Schwache Verkäufe vorwiegend in China setzen dem Volkswagen-Konzern weiter zu: Der Gewinn ist im zweiten Quartal kräftig gesunken, auch der Umsatzausblick wird gekappt. Konzernchef Blume will das Sparpaket noch 2026 festzurren. Vom Betriebsrat kommt Widerstand.
Schwache Verkäufe vorwiegend in China setzen dem Volkswagen-Konzern weiter zu: Der Gewinn ist im zweiten Quartal kräftig gesunken, auch der Umsatzausblick wird gekappt. Konzernchef Blume will das Sparpaket noch 2026 festzurren. Vom Betriebsrat kommt Widerstand.
24.07.2026, 08.17 Uhr
Gewinn eingebrochen, Ausblick gesenkt: VW-Chef Oliver Blume will bis Jahresende eine Einigung über das historische Spar- und Sanierungspaket, doch der Betriebsrat sieht in den Zahlen keinen Anlass für einen "historischen Personalabbau"
Foto: Julian Stratenschulte / dpaEuropas größter Autobauer Volkswagen stellt sich trotz einer hohen Nachfrage nach seinen elektrischen Kleinwagen auf schwächere Erlöse ein. Das Unternehmen rechnet nach Angaben vom Freitag nun für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu 3 Prozent, statt eines Wachstums von bis zu 3 Prozent.
Der Betriebsgewinn sank im gesamten ersten Halbjahr um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, unter dem Strich waren es mit 3,1 Milliarden Euro sogar gut 30 Prozent weniger. Dabei spielten vor allem das Aus für die Produktion des elektrischen ID.4 in den USA und andere Sondereffekte eine Rolle.
VW-Chef Oliver Blume sprach von einem extrem herausfordernden Umfeld für die Autoindustrie und verwies auf geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und einen verschärften Wettbewerb. Zugleich zeige die Neuausrichtung des Unternehmens Wirkung. Beim Gewinn rechnet das Unternehmen mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau.
Finanzchef Arno Antlitz sagte, derzeit liege die operative Umsatzrendite mit 3,8 Prozent auf einem zu niedrigen Niveau und unterstreiche den Handlungsbedarf. „In einem Umfeld, in dem der Gesamtmarkt in China um 20 Prozent zurückgeht und chinesische Wettbewerber ihre Exporte und dadurch den Wettbewerbsdruck in Europa erhöhen, reichen die bislang geplanten Initiativen nicht aus.“
Blume will Sparpaket bis Jahresende festzurrenZölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, hatte Konzernchef Oliver Blume (58) bereits im Frühjahr erklärt. Er plant daher neue Sparmaßnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand – zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen. Der Sparzwang wird vom Vorstand damit begründet, dass die Gemeinkosten bei VW um 20 Prozent höher liegen als bei vergleichbaren Autobauern.
Blume strebt eine Verabschiedung seines neuen Sparpakets für den Konzern noch in diesem Jahr an. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende eine Einigung mit dem Betriebsrat zu erzielen und entsprechende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen, sagte Blume. Die Diskussionen dazu hätten gerade erst begonnen.
Der Betriebsrat hat auf die vorgelegten Halbjahreszahlen des Konzerns prompt reagiert. Die Mitarbeitervertretung sieht in den vorgelegten Zahlen keinen Beleg dafür, dass jetzt Standortschließung und Personalabbau „in historisch großen Dimensionen“ nötig seien.
„In der Tat steht das Geschäftsmodell des VW-Konzerns an mehreren Stellen unter Druck und muss optimiert werden“, sagte ein Sprecher des VW-Betriebsrates. „Dabei ist eines aber jetzt schon klar: Eine Debatte über Standortschließungen und Personalabbau in historisch großen Dimensionen ist nicht das neue Geschäftsmodell für den VW-Konzern, denn das ist keine neue Umsatz- und Gewinnquelle, es bringt keinen technologischen Vorsprung, schafft keine wettbewerbsfähigen Produkte und erschließt auch keine neue Kundschaft für unsere Fahrzeuge.“
Auch vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt, kommt Gegenwind. Zusammen mit den Arbeitnehmern stellen sie dort die Mehrheit. In dem Gremium fielen Blumes Sparpläne dann auch zunächst durch.
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche . Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Um sich aus der Misere zu retten, will der Konzern mehr auf die boomende Rüstungsindustrie setzen. Doch auch hier zeigen sich viele Probleme, wie Recherchen des manager magazins zeigen.
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