Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Personalmangel bei Ausflugsdampfern: Reedereien fehlt der Nachwuchs

Дата публикации: 24-05-2026 09:14:00

Ausflugsboote haben in Berlin eine lange Tradition. Aber das Geschäft wird immer schwieriger - nicht, weil keine Kundschaft kommt, sondern weil die Arbeitskräfte fehlen. Die Gründe sind vielfältig, die Folgen könnten vor allem für kleinere Reedereien dramatisch sein.


Основное содержимое страницы с новостью.

Reedereien fehlt der Nachwuchs Ein Unternehmen steuert auf die Rente zu

Kaffeetasse, Aschenbecher und Feuerzeug auf der Fensterbank im Führerhäuschen des Schiffs "Donau" (Quelle: rbb/Simon Wenzel)
Kaffeetasse, Aschenbecher und Feuerzeug auf der Fensterbank im Führerhäuschen des Schiffs "Donau" (Quelle: rbb/Simon Wenzel)

12 Uhr Mittags, die "Donau" legt in Erkner an. Ein kurzer Stopp nur: Schiffer Ralph Kötz muss das Tau am Poller neben dem kleinen Steg kaum richtig festziehen, dann kann er es schon wieder einholen und die Fahrt geht weiter Richtung Müggelsee. Hier steigt heute nur ein Passagier zu. "Na, dann mal rein", sagt Kötz und folgt selbst schnell von der kleinen Außenplattform zurück ins Schiff.

"Ich bin auf dem Wasser groß geworden", sagt Kötz. Sein Vater und der Opa seien schon Schiffer gewesen. Er selbst habe erstmal etwas anderes gelernt, "aber das Wasser lässt einen nicht mehr los". Seit über 20 Jahren schon arbeitet Kötz für die Reederei Kutzker, damit gehöre er "quasi zum Inventar", sagt er 58-Jährige.

An Bord schnappt er sich jetzt ein Mikrofon und macht eine Durchsage an die Fahrgäste. Es geht Richtung Müggelsee, eines der Highlights dieser Tour. Rund 40 Passagiere sind an Bord.

Schiffer Ralph Kötz hält ein Mikro in der Hand und macht Durchsagen für die Gäste. (Quelle: rbb/Simon Wenzel) Schiffer Ralph Kötz hält ein Mikro in der Hand und macht Durchsagen für die Gäste. (Quelle: rbb/Simon Wenzel)

Bei Regen und Wind "gibste Geld dazu"

Kötz' Arbeitgeber, die Reederei Kutzker, ist eine der ältesten in der Gegend. Über 115 Jahre schon fahren Ausflugsdampfer und Linienschiffe der Kutzkers über die hiesigen Seen und Flüsse - mal mehr, mal weniger. Derzeit haben die Kutzkers fünf Schiffe, die auf unterschiedlichen Linien oder als Charterfahrten im östlichen Berliner Umland verkehren und bis in die Stadt nach Köpenick fahren.

Heute sitzt der Chef mal selbst im Führerhäuschen. Michael Kutzker, 55 Jahre alt, Typ Seebär, steuert die "Donau" seelenruhig auf den größten See Berlins. Auf der Fensterbank steht seine Kaffeetasse, der "Kapitäns Pott", und ein Aschenbecher. Gelegentlich zündet Kutzker sich während des Gesprächs eine Zigarette an.

Die Saison hat schleppend begonnen. Das Wetter... Auch heute ist auf dem Deck hinter Kutzker wenig los, die meisten Gäste sitzen unten im Speisesaal, vertrieben von den dunklen Wolken am Himmel, die kurz hinter Erkner aufgezogen sind. An Frühlings- und Herbsttagen mit Wind und Regen "gibste eben Geld dazu", sagt Kapitän Kutzker mit Berliner Akzent und zuckt mit den Schultern. Sommertage oder sonnige Feiertage wie das Pfingstwochenende lassen dafür die Kasse klingeln, das Geschäft mit Ausflugsdampfern war und ist Saisonarbeit und eine Mischkalkulation. Noch geht sie auf, trotz steigender Ölpreise.

»

Es ist ein aussterbendes Gewerbe.

