinter den bekannten Marken steckt die französische Hamelin Groupe. Das Unternehmen wurde bereits 1864 von Ernest Hamelin (1826-1898) in Caen in der Normandie gegründet und hat sich auf Büroartikel spezialisiert.
2023 verleibte sich Hamelin die Pelikan-Gruppe ein. Damit wanderte neben Pelikan auch die bekannte Marke Herlitz ins Portfolio der Franzosen. 2024 lag der Umsatz der Hamelin-Gruppe bei rund 600 Millionen Euro. 3000 Mitarbeiter arbeiten nach eigenen Angaben in 19 Ländern für das französische Familienunternehmen .
Gemeinnützige Stiftung: Der Staedtler-Gewinn wird teilweise für Wohltaten in Sachen Bildung genutzt
Foto: Katharina ReznizekRadiergummi, Buntstifte, Fineliner, die Modelliermasse Fimo und diverser Künstlerbedarf – das Unternehmen Staedtler aus Nürnberg hat sich insbesondere den Schreibgeräten verschrieben. Die Basis für das Unternehmen legte Friedrich Staedtler (1636-1688) bereits im 17. Jahrhundert. 1834 stellte dann Ur-Ur-Enkel Johann Sebastian Staedtler (1800-1872) die ersten Buntstifte her.
Seit 1997 ist das Unternehmen zu 100 Prozent in der Hand der Staedtler-Stiftung , die der Gemeinnützigkeit verpflichtet ist. 2023 lag der Umsatz von Staedtler bei 361 Millionen Euro, die Exportquote in Deutschland bei 75 Prozent. Produziert wird in vier Werken in Deutschland und zweien in Peru. Anfang 2025 verkündete Staedtler, noch bis 2035 seinen Umsatz nahezu verdoppeln zu wollen. Neue Produkte und eine weitere Expansion sollen dabei helfen.
Traditionshaus: Faber-Castell produziert 200 Millionen Holzstifte am Stammsitz im mittelfränkischen Stein
Foto: Daniel Karmann / picture alliance / dpaNur wenige Häuser können auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie Staedtler und Faber-Castell. Letzteres fertigt seit 1761 Holzstifte an. Heutzutage wird in zehn Werken in Deutschland, Brasilien, Peru, Indonesien und Malaysia produziert. Allein am Stammsitz in Stein werden pro Jahr etwa 200 Millionen Holzstifte hergestellt.
Faber-Castell steht für hochwertige Produkte und gilt als Weltmarktführer in einzelnen Bereichen. „Der Schulanfang spielt für uns eine wichtige Rolle sowohl im Umsatz, aber auch noch vielmehr in der Markenführung“, sagt eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager magazin. Die Familie ist mittlerweile in neunter Generation im Unternehmen aktiv. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2023/24 lag bei 618,4 Millionen Euro . Der Vorstandsvorsitzende Stefan Leitz (61) sah im vergangenen Jahr überproportionale Wachstumschancen in Asien und Lateinamerika. „Besonders stark sind wir im Heimatmarkt, in den Märkten der EU, in Lateinamerika und in Südostasien wie zum Beispiel Malaysia und Indonesien“, so die Sprecherin. Die einst eigens gegründete Akademie Faber-Castell für Kunst, Kultur und Design stellt jedoch im kommenden Jahr ihren Betrieb ein.
Bei Baier & Schneider in Heilbronn laufen die Bänder schon lange auf Hochtouren. Zum Schulstart wollen alle Händler beliefert sein. Rund 22 Millionen Schulhefte pro Jahr produziert das Unternehmen, das vor allem für seine Marke Brunnen bekannt ist. Neben Schulheften stehen Kalender, Notizbücher, Heftumschläge und weitere Büroartikel im Portfolio.
Baier & Schneider wurde 1877 gegründet. Das Familienunternehmen gehört zur Schneider-Gruppe , die heute in vierter und fünfter Generation geführt wird. Zur Schneider-Gruppe gehören noch Bastel- und Geschenkpapiermarken wie Heyda, Stewo und der norwegische Hoflieferant Almandakkforlaget. Produziert wird in Deutschland und in der Schweiz, heißt es auf der Website. Laut eigenen Angaben liegt der Umsatz bei 125 Millionen Euro.
Von Textmarker bis Outdoorprofi: Kaum ein Schreibwarenhersteller ist so breit aufgestellt wie Schwan-Stabilo
Foto: Daniel Karmann / dpa / picture allianceDas Familienunternehmen Schwan-Stabilo ist nicht nur in Sachen Schreibgeräte unterwegs, sondern führt auch die Bereiche Kosmetik und Outdoor unter dem gemeinsamen Dach. Die Geschichte des Familienunternehmens geht auf die Produktion von Bleistiften zurück. Dann kamen Buntstifte, Augenbrauenstifte, Filzstifte und Textmarker hinzu. 1976 wurde das Unternehmen in Schwan-Stabilo umbenannt . Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2023/24 bei 797,2 Millionen Euro. 5271 Mitarbeiter sind weltweit für das Unternehmen in 100-prozentigem Familienbesitz tätig.
Werke stehen in Deutschland, Tschechien, Malaysia und den USA. Die Kosmetikprodukte werden unter der Marke Schwan Cosmetics verkauft. Zu den Outdoormarken gehören Deuter, Gonso, Maier Sports und Ortovox.
Mit Feder und Tinte: Lamy aus Heidelberg ist in japanischen Händen
Wer kennt sie nicht, die Füllfederhalter von Lamy aus Heidelberg? Das Unternehmen wurde 1930 gegründet, der Durchbruch mit dem „Lamy 27“ gelang aber erst 1952. Später kamen Kugelschreiber und Tinte dazu. Lamy wurde lange von der Gründerfamilie geführt. Die Probleme begannen, als sich Gründersohn Manfred Lamy (1936–2021) zurückzog. Der Umsatz ging zurück. Am Ende galten die Erben mit der Geschäftsführung als zerstritten.
In einem längeren Auswahlverfahren verkaufte die Familie den Füllerspezialisten 2023 an die Mitsubishi Pencil Company. Die Japaner bezifferten den Umsatz von Lamy für 2023 auf 79,1 Millionen Euro, der Konzernüberschuss soll bei 3,7 Millionen Euro gelegen haben. Marken von Mitsubishi Pencil sind Uni-Ball und Posca. Der Umsatz lag 2024 bei rund 544 Millionen Euro (Stichtag: Dezember 2024).
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