Ein falscher Schritt kann jedem passieren. Doch wenn Männer immer wieder in Damenumkleiden auftauchen, ist das eigentliche Problem ein anderes.
Ein falscher Schritt kann jedem passieren. Doch wenn Männer immer wieder in Damenumkleiden auftauchen, ist das eigentliche Problem ein anderes.
Als ich die Berichte aus Hamburg gelesen habe, musste ich nicht lange überlegen. Umkleiden gehören zu den sensibelsten Bereichen eines Schwimmbads.
Frauen und Mädchen müssen sich dort sicher fühlen können. Darüber darf es aus meiner Sicht keine zwei Meinungen geben.
Was war passiert? „Keine Privatsphäre beim Umziehen“, schreiben Nutzer in den Rezensionen des Hamburger Kaifubads in Eimsbüttel. Weiter: „Unreife junge Typen, die in den Umkleidekabinen der Frauen rumlaufen“.
Eine andere Frau berichtet den Eimsbütteler Nachrichten, ihr seien in der Frauenumkleide binnen 25 Minuten mindestens sechs Männer begegnet. Die Mopo fragte dazu: „Hat das Kaifubad ein Männerproblem?“
Natürlich kann es vorkommen, dass jemand in einem fremden Bad kurz vor der falschen Umkleide steht oder versehentlich die falsche Tür öffnet. Das habe ich im Laufe meiner Berufsjahre selbst erlebt. Wer seinen Fehler bemerkt, entschuldigt sich sofort und verlässt den Bereich. Genau so sollte es auch sein. Ein ehrliches Versehen kann jedem Menschen passieren.
Weiter hieß es es aus Hamburg: „Am Ausgang habe eine Betroffene eine Mitarbeiterin darauf hingewiesen, dass ,Männer in der Frauenumkleide ein- und ausgehen'. Die Mitarbeiterin habe entgegnet, das Problem werde an die Schichtleitung weitergegeben und es werde eine Lösung gefunden.“
Bleibt jemand in der Damenumkleide, ignoriert Hinweise oder häufen sich solche Vorfälle in einem Bad, muss das Personal handeln. Dann reicht es nicht mehr, die Situation als Missverständnis abzutun. Jeder einzelne Vorfall muss ernst genommen und geprüft werden.
Genau das gehört zur Verantwortung eines Bademeisters. Während andere Gäste oft nur einen kurzen Moment wahrnehmen, muss das Personal innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob es sich um ein Versehen oder um bewusstes Fehlverhalten handelt. Das ist nicht immer einfach, gehört aber zum Berufsalltag.
Gerade Umkleiden sind geschützte Bereiche. Dort ziehen sich Frauen um, duschen oder begleiten ihre Kinder.
Niemand sollte dort Angst haben oder sich fragen müssen, ob plötzlich ein fremder Mann den Raum betritt. Diese Privatsphäre zu schützen, ist eine Selbstverständlichkeit.
Wenn Regeln bewusst missachtet werden, muss der Betreiber konsequent reagieren. Je nach Situation kann das von einer deutlichen Ansprache über ein Hausverbot bis hin zur Einschaltung der Polizei reichen. Wer Grenzen bewusst überschreitet, darf nicht damit rechnen, dass das Personal einfach wegschaut.
Viel mehr als der einzelne Vorfall beschäftigt mich jedoch eine andere Frage. Wo ist der gegenseitige Respekt geblieben?
Ich hätte vor einigen Jahren nicht gedacht, dass wir einmal darüber diskutieren müssen, ob Betreiber zusätzlich Personal oder sogar Sicherheitskräfte vor Umkleiden einsetzen sollten.
Allein diese Vorstellung macht mich nachdenklich. Ein Schwimmbad sollte ein Ort sein, an dem gegenseitige Rücksicht selbstverständlich ist – nicht ein Ort, an dem immer mehr Kontrollen notwendig werden.
Natürlich müssen Betreiber reagieren, wenn sich Vorfälle häufen. Sie müssen ihre Hausordnung durchsetzen, Beschwerden ernst nehmen und ihre Gäste schützen. Aber die eigentliche Lösung kann aus meiner Sicht nicht darin bestehen, immer mehr Personal einzusetzen. Die eigentliche Lösung beginnt viel früher – bei jedem einzelnen Besucher.
Ein Freibad funktioniert nur dann, wenn Regeln akzeptiert werden. Nicht aus Angst vor Konsequenzen, sondern aus Respekt vor anderen Menschen.
Mein Wunsch ist deshalb einfach: Lassen wir nicht zu, dass fehlender Respekt zur Normalität wird. Frauen und Mädchen müssen sich in einer Damenumkleide sicher fühlen können.
Wer sich versehentlich verirrt, entschuldigt sich und geht sofort wieder hinaus. Wer Grenzen bewusst überschreitet, muss dagegen mit klaren Konsequenzen rechnen.
Ich hoffe, dass wir nie an den Punkt kommen, an dem Sicherheitskräfte dauerhaft vor Umkleiden stehen müssen. Das wäre kein Zeichen für mehr Sicherheit, sondern ein Zeichen dafür, dass wir etwas verloren haben, das früher selbstverständlich war: gegenseitigen Respekt.
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