«

Michael Kutzker, Reeder aus Grünheide

"Es ist nicht so, dass das Geschäft nicht funktioniert", sagt Kutzker. Trotzdem ist sein Blick in die Zukunft sehr trübe, das kann man ohne Übertreibung so festhalten. "Es ist ein aussterbendes Gewerbe", sagt Kutzker.

Die Reederei hat Personalmangel: "Es gibt kaum noch Schiffsführer, keine Bootsleute und keine Kellner", sagt Kutzker und meint vor allem: keine jungen. Drei Schiffsführer habe er, der jüngste sei "Baujahr '67", so Kutzker. Er selbst ist Baujahr 1970. "Wenn ich fünf Schiffe habe und meine drei Schiffsführer gehen in den nächsten Jahren in Rente und ich weiß, es kommt auch keiner mehr nach: Über was soll ich da nachdenken?", fragt er und antwortet sich selbst: "Es ist doch abzusehen, dass Ende ist. Is' eben so."

Die Binnenschifffahrt leidet unter Überalterung und Kutzkers Unternehmen ist ein Beispiel, zu was das führen kann.

Kapitän und Reeder Michael Kutzker am Steuer (Quelle: rbb/Simon Wenzel) Kapitän und Reeder Michael Kutzker am Steuer (Quelle: rbb/Simon Wenzel)

Nachwuchsmangel in der Binnenschifffahrt

Auszubildende zu finden, sei kaum noch möglich, sagt Kutzker. Vor sieben oder acht Jahren hätten sie letztmals einen gehabt. Geblieben ist er nicht. "Am Wochenende wollen heutzutage weniger Leute arbeiten. Das ist ein Hauptproblem, denn am Wochenende ist's wichtig", sagt Kutzker. "Und dann auch noch im Sommer keinen Urlaub - das funktioniert heute nicht mehr." Zumindest nicht hier und nicht für das Gehalt, was auf einem Ausflugsdampfer im Berliner Umland gezahlt wird.

Die ganze Branche Binnenschifffahrt leidet bundesweit unter einem Fachkräftemangel, egal ob Fracht- oder Personenverkehr. Der Hauptgrund liegt in einer Überalterung, wie der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt auf Anfrage schreibt.

Das Problem ist bekannt. Das Bundesverkehrsministerium hat deshalb im vergangenen Jahr ein Förderprogramm gestartet. Mit Förderungen für Aus- und Weiterbildungen soll die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht und damit die Zukunft der Branche gesichert werden, denn die deutsche Binnenschifffahrt steuert auf einen Notstand zu: In der Begründung der Richtlinie heißt es, Ende 2023 sei mehr als ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Schiffsführer in Deutschland über 55 Jahre alt gewesen. Tendenz steigend - das zumindest legen Zahlen des Bundesamts für Mobilität zur Frachtschifffahrt nahe.

Weniger als 400 Azubis in ganz Deutschland

Es gibt sie aber noch, die Auszubildenden in der Binnenschifffahrt. Rund 360 waren es 2024, wie Daten des Bundesverbands der Binnenschifffahrt zeigen. Die Zahlen nähern sich inzwischen wieder dem Vor-Corona-Niveau an. Allerdings machen wegen geringer Anmeldungen während der Pandemie derzeit nur etwa 70 Azubis pro Jahr ihren Abschluss. Deutschlandweit.

Ausgebildet werden sie an zwei Schulen: in Duisburg und in Schönebeck in der Nähe von Magdeburg. Wer aus Berlin und Brandenburg kommt und sich zum Binnenschiffer oder -Kapitän ausbilden lassen will, kann das zwar dual in einer Berliner Reederei machen, muss aber zumindest zeitweise für die Schule in eine andere Stadt. Da machen viele die Ausbildung lieber gleich komplett in Betrieben vor Ort - vor allem im Westen.

Laut Udo Joosten vom Berufskolleg Rhein in Duisburg, das den Großteil der Azubis ausbildet, sind viele der Ausbildungsbetriebe und der potenziellen späteren Arbeitgeber eher im Westen Deutschlands angesiedelt, denn der ist im Bereich der Schifffahrt reicher als der Osten.

