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Open-Air-Festival: Rund 1.400 Konzerte bei der Fête de la Musique

Дата публикации: 22-06-2026 06:52:00

Von Pogo auf dem RAW-Gelände bis Tschaikowsky in der Philharmonie - zum 31. Mal haben Berlin und Brandenburg die Fête de la Musique gefeiert. Auf dem Programm standen rund 1.400 Konzerte.


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Open-Air-Festival Rund 1.400 Konzerte bei der Fête de la Musique

Eine Tubistin der Band „Grande Fanfare“ spielt mit der gesamten Brass-Band bei der Fête de la Musique in der Kulturbrauerei am 21.06.2026 (Quelle: picture alliance/dpa/C.Koall)
Eine Tubistin der Band „Grande Fanfare“ spielt mit der gesamten Brass-Band bei der Fête de la Musique in der Kulturbrauerei am 21.06.2026 (Quelle: picture alliance/dpa/C.Koall)

Von Kai Salander

Es war ein Streifzug durch verschiedenste Musikgenres. Im Großen Saal der Philharmonie dirigierte Kirill Petrenko Tschaikowsky, auf dem RAW-Gelände wurde zu Punk gepogt, in Kreuzberg wummerten Bassdrums zwischen Spätis, Bars und Balkonen. Zur Sommersonnenwende hat Berlin wieder die Fête de la Musique gefeiert - mit einem Programm, das sich kaum sortieren ließ und gerade deshalb gut zu dieser Stadt passte.

Kirill Petrenko serviert Tschaikowsky

Hunderte Amateure, Profis, Chöre, Jugendbands und Clubacts spielten am längsten Tag des Jahres in Kneipen, Parks, Biergärten, Spätis und auf Kreuzungen. Allein in Berlin zählten die Organisatoren rund 1.400 Konzerte. In Brandenburg kamen von Altlandsberg bis Zehdenick viele weitere Auftritte dazu. Partnerbezirk war in diesem Jahr Reinickendorf mit Soul in der Alten Fasanerie in Lübars und Psych-Rock im Stadtteilzentrum Borsigwalde.

In der Philharmonie ist der Tag der offenen Tür nahtlos in die Fête de la Musique übergegangen. Im Großen Saal haben Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker das große Besteck ausgepackt und Tschaikowsky serviert - den Blumenwalzer aus dem "Nussknacker" und die Fantasie-Ouvertüre zu "Romeo und Julia".

Pogo zwischen Skatepark und Radsatzdreherei

Etwas intimer wurde es im Kammermusiksaal, beim Philharmonia Duo oder bei den Vokalhelden, wo Mitsingen ausdrücklich erwünscht war. Draußen auf dem Scharounplatz fläzten sich Klassik-Fans in Liegestühle und verfolgten die Konzerte auf einer Leinwand. Ringsum brutzelten Imbissbuden. Kinder bauten eigene Instrumente oder entdeckten im mobilen Musikmuseum mit Nachbauten aus Rohren, Tasten und Schlagwerk, wie Orchester-Instrumente funktionieren.

Deutlich rauer klang die Fête auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Im House of Music, in der historischen Radsatzdreherei, saßen viele Besucherinnen und Besucher auf dem Boden des Foyers. Vor ihnen spielten Funk-, Jazz- und Rock-Newcomer. Ein paar Meter weiter, im Skatepark vor dem Cassiopeia, wurde es körperlicher. Dort konnten die Fans zur Musik von Punkbands pogen. Womöglich ein Abschiedstanz, droht doch dem Club das Aus.

Bassdrums, Seifenblasen und Samba im Görli

Auf der Wiener Straße in Kreuzberg ballerten Electro-Bassdrums bis in den Abend. Das Berliner Musiklabel Stil vor Talent hatte zur Blockparty geladen. Vor den Boxentürmen standen Tausende Raverinnen und Raver, ließen Seifenblasen aufsteigen oder bunte Regenschirme kreisen. Hedonismus bis zum Sonnenuntergang.

Zehn Gehminuten entfernt, im Our Sake Club, der Bar von Star-DJ Richie Hawtin, spielten Chang Rodrigues und Neversleep zwei Techno-Livesets mit Drumcomputern und Synthesizern. Treibende Rhythmen liefen auch im Görlitzer Park, allerdings unplugged. Die Trommler der "Berliner Äcademy für Marching Drums" (BÄM) ließen Schlägel und Drumsticks tanzen und zogen das Tempo immer weiter an bis das Publikum jubelte.

Prog-Rock im Schaufenster, Jazz unter Bäumen

Auch Bars, Restaurants und Galerien wurden am Sonntag zu kleinen Bühnen. Nahe dem Frankfurter Tor schepperte es laut aus einer Galerie an der Warschauer Straße. Vor dem Schaufenster spielte die Band Quarterbrain - drei Männer mit Schlagzeug, Synthesizer und kreischender E-Gitarre. Ihr Prog-Rock-Punk war trotz Verkehrslärm bis auf die andere Straßenseite zu hören.

Donbasgrl singt an der Spree

Später kamen Jazzliebhaberinnen und Jazzliebhaber auf der Falkensteinstraße zusammen. Im Schatten der Bäume, vor der Konrad-Tönz-Bar, spielte ein Jazz-Trio rund um den Drummer Moritz Baumgärtner. Es war einer dieser Fête-Momente, in denen die Stadt für ein paar Minuten kleiner wirkt, fast nachbarschaftlich.

Auf dem Holzmarkt-Areal ließen viele Gäste den Tag beim Sonnenuntergang an der Spree ausklingen. Beim Holzmarkt Open Air spielten ausschließlich Acts, die in Berlin leben und arbeiten. Dazu gehörte auch die ukrainische ESC-Stimme Donbasgrl.

Auch die Multiinstrumentalistin Lyhre trat dort auf. Sie jagte blitzschnelle Arpeggios über den Synthesizer, legte schroffe E-Gitarren-Riffs auf Electro-Beats und sang gegen das Patriarchat und über die Dystopie.

Sturmschäden und ein Stromschlag

Bei der 31. Fête de la Musique hat die Musikszene der Hauptstadt wieder gezeigt, wie breit sie aufgestellt ist. Klassik, Punk, Techno, Jazz, Samba, Indie-Pop, Heavy Metal, Chöre und Jugendbands - alles lag an diesem Tag nah beieinander.

Doch der längste Tag des Jahres hatte auch eine ruppige Rückseite. Am Nachmittag fegten Sturmböen über die Stadt, rissen Stände um und beschädigten auch einige der rund 300 Bühnen. Am Hansaplatz in Mitte soll ein Mensch einen Stromschlag erlitten haben, nachdem Wasser an ein Stromkabel gekommen war.

So blieb von dieser Fête de la Musique nicht nur das Bild einer Stadt, die sich einmal quer durch alle Genres gefeiert hat, sondern auch der Eindruck, wie fragil so ein offenes Musikfest unter freiem Himmel sein kann.

Sendung: rbb24 Inforadio, 22.06.2026, 06:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 22.06.2026, Kai Salander

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