Moderater Schlafmangel kann messbar aufs Gewicht schlagen: In einem Experiment nahmen gesunde Erwachsene schon nach sechs Wochen mit rund 80 Minuten weniger Schlaf pro Nacht zu – und bewegten sich weniger.
AUDIO: Moderater Schlafmangel (1 Min)
US-Experiment
Weniger Schlaf, mehr Gewicht? Zusammenhang auch bei moderatem SchlafmangelStand: 08.07.2026 12:49 Uhr
Länger wach, aber hungriger und träger: Eine neue Studie zeigt, dass bereits moderater, chronischer Schlafmangel bei gesunden Erwachsenen zu einer deutlichen Gewichtszunahme und mehr Bauchfett führen kann. Die Teilnehmenden schliefen sechs Wochen lang rund 90 Minuten weniger pro Nacht – ihr Gewicht stieg, während ihre Aktivität sank. Die Forschenden warnen: Zu wenig Schlaf ist ein eigenständiger Risikofaktor für Übergewicht und Folgeerkrankungen.
von MDR WISSEN/ IZ
Dass Schlafmangel zu einer Gewichtszunahme führen kann, vermuten Forschende schon länger. Der Zusammenhang besteht vermutlich, weil sich das hormonelle Zusammenspiel im Körper bei Schlafmangel verändert. Ein US-Experiment verstetigt die Befunde nun und kommt zu dem Ergebnis, dass chronischer Schlafmangel auch bei ansonsten gesunden Menschen zu einer Gewichtszunahme und mehr Bauchfett führen kann.
4, 6 oder 8 Stunden?
Wie viel Schlaf ist gesund?
Schlafen ist wichtig für die physische und psychische Gesundheit. Wie viele Stunden Schlaf pro Nacht brauchen Erwachsene? Wie viel ist gesund? Und wie schläft es sich besonders erholsam?
Diverse Studien haben bereits ermittelt, dass Schlafmangel zu mehr Appetit und Überessen führen kann. Allerdings haben die meisten Studien bisher sehr extreme Schlafmangel-Szenarien untersucht, meist mit rund vier Stunden nächtlichem Schlaf. Ein solches Defizit können die meisten Menschen lediglich ein paar Tage aufrechterhalten. Die Forschenden hinter der aktuellen Studie hatten deshalb das Ziel, zu untersuchen, wie sich ein eher moderater Schlafmangel auswirkt.
"Viele Menschen in Amerika schlafen nur fünf bis sechs Stunden", sagt Ernährungswissenschaftlerin Marie-Pierre St-Onge, eine der Autorinnen. Man habe deshalb prüfen wollen, ob auch ein solcher, moderater Schlafentzug Auswirkungen auf das Gewicht haben kann. Ungefähr 30 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner leiden schätzungsweise unter einem moderaten Schlafentzug.
Die Forschenden rekrutierten für das Experiment 95 Erwachsene, die ein gutes Schlafverhalten aufwiesen, also sieben bis acht Stunden pro Nacht schliefen. Diese Menschen gingen während des Experiments sechs Wochen lang 1,5 Stunden später ins Bett und reduzierten damit ihren Schlaf. Danach wurden sie gebeten, zu ihrem normalen Rhythmus zurückzukehren. Schlaf und Aktivität wurden während dieser Phasen mit einem Tracker am Handgelenk gemessen. Gleichzeitig überwachten die Forschenden das Gewicht, die Körperzusammensetzung und Hormone wie Leptin und Ghrelin, die den Appetit hemmen oder steigern können.
Sechs Wochen Schlafentzug, ein halbes Kilo mehr auf der WaageAllein in den sechs Wochen des Experiments konnten die Forschenden bei den Testpersonen eine Gewichtszunahme von knapp unter einem halben Kilogramm messen. Das sei an sich nicht viel, sagt Ernährungsmediziner Faris Zuraikat, der Erstautor der Studie. Man müsse aber sehen, dass die Zunahme innerhalb von lediglich sechs Wochen passiert sei. Auf ein gesamtes Jahr gerechnet, könne der Schlafmangel zu einer erheblichen Gewichtszunahme beitragen.
Obwohl die Menschen in den Wochen mit verkürztem Schlaf länger wach waren, waren sie weniger aktiv als zuvor. Die Ruhezeit erhöhte sich um durchschnittlich 17 Minuten pro Tag. Auch das könne zu einem erhöhten Risiko für chronische Krankheiten beitragen, so die Studienautoren: "All unsere Befunde legen nahe, dass zu wenig Schlaf das Risiko für Übergewicht und damit verbundene Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Herzprobleme steigert." In einem nächsten Schritt möchten die Forschenden untersuchen, ob sich die Gesundheit von Menschen, die aktuell nicht ausreichend schlafen, verbessert, wenn sie ihre Schlafmenge erhöhen.
Der Untersuchungszeitraum der aktuellen Studie ist mit sechs Wochen vergleichsweise kurz, weil Übergewicht häufig über viele Jahre entsteht. Aber die Befunde verstetigen, was auch andere Studien schon nahelegen: Ausreichend guter Schlaf ist für den menschlichen Körper nicht "nice to have", sondern ein relevanter Gesundheitsfaktor, der nicht unterschätzt werden sollte.
Biologisches Alter
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