Fahrgäste an Deck des Ausflugsdampfers (Quelle: rbb/Simon Wenzel) Fahrgäste an Deck des Ausflugsdampfers (Quelle: rbb/Simon Wenzel)

"Das Gehaltsniveau im Westen ist viel höher"

Auch das ist ein Grund, wieso Michael Kutzker resigniert zu haben scheint. Tenor: Mit dem, was Reedereien im Westen, die Rhein-Kreuzfahrten und ähnliches anbieten, zahlen würden, könne er mit seinen Ausflugsdampfern ohnehin nicht mithalten. "Wenn sich doch mal jemand hier in der Gegend Nachwuchs ausbildet, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der danach verschwindet", sagt Kutzker.

Das mag verbittert klingten, scheint aber deutlich mehr als eine gefühlte Wahrheit zu sein. "Das Gehaltsniveau im Westen ist viel höher", sagt auch der Duisburger Bildungsgangleiter Udo Joosten. Er schätzt, man könne als Berufseinsteiger im Westen fast doppelt so viel wie im Osten verdienen.

Die Jobs auf Berliner Gewässern sind kaum attraktiv

Genau beziffern lässt sich der Unterschied und das regionale Durchschnittsgehalt nicht. Tarifverträge gibt es nicht. Den Unternehmen sei somit selbst überlassen, ihre Gehälter festzulegen, teilt der Bundesverband für Binnenschifffahrt auf Anfrage mit. Das durchschnittliche Gehalt eines Schiffsführers liege bei rund 4.200 Euro brutto. "In der freien Wirtschaft vernehmen wir allerdings teilweise deutlich höhere Gehälter, ohne dass wir hier zwischen Ost / und West unterscheiden können", heißt es. Zulagen sind in diesem Durchschnittsgehalt noch nicht enthalten.

Udo Joosten führt weitere Gründe an, was die Reedereien im Westen attraktiver macht, als ihre Konkurrenz im Osten Deutschlands: So gebe es in Berlin und Umland kaum Frachtschiffe, erst recht keine großen und auch nur wenige Kabinenschiffe, also große Flußkreuzfahrer wie auf dem Rhein. Auf solchen Schiffen zu arbeiten sei aus vielen Gründen spannender für junge Binnenschiffer: Sie reisen weiter, sehen mehr vom Land oder ganz Europa und verdienen dabei auch noch deutlich mehr Geld, beispielsweise wenn sie zwei Wochen durchgehend auf dem Wasser sind und anschließend zwei Wochen frei haben. Einige dieser Reedereien hätten ihren Sitz inzwischen sogar in Luxemburg, das biete steuerliche Vorteile, so Joosten.

"Da ist es dann auch relativ egal, wo ich wohne. Wir haben auch Leute, die wohnen in Stralsund oder so, kommen dann nach Rotterdam, machen zwei Wochen ihre Schicht und fahren dann zwei Wochen wieder in ihre Heimat", sagt Joosten. Die großen Reedereien hätten da Systeme entwickelt, um Nachwuchs an Land zu ziehen.

Passagiere sitzen im Schiffsinneren mit Getränken. (Quelle: rbb/Simon Wenzel) Passagiere sitzen im Schiffsinneren mit Getränken. (Quelle: rbb/Simon Wenzel)

Stern und Kreis investiert in Ausbildung

Die größte Berliner Reederei, Stern und Kreis, bildet noch aus. Selbst für den regionalen Branchenriesen, der eine Flotte von über 20 Schiffen hat und die meisten relevanten Anleger im Berliner Stadtgebiet betreibt, stellt das aber eine Herausforderung dar. In den letzten zwei Jahren habe man den Bereich Ausbildung im Unternehmen massiv ausgebaut, teilt Stern und Kreis auf Anfrage mit. Man habe einen hauptamtlichen Ausbilder im Betrieb, schalte Werbung in Social Media, gehe an Schulen und arbeite mit der Agentur für Arbeit zusammen. Inzwischen gebe es wieder zwölf Auszubildende für die Schifffahrt im Betrieb.

