Viele Rentner wohnen in zu großen Häusern. Eine US-Steueridee zeigt, wie Entlastung Bewegung in den Wohnungsmarkt bringen könnte.
Viele Rentner leben allein in großen Häusern, während Familien verzweifelt Wohnraum suchen. Eine neue US-Steueridee soll genau diese Blockade lösen – und ist auch für Deutschland spannend.
Ein neuer Gesetzentwurf in den USA zeigt, wie stark Steuerregeln den Wohnungsmarkt blockieren können. Wie „Kiplinger“, ein amerikanischer Herausgeber von Geschäftsprognosen und persönlicher Finanzberatung, berichtet, will die republikanische Abgeordnete Nicole Malliotakis Hausbesitzer ab 65 Jahren entlasten: Wer sein lange gehaltenes Eigenheim verkauft, soll bis zu eine Million Dollar Gewinn steuerfrei stellen können.
Das Wichtigste in Kürze:
Das Besondere an der US-Idee ist ihre direkte Entlastungslogik. Die Politik will nicht nur Steuern senken, sondern einen Umzugshinderungsgrund beseitigen.
Viele ältere Menschen sitzen auf hohen Immobiliengewinnen, weil ihre Häuser über Jahrzehnte stark im Wert gestiegen sind. Verkaufen sie, droht in den USA oberhalb der Freibeträge eine Steuerlast. Genau diese Schwelle soll fallen.
In Deutschland ist die Lage anders. Nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz sind Gewinne aus privaten Immobilienverkäufen grundsätzlich nur innerhalb der Zehnjahresfrist relevant. Selbstgenutzte Immobilien sind zudem ausgenommen, wenn sie durchgehend selbst bewohnt wurden oder im Verkaufsjahr und in den beiden Vorjahren eigenen Wohnzwecken dienten.
Trotzdem trifft der Gedanke auch in Deutschland einen Nerv. Denn ältere Eigentümer bleiben auch hier oft in zu großen Häusern wohnen. Nicht wegen einer vergleichbaren Kapitalgewinnsteuer, sondern wegen anderer Hürden: hohe Kaufpreise, knappe kleinere Wohnungen, Umzugskosten, emotionale Bindung zur Nachbarschaft und Kaufnebenkosten beim Erwerb einer neuen Immobilie.
Befürworter des US-Plans hoffen deshalb auf einen doppelten Effekt. Senioren könnten leichter näher zur Familie, in kleinere Wohnungen oder in betreutes Wohnen ziehen.
Gleichzeitig kämen größere Häuser auf den Markt. Das ist auch in Deutschland ein bekanntes Problem: Viele Familien suchen Platz, während ältere Eigentümer häufig viel Wohnfläche allein nutzen.
Kritiker sehen die Entlastung skeptisch, weil sie erst bei sehr hohen Verkaufsgewinnen greift. Wer unter den heutigen Freibeträgen bleibt, hätte kaum etwas davon. Profitieren würden daher vor allem ältere Eigentümer in teuren Regionen, deren Immobilien über Jahrzehnte stark im Wert gestiegen sind.
Der Entwurf liegt noch im Ausschuss. Aber die Idee bleibt bemerkenswert: Die USA testen eine steuerliche Entlastung als Wohnungsmarkt-Hebel. Für Deutschland zeigt der Vorschlag vor allem etwas anderes: Hier scheitert der Umzug älterer Eigentümer meist nicht an Steuern, sondern an fehlenden bezahlbaren, kleineren Alternativen