Vom Billig-Mekka zum Luxus-Pflaster: Während die Besucherzahlen dramatisch einbrechen, herrscht in Las Vegas nackte Gier. Ein Aperol Spritz für 24 Dollar und der Bagel für 33 verdrängen den Massentourismus.
Vom Billig-Mekka zum Luxus-Pflaster: Während die Besucherzahlen dramatisch einbrechen, herrscht in Las Vegas nackte Gier. Ein Aperol Spritz für 24 Dollar und der Bagel für 33 verdrängen den Massentourismus.
Ein vom Tourismusverband von Las Vegas vorgelegter Bericht zeigt: 2025 verzeichnete die US-Stadt zwölf aufeinanderfolgende Monate rückläufige Besucherzahlen. Der Gesamtrückgang: 7,5 Prozent. Im Dezember kamen 9,2 Prozent weniger Gäste als im Vorjahresmonat.
Auch am Flughafen von Las Vegas ist deutlich weniger los als noch 2024. Seit US-Präsident Donald Trump vergangenen Frühling vielen Ländern Zölle auferlegte, gingen internationale Flüge um 7,4 Prozent zurück, wobei kanadische Airlines 22 bis 28 Prozent ihrer Flüge strichen. Aber auch Inlandsflüge sanken um 6 Prozent.
Las Vegas beendete das Jahr 2025 mit einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent – eine der höchsten von allen US-Metropolregionen. „Sie haben mein Restaurant wochentags mittags geschlossen und viele Mitarbeiter entlassen. Wir arbeiten mit minimaler Besetzung“, bestätigt eine Bedienung aus Las Vegas auf der Plattform Reddit.
„Unsere Lage ist super, aber die Umsätze sind miserabel. Die Schichten sind nur noch 6 statt 8 Stunden. Die ausgelassene Stimmung von Las Vegas ist verflogen. Sogar an den Wochenenden spürt man, dass etwas fehlt. Es ist einfach nur frustrierend.“
Als Gründe für die Krise nennen Tourismus-Experten die verhaltene Konsumstimmung im Land und Inflationssorgen unter US-Amerikanern – sowie „die anhaltenden Bedenken ausländischer Reisender“. Laut Steve Hill, dem Präsidenten des Tourismusverbands, „haben einige Entscheidungen unserer Regierung im Bereich der internationalen Beziehungen zu einem Tourismusrückgang geführt.“
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Trotz der sinkenden Nachfragen erhöhen Hotels und Casinos ihre Preise – im Gegensatz zu den Pandemiezeiten und 2008, als die Preise in Las Vegas purzelten. Laut dem Finanzdatenanbieter MorningStar stiegen die Durchschnittspreise für Hotels am Las Vegas Strip von 2015 bis 2025 um 70 Prozent.
Aktuell kostet eine Nacht im Schnitt 234 Dollar. Dazu kommen die obligatorischen Resortgebühren – je nach Hotel weitere 45 bis 62 Dollar pro Nacht. Aus vermeintlichen Schnäppchen werden dadurch oft unerwartet hohe Preise. Schockierte Gäste bemerken die Aufschläge häufig erst beim Auschecken.
Früher war Las Vegas für günstige Steaks, preiswerte All-You-Can-Eat-Buffets und billige Hotelzimmer ebenso bekannt wie für seine Casinos und Unterhaltungsshows. Diese Zeiten sind vorbei. Heute kann eine Flasche Wasser aus der Minibar 26 Dollar kosten (im Aria Hotel) oder ein Bagel mit Kaffee 33 Dollar (im Fontainebleau Hotel). Frühes Einchecken kostet 60 Dollar extra (im Flamingo Hotel) und manche Luxushotels wie das MGM Resort verlangen bei Zimmerservice-Bestellungen 25 Dollar Zusatzgebühren für das Essbesteck.
Statt der einstigen 19-Dollar-All-Day-Buffets kosten gehobene Lobster-und Steak-Buffets jetzt 100 Dollar pro Person. „Die günstigen Buffets sind leider fast alle weg. Das ist sehr schade, denn auch wir Einwohner haben dort gern und oft gegessen“, bestätigt Aspen Lawrence gegenüber FOCUS online. Weiter berichtet die 27-Jährige aus Las Vegas: „Und überall schließen Casinos, große und kleine. Sogar das berühmte Tropicana wurde abgerissen.“
Das alles ist Teil einer Strategie. Viele Casinos werden demoliert oder umfassend modernisiert, weil ältere Casinos der mittleren Preisklasse als weniger profitabel gelten. Ein luxuriöseres Image soll zahlungskräftigere Besucher anlocken. Mit der Fokussierung auf eventorientierte VIP-Erlebnisse sollen etwa Formel-1-Fans Vorrang vor regulären Touristen haben.
Seit 2023 findet der Formel-1-Grand-Prix von Las Vegas jährlich statt. Die Investitionen für den Stadtkurs betrugen 600 Millionen Dollar. Im gleichen Jahr wurde auch die Konzertarena „Sphere“ eröffnet. Der Bau dieses größten kugelförmigen Gebäudes der Welt mit 18.600 Sitzplätzen kostete 2,3 Milliarden.
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Tickets in der „Sphere“ überschreiten regelmäßig die 1000-Dollar-Marke. Denise Apland aus Washington zahlte im Herbst 500 Dollar für ein Eagles-Konzert in der beeindruckenden Unterhaltungsarena. „Die Show war unvergesslich. Für mich war es definitiv den Preis wert“, sagt sie zu FOCUS online.
Doch vieles andere sei völlig überteuert, findet ihre Freundin Jen Baker: „Bei einem Aperol Spritz für 24 Dollar oder 45-Dollar-Gerichten in ganz einfachen Restaurants hört der Spaß für mich auf. Dazu kommen ja auch immer noch die Steuern und das Trinkgeld. Und sogar Starbucks-Kaffee ist hier teurer.“
Die Kalifornierin kommt häufig geschäftlich nach Las Vegas – dreimal im vergangenen Jahr. „Wenn die Firma alles bezahlt, ist es das Eine. Aber privat würde ich nicht mehr hierherkommen. Man fühlt sich einfach abgezockt.“