Der Innenminister vermeidet es, „Leipzig” den Russen anzulasten. Andere wie Lauterbach sind unvorsichtiger. Dabei: Die Bürger haben aus Nordstream gelernt.
Der Innenminister vermeidet es, „Leipzig” den Russen anzulasten. Andere wie Lauterbach sind unvorsichtiger. Dabei: Die Bürger haben aus Nordstream gelernt.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat, um es neutral zu formulieren, nach dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen, in neun Minuten und 58 Sekunden dies gesagt: nichts.
Diesem Nichts hat er einen Namen gegeben. Der soll das Nichts verschleiern. Er lautet: „professionelle hybride Bedrohungslage“. Seitdem rätseln die Leute, was der Bundesinnenminister wohl gemeint haben könnte. Dabei hat Dobrindt sein Nichts ganz am Schluss sogar selbst noch erläutert, und zwar so: „Alle Spekulationen müssen nicht in die richtige Richtung gehen, können falsch sein.“
Dass Spekulationen richtig sein können oder auch falsch, gehört zum Wesen von Spekulationen. Auch dieser Satz von Dobrindt ist ein Nullum. Der Minister verkündete mit bedeutungsvoller Miene ein Doppel-Nichts - und doch kann man dem derzeit noch obersten Verantwortungsträger in dieser Sache durchaus dankbar sein.
Denn Dobrindt hat erklärt, nichts zu wissen. Er hat weiterhin vermieden, aus diesem Nicht-Wissen irgendetwas abzuleiten, außer „fremde Mächte“ – was, genau genommen, auf jede Ansammlung von Übeltätern zutrifft.
Kurzum: Dobrindt hat das absichtsvolle Raunen sein gelassen. Er hat auch kein „Blame game“ gestartet nach dem Motto von Karl Lauterbach: „Ob AfD oder Wagenknecht, die Putinversteher paktieren mit unseren Feinden. Sie verraten unsere Demokratie und unser Land.“
Dobrindt hätte das auch so machen können – die AfD und Wagenknecht sind auch seine parteipolitischen Gegner. Dobrindt hätte es machen können, wie es viele Leute gemacht haben bei der Sprengung der Nordstream-Pipeline. Worüber jetzt auch wieder auf den Digital-Kanälen viele spekulieren, so wie der Terror-Experte Peter Neumann, der das natürlich alles gesehen hat und es darum zugunsten der Ukraine „austreten“ will.
„Nur mal so: Der Vergleich mit Nordstream hinkt. Die Ukraine sprengte Nordstream, um Russland zu schaden. Ein Angriff auf Transportflugzeuge in Leipzig hätte ihr selbst geschadet. Ob man Kyiv das zutraut, steht auf einem anderen Blatt. So wie Nordstream ist es jedenfalls nicht.“
Nur: Neumann weiß auch: nichts. Dass ein ukrainischer Angriff auf ein ukrainisches Transportflugzeug der Ukraine geschadet hätte, stimmt nur dann, wenn es eine ukrainische Urheberschaft gäbe und die auch öffentlich würde.
Im Klartext: Neumann will die Ukraine von jeglichem Verdacht befreien. Sein Ziel ist es, zu belegen „warum vieles auf Russland hindeutet“. Aber: Neumann weiß es eben nicht, immerhin traut er so etwas der Ukraine durchaus zu – „ob man Kiyv so etwas zutraut, steht auf einem anderen Blatt“.
Aus Nordstream kann man viel lernen, vor allem eins: Erst einmal niemandem zu glauben. Denn für diese grundlegende Skepsis gibt es mehr als einen Grund. Unmittelbar nach dem Anschlag auf die Pipeline der Russen sprach Russlands Präsident Wladimir Putin von einem Terroranschlag, für den die USA verantwortlich seien.
Und tatsächlich: Hatte nicht der damalige Präsident Joe Biden über Nordstream bedrohlich geraunt: „Dann werden wir dem ein Ende setzen?“
,regionOfInterest=(931,657)&hash=78f9b2f0584661bdf71374c79c26d99f38801348611f0eb1afbf953a981f7cbd)
Anders Beamte des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND. Sie wollten die Medien überzeugen, dass Russland selbst die Pipelines zerstört habe, um drohenden Prozessen wegen Vertragsverletzungen aus dem Weg zu gehen.
