Das letzte Saisonkonzert geben die Berliner Philharmoniker traditionell in der Waldbühne. Auch die Hitze ändert daran nichts. Immerhin: Die Kleiderordnung der Musiker wurde gelockert. Rund 22.000 Besucher trotzten der Hitze.
Konzert Philharmoniker in der Waldbühne Abschlusskonzert bei Rekordhitze
Von Silke Mehring
Zum Saisonabschluss in die Waldbühne – das ist bei den Berliner Philharmonikern gute Tradition. Am Samstagabend war es wieder so weit, aber dieses Mal war das begehrte Event besonders herausfordernd für die Musiker um Dirigent Kirill Petrenko, Startenor Jonas Kaufmann und das Publikum: Denn so heiß war es noch nie beim großen Open-Air-Konzert des Spitzenorchesters in der Waldbühne.
Fächer-Dichte größer als in der Arena von Verona
"Viva Italia!" – das Motto könnte passender kaum sein. Die mediterranen Temperaturen sind schon da, lange bevor der italienische Abend in die Waldbühne einzieht. Aber Hitze hin oder her: Das große Picknick-Ereignis will sich keiner entgehen lassen. Ränge und Innenraum sind dicht gefüllt mit Menschen in luftig-bunter Sommerkleidung. Und egal wo hin man schaut: Überall wedelt es durch die Reihen – man könnte meinen, die Fächer-Dichte ist größer als in der Arena von Verona. Aber die stehende Luft ist auch ähnlich schwül, und sie ein zügig hin und her zu bewegen, fühlt sich gleich ein bisschen frischer an.
Berliner Philharmoniker spielen in der Waldbühne, 2026 (Quelle: IMAGO / Berlinfoto)
Als ob der Trevi-Brunnen plätschert
Vorsorglich wurde die Kleiderordnung für die Berliner Philharmoniker im Vorfeld gelockert: Jetzt stehen sie zwar ohne Frack auf der Bühne, aber doch in langer schwarzer Kleidung, was nicht gerade nach Vergnügen aussieht bei 36 Grad. Doch sie sind alle Profis, und die bewahren Contenance, auch wenn ihre Gesichter vor Schweiß glänzen. Unter der Leitung von Chefdirigent Kirill Petrenko spielt das Orchester Werke wie die Ouvertüre von Verdis Oper "La forza del destino" und Respighis "Fontane di Roma", die "Römischen Brunnen". Inbrünstig, gewaltig, und doch leichtfüßig. Man meint gar, den Trevi-Brunnen plätschern zu hören, aber vielleicht ist es auch nur der sehnliche Wunsch nach Abkühlung.
Abendstimmung: Publikum schaut auf Waldbühne mit Berliner Philharmonikern, (Quelle: rbb/picture alliance/dpa|Jörg Carstensen)
Tenor Jonas Kaufmann bewegt zu Tränen
Wer noch nicht zerflossen ist, schmilzt spätestens bei der warmen Stimme von Jonas Kaufmann. Ob seines dunklen Timbres und seiner kraftvollen Ausstrahlung wischen sich einige Damen verzückt-berührt ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Der deutsch-österreichische Startenor erweckt mit samtiger Stimme Arien von Ruggero Leoncavallo, Umberto Giordano und Francesco Cilèa zum Leben. Große Gefühle, verpackt in große Musik. Dirigent Petrenko lächelt beseelt. Seine Musiker brillieren in feinstem Zusammenspiel.
Picknick-Atmosphäre wie am Strand
Die Klassik-Liebhaber im Innenraum der Waldbühne machen sich besonders locker: Schuhe aus, Kissen unter den Kopf, lang ausgestreckt, Blick in den Himmel. So genießen viele die italienischen Klänge an ihrem lauschigen Plätzchen vor der Bühne, fast so gechillt wie am Strand, auf Badetüchern und dünnen Decken. Aber auch in den Rängen haben es sich die Open-Air-Konzert-Besucher gemütlich gemacht, und vor allem kulinarisch eingedeckt: Aus Picknick-Taschen werden Baguettes, Salzbrezel, Kirschen, Johannisbeeren, Tomaten, Paprika und Sommerrollen hervorgezaubert. Mit viel Wasser trotzt das Publikum der Hitze.
Die "Berliner Luft" kommt beim Rausgehen
Nach einer guten Stunde verfärbt sich der Himmel dunkelrosa und ein Lüftchen kommt auf. Und während das Orchester noch musikalisch von römischen Pinien schwärmt, zuckt plötzlich ein heller Blitz über den Himmel, gefolgt von einem rumpeligen Donnern. Kurz scheint es, als müsste die berühmte Zugabe "Berliner Luft" buchstäblich ins Wasser fallen. Das Publikum wird gebeten, die Waldbühne zu verlassen, aber gespielt wird die Zugabe dann doch. Pfeifend, singend, hüpfend und klatschend geht's mit dem Paul Lincke-Lied die Stufen hoch Richtung Ausgang. Plötzlich fängt es an zu tröpfeln. Und da ist sie wieder, die Berliner Luft Luft Luft.
Sendung: rbb|24, 28.06.2026, 08:59 Uhr
Audio: rbb|24, 28.06.2026, Sebastian Hampf
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Die Toten Hosen lassen es im Olympiastadion zum Abschied noch mal krachen | 0 | 10.89 | 12-07-2026 |
| 2 | Konzertkritik: Foo Fighters im Berliner Olympiastadion | 0 | 12.71 | 02-07-2026 |
| 3 | Marillion in Berlin: Zuhören wie in der Oper | 0 | 13.11 | 15-07-2026 |
| 4 | Zwischen Schweiß und Tränen: Bruno Mars im Olympiastadion Berlin | 0 | 6.66 | 27-06-2026 |
| 5 | Mumford & Sons in Berlin: Wem nicht das Herz aufgeht, hat vielleicht nie eins gehabt | 0 | 9.56 | 10-07-2026 |
| 6 | Glitzer, Glatzen, Regenschauer: Zehntausende feiern beim Lollapalooza zu Pitbull, Zara Larsson & Co. | 0 | 11.31 | 19-07-2026 |
| 7 | Neoklassik zwischen Licht und Schatten | 0 | 19.09 | 16-06-2026 |
| 8 | Немецкий оркестр сыграл 72-часовой концерт ради мирового рекорда | 0 | 9.17 | 02-08-2026 |
| 9 | Российский национальный оркестр завершит сезон в Москве концертом в Большом зале консерватории | 0 | 5 | 25-06-2026 |
| 10 | Театр им. Вахтангова закрыл сезон уличным фейерверком на Арбате | 0 | 0 | 28-06-2022 |