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Florian (27) ist Rettungsschwimmer in Warnemünde: „Im Zweifel riskieren wir unser Leben” für Badegäste

Дата публикации: 09-08-2026 18:00:00

An heißen Tagen ist der Strand von Warnemünde rappelvoll. Für die Wasserwacht gibt es viel zu tun. Ganz ungefährlich ist das für die Rettungsschwimmer nicht.

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An heißen Tagen ist der Strand von Warnemünde rappelvoll. Für die Wasserwacht gibt es viel zu tun. Ganz ungefährlich ist das für die Rettungsschwimmer nicht.

Florian Colbatzky steht auf dem obersten Plateau von Turm 3 – dem Hauptturm der Wasserrettungsstationen in Warnemünde. Der Wachleiter, dunkelblonde Haare, strahlend blaue Augen, überblickt den Strand, der an diesem warmen Wochentag gut besucht ist. Bunte Strandmuscheln und Schirme reihen sich aneinander. Möwen schreien, Kinder jauchzen.

„Na, heute schon jemanden gerettet?“, fragt ihn ein Justizvollzugsbeamter, der in einer kurzen Patrouillen-Pause bei Turm 3 vorbeischaut. Colbatzky, seit 15 Jahren ehrenamtlicher Rettungsschwimmer, verneint. Bis auf einen kleinen Erste-Hilfe-Einsatz und die Vermittlung eines vermissten Kindes sei es bislang ruhig.

Wasserwacht in Warnemünde achtet auf Sicherheit in der Ostsee

So richtig „spannend“ werde es voraussichtlich am Wochenende, wenn das Thermometer an die 30-Grad-Marke heranreiche. „Da wird es manchmal so voll, dass man den Sand nicht mehr sehen kann“, sagt der 27-Jährige zu FOCUS online.

Urlauber, Tagestouristen, Einheimische – alle pilgern dann an den Strand. Es sei spürbar, dass die Menschen inzwischen mehr Urlaub in Deutschland machen, sagt Colbatzky. „Das ging damals mit dem 9-Euro-Ticket los.“

Viele Menschen bedeuten auch viele Einsätze für Colbatzky und seine rund 20 Teamkollegen, die auf insgesamt sechs Wachtürmen auf die Sicherheit im Wasser achten. Denn wenn Badegäste ihre Schwimmkräfte überschätzen, mit aufgeheiztem Körper ins kalte Wasser springen und das Bier zur prallen Mittagssonne plötzlich doppelt scheppert, ist eine hohe Arbeitsbelastung vorprogrammiert.

Turm 3

Turm 3 ist der Hauptturm der Wasserrettungsstationen in Warnemünde. FOCUS online
Rettungsschwimmer: „Wir begeben uns auch selbst in Gefahr“

„Tendenziell sind die warmen Tage problematisch für uns, gerade auch wenn's windig wird“, sagt der 27-Jährige. „Bei auflandigem Wind haben wir deutlich mehr Strömung. Gerade vorne an der Mole wird es dann noch gefährlicher als es schon ist“, erklärt er. „Und bei ablandigem Wind treibt man auf der Luftmatratze oder dem SUP schneller raus als man denkt.“

Wie der Rettungsschwimmer erklärt, würden vor allem Touristen die Ostsee unterschätzen. Manche Badegäste wiederum würden die Gefahren kennen – aber ignorieren. „Wir mussten vorne an der Mole mal jemanden retten, der vorher mehrfach eine Ansage bekommen hat, dass er wegen Wind und Strömung nicht baden gehen soll“, berichtet Colbatzky. „Die Person ist dann trotzdem baden gegangen und musste dann auch gerettet werden.“

Für den Wachleiter ist so ein Verhalten unverständlich. „Im Zweifel müssen wir unser Leben riskieren“, sagt er. „Die meisten ertrinken ja nicht bei schöner, glatter See, sondern wenn wir Welle und Strömung haben – da begeben wir uns auch selbst in Gefahr.“ Zwar sei die Wasserwacht geschult und trainiere solche Szenarien immer wieder. „Aber ein Restrisiko bleibt immer.“

DLRG: 261 Menschen sind dieses Jahr schon ertrunken

Laut der DLRG Zwischenbilanz 2026 sind in diesem Jahr bislang 261 Menschen ertrunken– 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Vor allem seit Beginn der Badesaison gab es deutlich mehr tödliche Unfälle. Insbesondere der Juni stach dabei heraus: Über 100 Menschen ertranken in dem Monat bundesweit, so viele wie seit über 20 Jahren in keinem Juni mehr. 

Die meisten Todesfälle (208) gab es in den ersten sieben Monaten in Binnengewässern wie Seen und Flüssen. In der Ostsee kamen 14 Menschen ums Leben.

DLRG

Die Zwischenbilanz der DLRG zeigte, dass im Jahr 2026 bislang 261 Menschen ertranken. DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft/DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft/obs
„Unsauberer Schwimmstil, einige brüllen oder winken“

Die Warnzeichen dafür, dass jemand ertrinkt, seien unterschiedlich. „Teilweise wird der Schwimmstil immer unsauberer, der Kopf geht öfter unter Wasser“, sagt Colbatzky. „Einige winken oder brüllen, andere gehen einfach still unter.“

Der Rettungsschwimmer erlebe immer wieder, wie auch Nichtschwimmer ins Wasser gehen. Für sie, aber auch geübte Schwimmer, sind Sandbänke besonders tückisch. „Sie stehen drauf, machen einen Schritt zu viel nach vorne – und da geht’s dann auf einmal einen halben Meter tiefer und der komplette Körper geht unter Wasser“, sagt er. Viele würden sich dabei erschrecken und Wasser schlucken oder einatmen. „Und dann werden sie noch panischer.“

Das Treiben in der Ostsee haben Colbatzky und sein Team engmaschig im Blick. Jede Stunde, von 9 bis 18 Uhr, ist ein Rettungsschwimmer fest dafür eingeteilt, aufs Wasser zu schauen – Nebentätigkeiten sind währenddessen untersagt.

Für den Fall einer Wassernotrettung stehen den Rettungsschwimmer ein Rescue Water Craft (RWC), ein Boot sowie ein Jetski zur Verfügung.

Turm 3

Der Ausblick von Turm 3. FOCUS online
„Die Leute unterschätzen die Hitze“

Doch nicht nur im Wasser, auch an Land hat die Wasserwacht ein Auge auf die Strandbesucher. „Die Leute unterschätzen die Hitze“, sagt der junge Mann. „Sie haben hier keinen Schatten, sitzen den ganzen Tag in der Sonne, essen dadurch auch weniger und trinken am besten noch Alkohol.“ Eine gefährliche Kombination, die das Risiko für Sonnenstich und Hitzschlag erhöht.

„Gerade in den Nachmittagsstunden, wenn die Gäste ein paar Stunden lagen und dann anfangen aufzustehen, gibt es extrem viele Kreislaufzwischenfälle“, sagt er.

Betroffene unterstützt die Wasserwacht mit Erster Hilfe. In Turm 3 ist dafür extra ein kleiner Sanitätsraum eingerichtet, samt Liege, Verbandszeug und Kühlschrank für die Medikamente. In schweren Fällen ruft sie den Krankenwagen.

Auch, wenn Colbatzky nicht im Dienst ist, begleitet ihn sein Ehrenamt. Wenn er privat am Meer ist, habe er immer „ein halbes Auge“ auf das Strandgeschehen. So richtig abschalten lasse sich das nicht, sagt der Wachleiter.

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