Der Kanzler erlebt eine schwierige Sommerpause. Umfragen zeigen seine massive Unbeliebtheit. Forsa-Chef Güllner seziert, wo der Kanzler schlecht dasteht.
Der Kanzler erlebt eine schwierige Sommerpause. Umfragen zeigen seine massive Unbeliebtheit. Forsa-Chef Güllner seziert, wo der Kanzler schlecht dasteht.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist in der Sommerpause. Die politische Lage in der Union wirkt allerdings wenig entspannt. Der geplante Kabinettsumbau sollte der Bundesregierung neuen Schwung geben, entwickelte sich jedoch zu einer öffentlichen Personaldebatte. Zudem läuft es auch in den Bundesländern nicht rund: In den Umfragen zu den anstehenden Landtagswahlen liegt die CDU meist zurück, Ministerpräsidenten stellen sich gegen den Parteivorsitzenden.
Wie dramatisch die Lage ist, hat Forsa-Chef Manfred Güllner in seinem jüngsten Newsletter zusammengefasst. Mit Verweis auf die Ergebnisse des RTL/ntv-Trendbarometers, der vom Meinungsforschungsinstitut erhoben wird, schreibt der Experte: „Bislang hat Merz all seine vollmundig propagierten Ziele nicht erfüllt.“
Güllner macht das an sieben Umfrageergebnissen fest, von denen jeder einzelne wie eine Klatsche für Merz wirkt.
Laut Umfrage sind 85 Prozent mit der Arbeit von Friedrich Merz unzufrieden. In seinem Newsletter schreibt Güllner, dieser Wert sei ein neuer Höchststand, bestätige aber das bisherige Muster: Die Unzufriedenheit bleibe „auch in der Sommerpause unverändert extrem hoch“.
Besonders alarmierend für Merz muss es sein, dass nur zwölf Prozent der Union laut RTL/ntv-Trendbarometer zutrauen, die Probleme in Deutschland am besten zu lösen. Anfang 2021 waren es mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel laut Güllner noch 41 Prozent.
Güllner beschreibt den Zusammenhang zwischen der Bewertung des Kanzlers und der seiner Partei so: „Die anhaltend große Unzufriedenheit mit der bisherigen Arbeit des Kanzlers wirkt sich auch negativ auf das Urteil über seine Partei aus.“
Laut Forsa-Sonntagsfrage kommt die Union auf 21 Prozent. Der Wert bezieht sich aber auf die tatsächlich „Wahlwilligen“. Schaut man auf alle Wahlberechtigten, also auch die Nichtwähler, sinkt der Anteil weiter: Nur noch 15 Prozent derer, die eine Stimme abgeben dürften, würden sie CDU oder CSU geben. „Mit Merz ist die Union in der Wählergunst so schwach wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik“, so Güllner.
Der Meinungsforscher verweist darauf, dass der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen zuletzt gestiegen ist. Diese vielen Menschen könnten sich „als ein weiteres Wählerreservoir für die AfD entpuppen“, warnt der Forsa-Chef. „Denn schon in der Vergangenheit war zu beobachten, dass mit der Politik der Regierung Unzufriedene häufig zunächst ins Lager der Nichtwähler wandern, bevor sie – falls auf diese 'gelbe Karte' keine entsprechenden Reaktionen erfolgen – zur AfD wechseln.“
Merz sagte einst, mit der richtigen Strategie könne man die AfD „halbieren“. Passiert ist bislang das Gegenteil. Zwar wurde die AfD auch schon vor Merz' Regierungszeit stärker, doch unter ihm erreicht sie Rekordwerte im Bund und in den Bundesländern. Der Kanzler habe die Partei in „bislang nicht für möglich gehaltene Höhen getrieben“. Forsa sieht die Partei derzeit bei 28 Prozent.
84 Prozent der Befragten sind laut RTL/ntv-Trendbarometer der Auffassung, dass sich die Parteien nicht ausreichend um die tatsächlichen Probleme und Interessen der Menschen kümmern. Güllner schreibt, diese Einschätzung sei auch unter Anhängern von CDU/CSU und SPD weit verbreitet. So werde die Entfremdung zwischen Politik und Wählern immer größer.
Eine Ipsos-Umfrage weist in eine ähnliche Richtung: Laut dem Institut hielten im Januar 2026 nur 17 Prozent der Befragten das politische Handeln von Friedrich Merz für glaubwürdig. Außerdem vertrauten nur 26 Prozent darauf, dass die Bundesregierung im besten Interesse der Bevölkerung handelt.
Das Vertrauen in die Institution des Bundeskanzlers liegt laut dem Institutionen-Vertrauensranking von Forsa bei 20 Prozent. 2021 waren es demnach noch 75 Prozent. Güllner beschreibt diesen Wert als Tiefstand für eine der wichtigsten politischen Institutionen.
Nur 17 Prozent glauben laut einer Bürgerbefragung des Beamtenbunds, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen kann. 2020, also während der Corona-Krise, waren es noch 56 Prozent.
Während einerseits kritisiert wird, dass es in manchen Bereichen zu viele Beamte gibt, ist andererseits in manchen Bereichen die Personalsituation angespannt. Der Beamtenbund berichtet, dass im öffentlichen Dienst rund 600.000 Beschäftigte fehlen. Genannt werden unter anderem Engpässe in Schulen, Pflege und Justiz – also dort, wo Bürger direkte Auswirkungen spüren.
Bei „The Pioneer“ zieht Güllner ein für Merz bitteres Fazit: „Die Leute haben ein sehr gutes Gespür für die Fähigkeiten eines Kanzlers. Und sie haben offenbar zunehmend das Gefühl: Er kann es einfach nicht.“
Er rät der Union, sie solle „ernsthaft darüber nachdenken, den Kanzler auszutauschen“. Als möglichen Ersatz sieht der Forsa-Chef den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst.
„Was soll ein Kanzlertausch denn bringen?”
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