Berliner Clubs sind ein Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadt, sie ziehen nicht wenige Touristen an. Doch wirtschaftlich steht die Clubkultur immer mehr unter Druck, heißt es in einer Studie von Clubcommission Berlin und Wirtschaftsverwaltung.
"Clubkultur Berlin 2026" Studie sieht Berliner Clubszene wirtschaftlich unter Druck
Die Berliner Clubszene steht wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Das geht aus einer Studie zur Clubkultur [clubcommission.de] hervor, die die Clubcommission im Auftrag der Senatswirtschaftsverwaltung erstellt hatte und die am Freitag präsentiert wurde.
Mittlerweile könnten demnach nur noch rund 60 Prozent der Betreiber kostendeckend arbeiten, teilte die Berliner Clubcommission am Freitag mit. Vor neun Jahren - als eine ähnliche Studie erstellt worden war - seien es noch knapp 80 Prozent gewesen.
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Studienteilnehmer fordern langfristige Förderstruktur
Fast alle, die an der Befragung teilnahmen, sehen demnach die Existenz vieler Clubs gefährdet, sollte es keine strukturellen Verbesserungen geben. Gefordert wird unter anderem eine langfristige Förderstruktur. Clubs sollten, so die Forderung der Studienteilnehmer, zudem Zugang zu landeseigenen Immobilien erhalten und von Land und Bund als Kulturstätten anerkannt werden.
Laut Studie besitzen nur acht Prozent der Betriebe ihre Spielstätte, 31 Prozent arbeiten mit Miet- oder Pachtverträgen unter fünf Jahren Laufzeit.
71 Prozent der Orte liegen in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln, also dort, wo der Druck auf Flächen und Immobilien besonders hoch ist. 23 Prozent denken darüber nach, ihren Betrieb in den nächsten zwölf Monaten aufzugeben.
Biel: Gewerbemieten für einige Clubs zu hoch
Wirtschaftssekretär Michael Biel (SPD) sagte am Freitag gegenüber dem rbb24 Inforadio, dass für einige Berliner Clubs die Gewerbemieten zu teuer geworden seien - diese zu regulieren, dafür "muss der Bund endlich sorgen", so Biel. Zudem könne man den sogenannten Schallschutzfonds ausbauen. Dies ist ein Förderprogramm des Landes Berlin und bezuschusst bauliche und technische Lärmschutzmaßnahmen in Musikclubs und Live-Musikspielstätten. Damit sollen Lärm- und Nachbarschaftskonflikte vermieden werden. Auch eine "echte Spielstättenförderung" sieht der Politiker als einen Lösungsbaustein. Ähnlich wie bei Theatern und Oper unterstützt das Land Berlin dabei eine Kulturinstitution finanziell.
Auch Kai Sachse, Geschäftsführer der Clubcommission Berlin und Projektleiter der Studie, sieht bei der Gewerbemiete einen wichtigen Hebel. Diese hätten in Berlin "massiv zugenommen", sie sollten seiner Ansicht nach politisch stärker gesteuert werden, so Sachse am Freitag im rbb24 Inforadio. "Sonst erleben wir eine krasse Kommerzialisierung der Clubkultur, dass es dann quasi wirklich extrem teure Tickets braucht, um dann eine extrem teure Miete reinzuholen."
Berliner Clubbesucher trinken weniger
Von einem Clubsterben könne man aber nicht sprechen, heißt es in der Studie. Die Nachfrage sei demnach ungebrochen, die Tanzflächen seien voll und die Berliner Clubkultur sei auch weiter ein wichtiger Grund, warum Jüngere die Stadt besuchten oder in die Hauptstadt zögen.
Allerdings plane das Publikum den Club-Abend heutzutage bewusster, bleibe kürzer und konsumiere weniger Alkohol, so die Auswertung. Mit dem gesunkenen Getränkeverkauf sei ein wichtiges Standbein angeschlagen, das den Kulturbetrieb früher mitfinanziert habe. Außerdem sei die Kaufkraft der Clubbesucher teils gesunken, so der Vergleich mit einer Club-Studie aus dem Jahr 2017.
Druck verändert Berliner Clubszene
Die Berliner Clubs arbeiteten wirtschaftlich teilweise unterschiedlich, so Clubcommission-Geschäftsführer Sachse gegenüber dem rbb|24 Inforadio. "Wir wünschen uns, dass nicht noch zusätzliche Belastungen, die politisch steuerbar sind, hinzukommen." Konkret nennt er Belastungen durch die Grundsteuerreform sowie eine mögliche Erhöhung der Alkoholsteuer.
Die Berliner Clubszene sei unter Tranformationsdruck, hieß es in der Studie weiter. Die Situation sei dynamisch - so haben seit 2020 nach Kenntnis der Clubcommission mindestens 24 Club- und Kulturstandorte geschlossen, zugleich seien rund 25 neue entstanden.
Für die Studie wurden laut Clubcomission unter anderem Akteure von Clubs, freien Kollektiven und weitere Veranstalter wie Musikbars befragt. Eine externe Firma führte im März und April Befragungen durch. Herausgegeben wurde die Studie von der Clubcommission Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
Sendung: rbb24 Abendschau, 07.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 07.08.2026, Nural Akbayir
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