Der Niederländerin Judith Klaassen fiel es schwer, ihr Smartphone wegzulegen. Um weniger Ablenkungen zu haben, tauschte sie das Gerät gegen ein Klapphandy aus.
Der Niederländerin Judith Klaassen fiel es schwer, ihr Smartphone wegzulegen. Um weniger Ablenkungen zu haben, tauschte sie das Gerät gegen ein Klapphandy aus.
Im Zug, im Café oder auf der Couch: Für viele Menschen ist das Smartphone ständiger Begleiter. Auch die 23-jährige Niederländerin Judith Klaassen verbrachte viel Zeit auf Instagram und ließ sich dabei vom Algorithmus treiben.
Dann sah sie eine Dokumentation darüber, dass Algorithmen gezielt darauf ausgelegt sind, Nutzer möglichst lange zu fesseln. „Da fiel der Groschen. Mir ist aufgefallen, wie schwer es mir fiel, mein Handy wegzulegen“, sagte sie der niederländischen Zeitung „De Gelderlander“. Danach zog sie eine Konsequenz: Sie tauschte ihr Smartphone gegen ein Klapphandy.
Ihr neues Gerät, ein CAT S22 Flip, hat weiterhin wichtige Funktionen wie Online-Banking – Instagram gehört aber nicht dazu. Leicht war die Umstellung für Judith Klaassen aber nicht. „Ich fühlte mich ziemlich einsam“, berichtet sie. Vor allem abends wusste sie zunächst nicht, wie sie ihre Zeit füllen sollte.
Am Ende wurde genau das zum Vorteil. Sie fand mehr Ruhe, begann wieder zu lesen und machte Sport. „Das klingt vielleicht langweilig, aber es ist wirklich gut für meinen Kopf“, sagte Klaassen gegenüber „De Gelderlander“. Wenn sie bei Themen von Freunden oder Kollegen den Anschluss verliert, nutzt sie kurz ihr Arbeitshandy. Solange sie „an der Gesellschaft teilnehmen kann“, will sie vorerst nicht zum Smartphone zurückkehren.
Streaming, Gaming oder Social Media – alles kann Menschen fesseln. Manch ein Verhalten kann allerdings mit einem erhöhten Risiko für die körperliche oder psychische Gesundheit einhergehen. Die Mediensuchthilfe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf nennt folgende Anzeichen:
Bei einem Verhalten von über einem Jahr kann man laut der Experten des Uniklinikums von einer pathologischen Nutzung sprechen. Damit einher geht Kontrollverlust, zunehmende Priorisierung und negative Folgen des eigenen Verhaltens.
Besonders junge Menschen sind davon betroffen. Schon kleine Schritte ins reale Leben können allerdings helfen. „Schon 30 Minuten weniger Social Media pro Tag verbessern die psychische Gesundheit spürbar“, sagt Prof. Dr. Julia Brailovskaia vom Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit. Stattdessen könnte gemeinsame Zeit mit Freunden oder der Familie Abhilfe schaffen. Auch Sport oder Brettspielabende sind sinnvoll.
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