Mehr Kosten und weniger Besucher - vor allem kleinere, etablierte Festivals haben aktuell zu kämpfen. Auch das Wurzelfestival in Brandenburg steht vor einer ungewissen Zukunft.
Kleine Festivals in Brandenburg "Wir wollen einen Spielplatz für alle bieten, sind aber eingeschränkt"
Von Philipp Rother Alexander Goligowski
Mehr als 1.800 Festivals können Musikfans in Deutschland übers Jahr besuchen - von Elektro über Rock, Jazz und Folk bis Schlager ist alles dabei. Parookaville, Rock am Ring, Wacken und das Hurricane Festival ziehen die meisten Besucher an. Die größten sind auch die bekanntesten Festivals.
Der Großteil der Events ist aber eher klein. Dazu zählt auch das Zurück zu den Wurzeln Festival, die meisten nennen es nur Wurzelfestival. Es findet auf einem alten Militärflugplatz in Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) statt. Am Donnerstag hat es begonnen.
Geld fehlt und Besucherzahlen gehen zurück
Im Vorjahr kamen rund 7.000 Besucherinnen und Besuchern - in diesem Jahr wurden nur 5.000 Tickets verkauft. Auch deshalb haben die Veranstalter Sorgen: "Man merkt schon, dass dieses Jahr anders ist als die Jahre zuvor. Man muss viel mehr aufpassen, wohin das Geld geht", sagte Andreas Schropp im Gespräch mit dem rbb: "Wir wollen einen großen Spielplatz für alle bieten, wir sind aber schon etwas eingeschränkt." Das Team habe viele kreative Ideen. Es fehle aber das Geld, um alle umzusetzen.
"Das ist leider kein Einzelfall", sagte Simon Knop Jacobsen vom Brandenburger Landesverband für Soziokultur, Popularmusik und Festivals dem rbb: "Das sehen wir vermehrt - vor allem bei den Festivals, die schon länger existieren." Die hätten immer häufiger mit einem Besucherrückgang zu kalkulieren und könnten daher nicht mehr so viel Geld ausgeben wie in den Jahren zuvor. Das führe dazu, dass einige Festivals in diesem Jahr pausieren, beispielweise das Blankit Festival in Blankenfelde (Teltow-Fläming) oder das Resist to Exist in Perleberg (Prignitz), so Jacobsen. Andere Festivals würden ihre letzte Ausgabe in der bisherigen Form durchführen oder ihr Konzept grundlegend verändern. Beispiele dafür seien das Wilde Möhre Festival in Drebkau (Spree-Neiße) und Nation of Gondwana im havelländischen Grünefeld.
Es gebe aber auch jüngere Festivals, die stark nachgefragt seien. Die verkauften mehr Tickets, so Jacobsen. Dazu zähle zum Beispiel das Mit Dir Festival in Friedland (Oder-Spree) oder das Sägewerk Festival auf dem ehemaligen Flughafen Cottbus-Drewitz.
Luftaufnahme vom Gelände des Wurzelfestivals in Brandenburg. (Quelle: rbb)
Ticketpreise werden immer teurer
Die Veranstalter des Wurzelfestivals legen großen Wert darauf, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam feiern können. Es gibt rollstuhlgerechte Wege, die Campingbereiche und Sanitäranlagen sind barrierefrei zu erreichen. Die Vorbereitungen liefen seit Wochen. Die Dekoration wurde teils in stundenlanger Handarbeit angefertigt. "Wir bauen hier für 5.000 Menschen eine Kleinstadt auf - für ein Wochenende", erklärte Mitorganisator Schropp. Die allgemeine Kostensteigerung sei dabei deutlich spürbar. Das merken auch die Besucherinnen und Besucher. Erstmals kosten die Tickets für das Festival mehr als 200 Euro.
Das sei ein allgemeiner Trend, so Jacobsen vom Landesverband für Soziokultur, Popularmusik und Festivals: "Die Ticketpreise werden überall teurer. Die Preise haben sich im Vergleich zur Vor-Corona-Zeiten teils vervierfacht. Besucherinnen und Besucher fragen sich daher, ob sie überhaupt noch an mehr als einem Festival pro Jahr teilnehmen können." Einige könnten sich Besuche gar nicht mehr leisten.
Jacobsen beklagt darüber hinaus, dass die Veranstalter hohe Gebühren und Abgaben zahlen müssen - beispielweise die Walderhaltungsabgabe. Die Ausgleichszahlung wird fällig, wenn Waldflächen dauerhaft oder vorübergehend für andere Zwecke genutzt werden. Die Abgabe sei an sich positiv, müsste für Festivals aber anders berechnet werden, so Jacobsen: "Da sehen wir großen Handlungsbedarf, weil wir meist nur wenige Tage die Flächen nutzen - und damit ganz anders als zum Beispiel beim Straßenbau." Auch die Freizeitlärmrichtlinie müssten die Verwaltungen Festival-freundlicher umsetzen.
Zukunft des Wurzelfestivals ungewiss
Die Veranstalter des Wurzelfestivals in Niedergörsdorf drehen mittlerweile jeden Euro zweimal um. Sie zahlen sich weniger Gehalt und haben ihr Büro in den alten Flugplatztower des Geländes verlagert, um Miete zu sparen. Die Zukunft des Festivals ist eigenen Angaben zufolge ungewiss. Wirtschaftlich sei es nicht mehr. "Wenn es nur ein Job gewesen wäre, hätten wir schon längst die Reißleine gezogen", sagte Schropp. Er will aber nicht aufgeben. Es stecke zu viel Herzblut in dem Projekt.
Bis Sonntag wummert auf dem alten Militärflugplatz nun elektronische Musik. Schropp wird in viele zufriedene Gesichter blicken. Und danach will er die Planungen für die 14. Auflage des Festivals im Jahr 2027 angehen.
Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 03.06.2026, 21:45 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 03.06.2026, Alexander Goligowski
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