An einem Strand in Italien kostet die Liege nur vier Euro. Der Betreiber erklärt, warum er trotz steigender Preise im Land an seinem Konzept festhält.
An einem Strand in Italien kostet die Liege nur vier Euro. Der Betreiber erklärt, warum er trotz steigender Preise im Land an seinem Konzept festhält.
Am Strandbad Bagno 16 im italienischen Badeort Riccione an der Adriaküste sorgt ein ungewöhnliches Preismodell für Aufmerksamkeit. Betreiber Guerrino Ricci vermietet eine Liege für vier Euro und stellt Sonnenschirme kostenlos zur Verfügung. Der 87-Jährige führt den Strandbetrieb bereits seit 1974 und begründet seine Preisgestaltung mit seiner langjährigen Verbundenheit zu den Gästen, berichtet die italienische Zeitung „Il Resto del Carlino“.
Der günstige Preis von Guerrino habe in Italien eine landesweite Debatte ausgelöst. Dem 87-Jährigen sei das bewusst. „Aber für ein bisschen Schatten darf man keine überhöhten Preise verlangen, wie es zum Teil auch in der Toskana geschieht“, sagt er gegenüber „Il Resto del Carlino“.
Künftig sollen viele Strandabschnitte in Italien öffentlich neu vergeben werden. Dadurch können sich auch andere Interessenten um die Nutzungsrechte bewerben. Guerrino fürchtet deshalb, seinen Strand nach mehr als 50 Jahren an einen anderen Betreiber zu verlieren. Wichtiger sei ihm dennoch, dass seine Gäste Bagno 16 in guter Erinnerung behalten. „Entscheidend sind Sonne, Sand und Meer“, betont Guerrino.
Als Guerrino den Strand übernahm, verbrachten viele Urlauber aus dem Ausland ihre Zeit in Riccione. Zahlreiche Gäste übernachteten auf den Campingplätzen der Umgebung. Heute besuchen dagegen kaum noch ausländische Touristen den Strand. „Im Moment habe ich nur noch eine deutsche Stammkundin, Haidy aus Frankfurt. Sie kommt seit unserer Eröffnung vor mehr als 50 Jahren“, erzählt Guerrino.
Mittlerweile empfängt er vor allem Gäste aus der Umgebung. Viele von ihnen sind ältere Menschen, die für den Strandbesuch kilometerweit anreisen und bereits erhebliche Kosten für den Kraftstoff aufbringen. Deshalb könne der Betreiber keine 20 Euro oder mehr für eine Liege verlangen. „So ist es richtig. Ich mache das inzwischen mehr aus Leidenschaft als wegen des Geldes“, so der 87-Jährige.
Die Preise für Strandliegen und Sonnenschirme in Italien steigen 2026 weiter an. Wie das italienische Wirtschafts- und Nachrichtenportal „PMI“ berichtet, sind die Kosten im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 6 Prozent gestiegen, innerhalb von fünf Jahren sogar um 24 Prozent.
Je nach Lage des Platzes am Strand unterscheiden sich die Preise deutlich. Für einen Sonnenschirm mit zwei Liegen müssen Urlauber in der ersten Reihe im Durchschnitt rund 238 Euro pro Woche zahlen. Mit zunehmender Entfernung zum Meer sinken die Kosten leicht: In der zweiten Reihe sind es etwa 229 Euro, ab der vierten Reihe durchschnittlich noch 210 Euro.
Grund für die steigenden Kosten seien laut „PMI“ nicht nur die Lage am Strand. Der Urlaubsort, die enthaltenen Leistungen, die Größe des Strandbetriebs, die Ausstattung und der gewählte Zeitraum haben ebenfalls einen Einfluss auf die Preise.