Ein solcher Aufwand ist für Familienbetriebe wie den von Michael Kutzker kaum möglich. Das bestätigt auch der Vorsitzende des Berliner Reederverbands, Ingo Gersbeck. Wenn das Personal in kleineren Familienbetrieben gerade noch für den Betrieb der Schiffe ausreiche, wer solle da noch als Ausbilder fungieren? Die Azubis könnten ja auch nicht sofort als volle Arbeitskräfte eingeplant werden.

Kein Nachwuchs? "Unverständlich für Schiffer Ralph Kötz

Michael Kutzker bleibt deshalb nur, solange weiter zu fahren, wie es eben noch geht. Nach und nach muss er vielleicht auch darüber nachdenken, seine Flotte zu verkleinern. Ob er den Betrieb mitsamt der Schiffe nicht verkaufen könnte? "Versuchen werd' ich's. Aber ist ja auch ein kläglicher Versuch. Wer soll das kaufen? Ein Schiff vielleicht noch, aber die ganze Firma? Kauft sich ja keiner was, was er nicht betreiben kann, weil ihm die Leute fehlen", sagt Kutzker und noch das: "Es gibt ja keine Lösung."

Ralph Kötz findet das "eigentlich unverständlich". Er übernimmt jetzt für ein paar Minuten das Steuer von Kutzker und wirkt auch nach 22 Jahren noch richtig froh darüber. "Das hier auf'm Wasser ist doch eigentlich ein Traumjob", sagt er. "Na klar, auch mal Arbeit und Stress, aber was man dann auch von den Gästen wiederkriegt, wenn die glücklich von Bord gehen, entschädigt", sagt Kötz. Für ihn ist Binnenschiffer auf dem Müggelsee immer noch ein Traumjob: "Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen."

Dann nimmt er das Schiffsmikrofon in die Hand. Die "Donau" fährt gerade auf die Müggelspree und passiert die ehemalige Berliner Bürgerbräu-Brauerei. In 20 Minuten ist sie in Köpenick, von da gehts dann zurück zum Startpunkt nach Grünheide. Insgesamt sieben Stunden dauert eine Fahrt der Linie 2. Die Seniorengruppe unter Deck will die komplett mitnehmen.

Sendung: rbb|24, 23.05.2026, 07:18 Uhr

Audio: rbb|24, 23.05.2026, Roberto Jurkschat im Gespräch mit Simon Wenzel

Mehr bei rbb|24
Der Abbau der Anlagen im ehemaligen KKW Rheinsberg erfolgt durch die bundeseigene EWN (Quelle: dpa/nens Kalaene)
Symbolbild: Ein älterer Mann zieht in Berlin einen Wagen hinter sich her. (Quelle: Picture Alliance/Robert Schlesinger)
Hotel-Roboter im Seehotel Potsdam. (Quelle: rbb)
Der Industriepark Schwarze Pumpe (ISP) im südlichen Brandenburg. (Quelle: Picture Alliance/Patrick Pleul)
Symbolbild: Verkaufsregal einer Bäckerei. (Quelle: Picture Alliance/Thorsten Wagner)
E-Fahrzeuge an der Ladestation. (Quelle: dpa)

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Studie sieht Berliner Clubszene wirtschaftlich unter Druck07.2307-08-2026
2Helmholtzplatz: Hohe Gewerbemieten vertreiben Läden08.3610-05-2026
3Tourismus: Burkhard Kieker von Visit Berlin im Interview08.5527-05-2026
4Warum in Brandenburg immer weniger Erdbeerfelder zu finden sind08.6504-06-2026
5В Санкт-Петербурге возник дефицит рабочей силы из-за оттока мигрантов0023-10-2020
6Die Elefanten der Autobahn: Wie weit sind E-Lkw mittlerweile? 011.829-07-2026
7Organisierte Wirtschaftskriminalität: Gewerbeüberwachung in Berlin: Geringes Risiko für Täter09.0714-07-2026
8Фальков назвал причину дефицита кадров в туризме08.9804-08-2026
9Exklusiv: Weniger Jobangebote für Fachkräfte – vor allem in eigentlich sicheren Jobs08.7731-07-2026
10СМИ: ФРГ может из-за нехватки кадров столкнуться с дефицитом товаров, как в Британии0027-10-2021

Классификация: Арктика. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 8.3. Источник: www.rbb24.de.