Der Rsanult Twingo als E-Auto im Praxistest: Witzig, praktisch, aber leider nicht ausdauernd
Der erste Renault Twingo war ein Volltreffer. Die Neuauflage fährt elektrisch und könnte den Erfolg des Ur-Modells wiederholen. Es gibt nur ein Problem.
Renault hat viele Autos gebaut, an die sich heute kein Schwein mehr erinnert. Doch alle paar Jahre hauen die Franzosen einen echten Knüller raus. Den R4 zum Beispiel, den R5, den Kangoo und eben auch den Twingo. Der erste Twingo wurde 1992 vorgestellt und sofort hat sich die (Damen)welt in ihn verliebt. Wer konnte diesem Hab-mich-Lieb-Kulleraugen-Blick schon widerstehen? Der VW Polo war dagegen ein Designer-Grabstein, jeder japanische Kleinwagen hatte gegen den Franzosen-Mini den Charme einer Steuerprüfung. Und der Twingo sah nicht nur süß aus, er war ein praktisches und tatsächlich gut konstruiertes Auto. Viele Twingos der ersten Serie fahren noch heute.
Jetzt gibt es den neuen, natürlich elektrisch, und ähnlich wie beim R5 ging Renault kein Risiko ein: die Optik des Originals wurde nahezu 1:1 auf das Retro-Modell übertragen. Aber nicht nur der Look, auch vieles andere entspricht dem ersten Twingo. Wo der Wagen überzeugt und wo nicht, zeigt der erste Alltagstest.
Mit knapp 3,80 Metern ist der neue Twingo E-Tech Electric (so ist tatsächlich die komplette Modellbezeichnung) satte 36 Zentimeter länger als das Original. Breiter ist er auch und wegen der Batterien im Unterboden mit 1,2 Tonnen fast 400 Kilogramm schwerer. Wie schon beim Renault 5 fühlt man sich im Twingo sofort zuhause: Poppig bunte Farben (passend zur Karosserie, in unserem Fall grün) und trotz viel Hartplastik eine ordentliche Verarbeitung und viele große Knöpfe. Etwa der knallrote runde Warnblinker-Knopf, der irgendwie an eine Clowns-Nase erinnert. Sowohl die Sitzpolster als auch die Fußmatten sind bunt gesprenkelt und gemustert.
Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass der Twingo immer noch als Frauenauto gedacht ist: einen Frisierspiegel in der Sonnenblende gibt es nur für den Fahrersitz. Zusätzlich zu den Becherhaltern gibt es eine variable Halterung, die man an kleinen Plastiklaschen anbringen kann.
Für die beiden Fond-Passagiere gibt es nur Ausstellfenster, was aber immer noch eine bessere Lösung ist als bei anderen Kleinwagen, wo man hinten gar nichts mehr öffnen kann. Der Platz hinten ist natürlich knapp bemessen. Dafür gibt es, genau wie beim ersten Twingo, verschiebbare Rücksitze, um den Kofferraum im jeweils benötigten Volumen anzupassen (260 bis 360 Liter). Zudem kann man die Sitze ganz umklappen. Der Unterboden wird von zwei etwas labbrigen Platten abgedeckt und bietet Platz für das Ladekabel. Dazu kommt eine ebenso billige wie clevere Lösung für die Kofferraumbeleuchtung: Eine abnehmbare LED-Leuchte.
Auch bei der Bedienung sammelt der kleine Franzose Sympathiepunkte. Die Grafiken im Infotainmentsystem sind farbenfroh und modern, gleichzeitig sind alle Informationen schnell erreichbar und auch die Integration des Smartphones per Kabel oder Android Auto / Apple Carplay funktioniert prima. Beim Aufladen zucken Blitze über den kleinen Monitor hinterm Lenkrad, so als würde gleich Frankensteins Monster per Elektrizität zum Leben erweckt. Und wenn man das Auto verlässt, verriegelt es sich nach ein paar Sekunden automatisch und quittiert das mit einem fröhlichen Pfeifton.
Der Abstandsregeltempomat lässt sich ebenso simpel bedienen wie der Rest des Wägelchens. Die Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung) passt man mit Schaltpaddles am Lenkrad an bis zum „One Pedal Driving“, wo man nur noch selten die mechanische Bremse bemühen muss. Trotzdem gibt es im Twingo rundum Scheibenbremsen und nicht wie bei vielen anderen Mini-Stromern nur Trommelbremsen an der Hinterachse.
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Hier gibt es den einzigen wirklich großen Minuspunkt des Twingo: Er ist eben nur ein Zweitwagen und nach spätestens 230 Kilometern muss er wieder ans Kabel. Mehr ist in der Praxis nicht drin mit dem nur 27,5 kWh großen Akku (Netto-Kapazität), obwohl der Durchschnittsverbrauch selbst im Hochsommer bei hartem Klimaanlageneinsatz in unserem Testwagen nur bei 12,3 KWh auf 100 km lag.
Die Antriebspower ist mit 60 kW / 82 PS Spitzenleistung ausreichend. Immerhin müssen 1,2 Tonnen Auto bewegt werden. 12,2 Sekunden benötigt man für den Sprint von 0 auf 100 km/h und beim Überholen auf der Landstraße hätte man gern etwas mehr Dampf. Auf der Autobahn fällt bei 130 km/h der Anker. Denkt man eine Rennsemmel wie die Alpine auf R5-Basis, hoffen wir mal auf ein Einsehen bei Renault und einen Besuch des E-Twingo in der Muckibude. Warum nicht eine Mini-Alpine oder, wie beim Vorgänger, einen Gordini-Twingo?
Die Ladezeit des Kleinwagens ist mit maximal 50 kW am Schnellader enttäuschend. Allerdings dauert das Aufladen in der Praxis wegen des kleinen Akkus trotzdem nur eine halbe Stunde bis 40 Minuten. Wer nicht zuhause laden kann, ist beim Twingo froh über jeden Supermarkt, an dem man etwas Strom zapfen kann. An der Wallbox mit Wechselstrom lädt der Twingo mit maximal 11 kW.
Der Twingo bereitet richtig viel Fahrspaß; weniger wegen seiner Leistung, sondern wegen seiner kompakten Abmessungen und der direkten Lenkung. Das Fahrwerk ist angenehm straff und federt auch fiese Bodenwellen gut weg, ohne den Kontakt zur Straße zu verlieren.
Den Renault Twingo E-Tech Electric gibt es in zwei Ausstattungslinien: „Evolution“ für 19.990 Euro oder „Techno“ für 21.590 Euro. Akku und Antrieb sind dabei identisch. Empfehlen würden wir die Techno-Variante, denn nur dann bekommt man das „große“ Infotainment-Paket, Funkschlüssel, den adaptiven Tempomaten, Klimaautomatik und die Option des One Pedal Driving.
Alternativen zum Twingo sind:
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Wie schon beim Renault 5 haben die Franzosen mit dem Twingo den Charme des Originals gut ins Jahr 2026 hinüber gerettet. Der Kleinwagen ist ebenso praktisch wie ansprechend, gehört zu den günstigsten E-Autos auf den Markt und entpuppt sich als perfektes Stadt- und Pendler-Fahrzeug für alle, die nicht nur ein reines Fortbewegungsmittel wollen. Der größte Haken sind die eher mauen Werte bei Reichweite und Ladeleistung.
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Minus
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„Mit dem kleinen Akku ein idealer Zweitwagen”
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