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Wo? Ist? Der? Kanzler? Wie ein Urlaub zur Karrierefalle wird

Дата публикации: 05-08-2026 04:31:00

Schlechtes Timing, Instinktlosigkeiten, schlichte Naivität – ausgerechnet die Sommerferien sind für Parteispitzen voller riskanter Karrierefallen. Das gilt auch für Friedrich Merz, der sich bislang der Rentendebatte entzieht.


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Schlechtes Timing, Instinktlosigkeiten, schlichte Naivität – ausgerechnet die Sommerferien sind für Parteispitzen voller riskanter Karrierefallen. Das gilt auch für Friedrich Merz, der sich bislang der Rentendebatte entzieht.

Das politische Berlin liegt in Sommerpausen-Agonie schläfrig darnieder. Sie könnten jetzt sagen: „Also alles wie immer, nur in heiß.“ Aber Urlaube sind für Spitzenpolitiker inzwischen deutlich riskanter als das proaktive Stuhlkreis-Gesitze, das man ihnen bisweilen in ihrem eigentlichen Amt unterstellt. Fragen Sie gern mal den spanischen Regierungschef!

Er heißt Pedro Sánchez und hat zurzeit eigentlich jede Menge fremdbestimmter Krisen zu bewältigen: von Waldbränden bis zum Migrationschaos in seiner nordafrikanischen Exklave Ceuta. Was machte der alerte Sozialistenführer: Am Samstag flog er trotz allen Elends im Privatjet mit Familie für dreiwöchige Ferien in seine staatliche Sommerresidenz „La Mareta“ auf Lanzarote.

Das muss man sich erst mal trauen. Während im Mittelmeer noch tote Migranten geborgen wurden, präsentierte er auf Instagram obendrein fröhlich im lockeren Freizeit-Look seine Lieblings-Sommerhits. So instinktsicher wie jemand, der sich im Haifischbecken selbst ins Bein beißt.

Radelt Merz gerade durchs Sauerland? 

Seither brennt nicht nur der Wald, sondern die Hütte. Es geht dabei übrigens nie um den Urlaub an sich, sondern meist um falsches Timing, womit wir bei Friedrich Merz sind. Wo? Ist? Der? Kanzler? Radfahren im heimischen Sauerland? Elektroboot fahren auf dem Tegernsee?

Sein Sprecher macht daraus ein Staatsgeheimnis, als ginge es um nukleare Abschusscodes. Dabei brennt auch hier allerlei, etwa die Rentenfrage. Wie lange will Merz den Hinterbänklern der Koalition noch beim Zerdeppern seines liebevoll geschnürten Reformpakets zuschauen? Ein Machtwort dazu könnte er auch aus Meschede oder Arnsberg schicken.

Erreichbarkeit ist in den Ferien Pflicht. Das hatten schon seine Vorgänger Helmut Kohl und Angela Merkel verstanden. Der eine weilte jahrzehntelang mit seiner Hannelore in St. Gilgen am Wolfgangsee. Die andere wanderte in Multifunktionskleidung durch wechselnde Bergpanoramen. Die Paparazzi-Fotos transpirierten zwar den Glamour nasser Wollsocken, halten für den Politnachwuchs aber bis heute eine wichtige Lehre parat:

Lieber Urlaub in Duisburg als in Dubai

Wer in der deutschen Politik was werden will, hat auch im Urlaub bescheiden aufzutreten. Bildungsministerin Karin Prien etwa buchte diesen Sommer in Frankreich. SPD-Chefin Bärbel Bas bleibt in ihrer Duisburger Heimat. Ihren Parteifreund, Umweltminister Carsten Schneider, zieht es – was könnte noch volksnäher sein? – nach Mallorca, das einem anderen Genossen indes schon zum Verhängnis wurde. 

Als Verteidigungsminister ließ sich Rudolf Scharping 2001 im Pool mit seiner damaligen Flamme fotografieren, einer richtigen Gräfin. Das alles hätte Deutschland verziehen, wenn sich Bundeswehrsoldaten nicht zur gleichen Zeit auf einen heiklen Nato-Einsatz in Mazedonien hätten vorbereiten müssen. So begann mit dem frivolen Geplansche Scharpings Abstieg, bis er später wegen weiterer Affärchen auch im Kabinett unterging.

Feriensünde Nummer eins: Unaufrichtigkeit 

Oder erinnern Sie sich an Anne Spiegel? Als Mainzer Umweltministerin verabschiedete sich die Grünen-Politikerin 2021 kurz nach der verheerenden Ahrflut für vier Wochen mit ihrer Familie nach Frankreich. Viel schlimmer war, dass sie später fälschlicherweise behauptete, sich aus dem Urlaub zu Kabinettssitzungen zugeschaltet zu haben.

Bei Unaufrichtigkeiten oder gar Lügen wie zuletzt bei Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner verstehen wir Wähler keinen Spaß. Im April 2022, inzwischen war sie in der Ampel-Koalition zur Bundesfamilienministerin aufgestiegen, musste auch Frau Spiegel zurücktreten.

Insofern kann man dem Kanzler nur raten: Obacht, man kann sogar in Sommerlöchern untergehen!

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