Drama zum Abschluss nach Start in Gold: Der Abbruch des Super Teams kostet dem deutschen „Super Team“ die Bronzemedaille. Ein Happy End bleibt Andreas Wellinger deshalb verwehrt.
Philipp Raimund (l.) und Andreas Wellinger (r.) kamen nicht in die Top-drei.
Foto: Daniel Karmann/dpa/Daniel KarmannVal die Fiemme · Drama zum Abschluss nach Start in Gold: Der Abbruch des Super Teams kostet dem deutschen „Super Team“ die Bronzemedaille. Ein Happy End bleibt Andreas Wellinger deshalb verwehrt.
Philipp Raimund und Andreas Wellinger standen Arm in Arm im Schneetreiben, in ihren Gesichtern stand Frust und schiere Enttäuschung. „Das ist einfach beschissen“, sagte Wellinger, nachdem der Abbruch des olympischen Super-Team-Wettbewerbs das deutsche Duo die Bronzemedaille gekostet hatte. Weil Raimund letzter Traumflug nicht mehr gewertet wurde, fehlte die Winzigkeit von 16 Zentimetern zur Medaille.
„Ich weiß nicht, ob die Jury nicht noch hätte warten können“, sagte Olympiasieger Raimund, dessen zunächst märchenhafte Winterspiele mit einem schalen Beigeschmack endeten. Nach Platz vier war es das schlechtes deutsche Olympia-Abschneiden seit 16 Jahren.
Raimund hatte kurz vor dem Abbruch einen unglaublichen Satz hingelegt und Deutschland damit wieder alle Chancen auf die verloren geglaubte Medaille. Doch dann wurde der Schneefall immer stärker. Und die Entscheider um Renndirektor Sandro Pertile senkten den Daumen.
Starker Raimund
Der Stand nach zwei von drei Durchgängen gewertet. Somit siegte das bis dahin bei Olympia so enttäuschende Österreich mit Jan Hörl und Stephan Embacher vor Polen (Pawel Wasek/Kacper Tomasiak) und Norwegen (Johan Andre Forfang/Kristoffer Eriksen Sundal).
Bei der Premiere des Zweier-Mannschaftsspringen am Montagabend zeigte Raimund mit gewerteten Sprüngen auf 137,0 und 137,5 m eine starke Leistung. Sein Traumflug im Finale kurz vor dem Abbruch, der wohl Bronze bedeutet hätte, wurde nicht mehr gewertet. Der zweimalige Olympiasieger Wellinger fiel mit 127,5, 123,5 und nicht mehr gewerteten 130,0 m deutlich ab.
Wellingers erster Sprung hatte nur zu Platz sechs von 17 Teams gereicht – Schlusslicht unter den Medaillenanwärtern. Raimund brachte Deutschland aber zurück auf Platz vier und in Podestnähe, war Stärkster in seiner Runde. Durchgang zwei brachte dasselbe Spiel: Wellinger verlor deutlich, diesmal auch wegen Windpech. Raimund hielt den Medaillentraum am Leben.
Wellinger ohne Happy End
Wellingers dritter mäßiger Sprung bedeutete dann fast das Ende aller Hoffnungen, auf dem Trainerturm begrub der scheidende Bundestrainer Stefan Horngacher das Gesicht in seinem Armen. Das folgende Drama konnte er da noch nicht absehen.
Auch ohne zweite Medaille fährt Raimund als großer Gewinner aus Norditalien nach Hause. „Olympiasieger - das wird noch einige Zeit brauchen, bis das wirklich bei mir durchgesickert ist“, sagte er. Letztlich war er aber zu sehr der Alleinunterhalter, der immerhin einen deutschen „Salto nullo“ verhinderte. Letztmals gab es vor 16 Jahren in Vancouver lediglich eine Medaille, damals wurden allerdings nur drei statt wie heute sechs Wettkämpfe im Skispringen ausgetragen.
Für Wellinger fand eine lange Zeit fürchterliche Saison nicht das unerwartete Happy End. Wochenlang war der Ruhpoldinger vergeblich auf der Suche nach seiner Normalform gewesen, hatte sich aus dem Weltcup zurückgezogen und war zuletzt bei der Flug-WM nur Zuschauer. In Predazzo schnappte er dann aber dem viele Wochen lang unantastbaren Felix Hoffmann den Platz im Super Team weg. Zur seiner fünften Medaille bei Winterspielen, mit der er Rekordhalter Matti Nykänen gleichgezogen wäre, reichte es aber nicht.