Eine Skulptur, die 2.000 Jahre überdauern soll: Das Wortsegel bei Sotzweiler ist seit nunmehr zwei Jahrzehnten das Wahrzeichen der Gemeinde Tholey. Pünktlich zum 20. Geburtstag erscheint ein Buch über die Landmarke – und das hat es in sich.
Tholey · Eine Skulptur, die 2.000 Jahre überdauern soll: Das Wortsegel bei Sotzweiler ist seit nunmehr zwei Jahrzehnten das Wahrzeichen der Gemeinde Tholey. Pünktlich zum 20. Geburtstag erscheint ein Buch über die Landmarke – und das hat es in sich.
Das Wortsegel bei Sotzweiler gilt als bekannte Landmarke der Gemeinde Tholey. Zum 20. Jubiläum ist nun ein Buch über die Skulptur erschienen.
Foto: Patrick KleinIm Jahr 2025 jährte sich die Errichtung der Skulptur des Wortsegels bei Sotzweiler und damit einer besonderen Landmarke der Gemeinde Tholey und des Saarlandes zum 20. Mal. Aus Anlass dieses Jubiläums hat die Gemeinde Tholey gemeinsam mit dem Erschaffer des Denkmals für Poesie, dem aus Sotzweiler stammenden Professor Heinrich Popp, ein Buch herausgegeben, das die Geschichte, Entstehung und Entwicklung des Wortsegels umfassend dokumentiert.
Eine vergriffene Broschüre ist die Basis
Das fast 90 Seiten starke Büchlein basiert unter anderem auf einer inzwischen vollständig vergriffenen und vielfach nachgefragten Broschüre zur Einweihung des Wortsegels mit Beiträgen von Ludwig Harig, Benno Rech, Johannes Kühn, Martin Krüger und weiteren Autoren. Ergänzt wird das Buch durch neue Texte, die das Wortsegel 20 Jahre nach seiner Errichtung einordnen und seine Bedeutung als weit bekannte Landmarke der Gemeinde Tholey beleuchten.
Zusammen mit seinem Sohn Christian und mit Bürgermeister Andreas Maldener (rechts) präsentiert Professor Heinrich Popp sein Buch „20 Jahre Wortsegel“ vor einem weiteren Kunstwerk aus seiner Hand im Treppenhaus des Rathauses in Tholey.
Foto: Ralf Mohr„Dieses Buch ist weitaus mehr als die zugrunde liegende Broschüre anlässlich der Einweihung“, bemerkte Bürgermeister Andreas Maldener bei der Buchpräsentation. „Es ist vielmehr ein Sammelwerk all dessen, was diesen Ort ausmacht, was die Idee ausmacht und was letztendlich daraus geworden ist“, so der Bürgermeister weiter. „Nach Aussage der Dillinger Hütte kann diese Skulptur mindestens 2.000 Jahre stehen bleiben“, erklärte der künstlerische Erschaffer des Wortsegels und Autor des Buches, Prof. Heinrich Popp. Das Stahlwerk, dem die technische Ausführung der Skulptur oblag, geht davon aus, dass der verwendete Spezialstahl in dieser Zeit nicht durchrostet.
Alte Veröffentlichungen treffen auf neue Erkenntnisse
Viele der Autoren der ursprünglichen Broschüre konnten heute nicht mehr erreicht werden, sei es, weil sie bereits verstorben waren oder in alle Welt verstreut sind. So war es mit einer gewissen Schwierigkeit verbunden, die Genehmigung für die eine oder andere Veröffentlichung in diesem neuen Rahmen zu erlangen, erläuterte Professort Popp. Denn das Buch beinhaltet eine Mischung aus damaligen Veröffentlichungen und neuen Beiträgen.
„Dieses Bändchen ist ein Zeitzeugnis der Kulturhistorie des Saarlandes und nicht zuletzt auch der Ort mit der Skulptur des Wortsegels stellt für sich einen kulturhistorisch wertvollen Ort des Saarlandes dar“, spannte Bürgermeister Andreas Maldener einen Bogen zwischen Kunst, Kultur und touristischer Bedeutung für die Gemeinde Tholey. „Für viele Menschen ist das Wortsegel genauso wie der Schaumberg und die Abtei untrennbar als Wahrzeichen mit der Gemeinde Tholey verbunden. Es ist ein Stück Heimat, das Ruhe und Entschleunigung bedeutet. Das spiegelt sich auch in diesem Jubiläumsband wider, angefangen bei dem sehr schön gestalteten Titel bis hin zu den vielfältigen Inhalten mit sehr aussagekräftigen Texten und Bildern“, führte Maldener weiter aus. „Diese Tonnen von Stahl wirken aus jeder Perspektive anders auf den Betrachter und regen dabei gleichzeitig zum Nachdenken an. Ähnlich geht es auch beim Blättern in dem Buch von Professor Popp.“
Symbol für die Fertigkeiten der saarländischen Stahlindustrie
Der Band beinhaltet auch einen umfangreichen Teil aus der Konstruktions- und Fertigungsphase des Wortsegels. Bemerkenswert dabei ist auch, dass sich die beiden Enden des Wortsegels in rund dreizehn Metern Höhe lediglich auf einer Fläche von vier Mal vier Zentimeter berühren und verschweißt sind, erläuterte Professor Popp. „Natürlich steckt die Basis der Skulptur 60 Zentimeter tief im Stahlbeton drin, aber dort oben muss die Verbindung der beiden Segel trotzdem den Kräften von Wind und Wetter standhalten und aufgrund seiner Elastizität eine gewisse Stabilität aufweisen“, erklärte der Professor weiter.
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
12.06.2026
Er sieht in der Skulptur auch ein Symbol dafür, was die Stahlindustrie im Saarland zu leisten im Stande ist. Als besonderes technisches Know-how bei der Skulptur hob er das Biegen auf der großen Länge der tonnenschweren Segelelemente ebenso hervor, wie das kontinuierliche Walzen, bei dem die Dicke des Stahls auf der Länge von dreizehn Metern sukzessive von rund 80 mm an der Basis bis rund 50 mm an der Spitze abnimmt.
Der Professor liebt die Seefahrt
„Das spart im Übrigen gut zwei Tonnen Material auf die Höhe gerechnet ein. Das konnte damals niemand außer der Dillinger Hütte“, bemerkte Popp. „Das war zu der Zeit ein Alleinstellungsmerkmal.“ Und weiter: „Ich bin ja auch kein Techniker, aber das hatte mir damals so viel Spaß gemacht, dass ich Tage in der Dillinger Hütte zugebracht habe, um dem Entstehungsprozess beizuwohnen.“
Entstanden ist die Idee aus der Liebe Professor Popps zur Seefahrt: „Ich bin zwar nie zur See gefahren, aber die schnittigen Segel der Jachten und Sportboote fand ich schon als Kind faszinierend und bin auch heute noch der Meinung, dass das die schönsten Formen sind, die es gibt.“ Die Namensfindung für die Skulptur war indes viel komplizierter. „Eigentlich ist das Wort Wortsegel ja im Grunde widersinnig“, so Popp. Er zitierte dabei Johannes Kühn: Ein Wort, das nicht unbedingt beschreibt, was man sowieso schon sieht, das sind die besten Wörter.
Gestaltet wurde das Buch auf Anregung von Professor Popp von Designer Eric Jacob. Es ist in der Tourist-Information der Gemeinde Tholey erhältlich. Erschienen ist der Band unter der ISBN 978-3-9827606-2-9. Herausgeber ist die Gemeinde Tholey, gedruckt wird es bei Krüger Druck + Verlag, Merzig. (brn/lwg)