„Ich gehörte zu den vielen Journalisten, die diese Kampagne glauben sollten“, schreibt ein Augen- und Ohrenzeuge: Der „Wall Street Journal“-Investigativ-Reporter Bojan Pancevski in seinem Enthüllungsbuch „Die Nordstream-Sprengung“.
Der damalige deutsche Vizekanzler Robert Habeck erklärte am vierten Tag nach dem Anschlag: „Die einzige Wahrheit, die aus Russland kommt, ist die Lüge. Zu sagen: Wir waren es nicht, das ist keine Antwort, der ich traue.“
Habeck war der allererste Ukraine-Unterstützer, lange vor der grünen Außenministerin Annalena Baerbock. Er lag grandios daneben. Es waren ukrainische Kampftaucher, ukrainische Geheimdienstler, ukrainische Armee-Angehörige – und Präsident Wolodymyr Selenskyj, so enthüllt es Pancevski, habe es gewusst, dito sein Armeechef.
Selenskyj erklärte aber dies: „Was in der Ostsee passiert ist, ist ein weiterer Terroranschlag Russlands gegen Europa, der es darauf anlegt, den Energiemarkt ins Chaos zu stürzen.“
Mit anderen Worten: Die Öffentlichkeit wurde nach und über den anfangs gleichfalls „hybriden“ Anschlag auf Nordstream nach Strich und Faden belogen, getäuscht, auf falsche Fährten gesetzt. Das ist eine wichtige Erkenntnis – es ist keine These, sondern eine Tatsache.
Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst, heißt es. Man sollte das ernst nehmen. Vielleicht waren es in Leipzig die Russen. Vielleicht fügt sich diese Tat ein in ein „Muster“, das jetzt Peter Neumann und Sicherheitsexperte Nico Lange analysieren. Aber ein „Muster“ ist ein Indiz – kein Beweis.
Das genau ist das Charakteristikum von „hybrid“: Die Urheberschaft wird verschleiert.
Bei Nordstream hat die Sache Deutschlands bester Polizist aufgeklärt, und zwar gegen alle Widerstände: Dieter Romann, der Chef der Bundespolizei. Ein ketterauchender, deutscher Beamter. Es hat lange gedauert, und eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung spielte eine Blitzer-Anlage, die einen der allzu eiligen Täter nachts auf einer norddeutschen Straße fotografierte.
Vielleicht kommt auch bei Leipzig alles raus, vielleicht auch nicht, vielleicht dauert es ein paar Jahre. Einstweilen dient es womöglich dem Weltfrieden, wortreich zu erklären, dass man dies weiß: nichts.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | In Leipzig 800 Gramm Sprengstoff: Putins „Wegwerfagenten” kennen die Schwächen der Deutschen | 0 | 9.37 | 07-08-2026 |
| 2 | Router-Hacks, Bauschaum-Attacken, Fake News: Putins „hybride Bedrohung“ wie in Leipzig kann schon heute jeden treffen | 0 | 14.75 | 07-08-2026 |
| 3 | Deutsche Russland-Strategie stachelt Putin zu mehr Gewalt an | 0 | 14.1 | 13-08-2026 |
| 4 | Лавров: россияне без подсказок из-за рубежа умеют оценивать действия руководства страны | 0 | 0 | 27-06-2021 |
| 5 | Der BND bekommt neue Macht – Leipzig wäre trotzdem passiert | 0 | 10.36 | 13-08-2026 |
| 6 | Wir sind nicht im „Schießkrieg” - aber nicht mehr im Frieden | 0 | 9.35 | 07-08-2026 |
| 7 | Постпред РФ указал комиссару ОБСЕ на дискриминацию русскоязычного населения в Прибалтике | 0 | 0 | 04-06-2020 |
| 8 | Постпред РФ при ОЗХО: ФРГ пошла по скользкому пути интерпретации Конвенции по химоружию | 0 | 0 | 01-12-2020 |
| 9 | Постпред при ОЗХО: РФ не собирается оправдываться перед Западом по ситуации с Навальным | 0 | 0 | 06-10-2020 |