Eric Smith wollte längst weg vom FC St. Pauli, ist aber immer noch da. Wie der Kiezklub mit dem Schweden plant und was Sportchef Bornemann dazu sagt.
FC St. Pauli
St. Paulis größtes Fragezeichen: Das sagt Bornemann über Eric Smiths ZukunftDie sportliche Zukunft von Eric Smithist ungewiss. Witters
Eric Smith wollte längst weg vom FC St. Pauli, ist aber immer noch da. Wie der Kiezklub mit dem Schweden plant und was Sportchef Bornemann dazu sagt.
Dieser Sommer ist wie kein zweiter für Eric Smith. Da ist einerseits der Höhepunkt seiner Karriere: die WM-Teilnahme mit der schwedischen Nationalmannschaft, zwar ohne eine einzige Einsatzminute, aber dennoch ein Erlebnis. Nach seiner Rückkehr zum Kiezklub ist alles anders als in den Jahren zuvor. Smith ist nicht mehr mittendrin, sondern nur dabei und schon gar nicht mehr ganz oben in der neuen Hierarchie. Sein Buddy Jackson Irvine ist schon weg, er selbst will es eigentlich auch und hat das intern längst klargemacht, ist aber immer noch da. Und jetzt? Seine Zukunft ist St. Paulis größtes Fragezeichen.
Es war ein ungewohntes Bild, das sich am Vormittag nach dem Saisonauftakt gegen Fürth auf dem Rasenplatz an der Kollaustraße bot. Smith trainierte mit den Reservisten und den Einwechselspielern der Premierenpartie der neuen Saison. In der 85. Minute war der 29-Jährige eingewechselt worden.
Zum Mannschaftsrat gehört Smith nicht mehrDas ist deshalb denkwürdig, weil Smith in seinen fünfeinhalb Jahren beim Kiezklub und bei insgesamt 147 Spielen überhaupt nur fünfmal eingewechselt worden ist. Wenn der Defensivstratege fit war, spielte er. Jahrelang Stammkraft, Leistungsträger, Führungsspieler, zuletzt Vize-Kapitän. Jetzt ist er nicht mehr im neuen Mannschaftsrat, dem er seit 2022 durchgehend angehört hatte.
Bei der WM war Smith (r./mit Alexander Isak) im Schweden-Kader, spielte aber nicht. IMAGO/DeFodi.de
Eindeutige Zeichen, die auf einen bevorstehenden Abschied hindeuten. Dass er zuletzt mit unbewegter Mimik oft den direkten Weg vom Trainingsplatz in die Umkleidekabine wählte und nicht wie die meisten Mitspieler den Bogen zu den Fans machte, um Autogramme zu schreiben und für Fotos zu posieren, passte ins Bild. Da geht jemand auf Abstand. So wirkt es.
Smith ist der letzte Spieler der alten FührungsriegeDas Thema Smith bewegt auch die Anhänger, denn der blonde Hüne ist nicht irgendein Spieler, sondern als dienstältester Kiezkicker nach Adam Dzwigala eng mit einer der erfolgreichsten Phasen in der Vereinsgeschichte verbunden, die er fußballerisch maßgeblich mitprägte. Wie auch Irvine, Nikola Vasilj, Hauke Wahl oder Karol Mets. Alle aus der alten Führungsgruppe sind nach dem Abstieg weg. Nun ist Smith der Letzte seiner Art. Wie lange noch?
Der enge Smith-Vertraute Jackson Irvine (l.) spielt jetztin Japan. WITTERS
„Ich bin hier“, lautete seine Antwort auf die Frage zu den Abgangsgerüchten nach dem Fürth-Spiel. „Ich gebe mein Bestes. Offensichtlich ist es nicht gut genug, weil ich nicht viel gespielt habe, deshalb muss ich es besser machen. Ich versuche jeden Tag mein Bestes zu geben. Das ist die Entscheidung des Trainers.“ Dass er wegwill, sagte er nicht.
Smith will erstklassig kicken – also wegDen Wunsch, weiter erstklassig zu spielen, also woanders, hatten Smith und sein Berater Martin Dahlin nach dem Abstieg der Kiezkicker aber gegenüber dem Klub deutlich gemacht. Die Position gilt nach MOPO-Informationen bis heute. Am liebsten wäre er schon gewechselt. Das ist auch der Grund, warum der neue Trainer Marcel Rapp Smith bei der Besetzung des Mannschaftsrats nicht berücksichtigte. Nachvollziehbar.
Sportchef Andreas Bornemann
Wie sieht der Kiezklub die Sache? „Eric ist nach Stand der Dinge ein Spieler des FC St. Pauli und hat wie jeder andere auch die Möglichkeit, sich über das Training für Einsätze zu empfehlen“, betont Sportchef Andreas Bornemann auf MOPO-Nachfrage. Dem Eindruck, die späte Einwechslung habe mit Smiths Wechselwunsch zu tun, widerspricht Bornemann: „Durch seine verkürzte Vorbereitung nach der WM-Pause hat er logischerweise länger gebraucht, um auf das Level der Mitspieler zu kommen, die drei Wochen früher gestartet sind.“
Derzeit ist er nach wie vor ein St. Pauli-SpielerBis auf Weiteres gelte für Smith, dessen Vertrag bis 2027 läuft: „Es ist unstrittig, dass ein Spieler mit seinen Qualitäten eine gute Option darstellt und unserer Mannschaft etwas geben kann“, sagt Bornemann. Das klingt pragmatisch. St. Pauli könnte Smith durchaus gut gebrauchen, insbesondere nach der schweren Muskelverletzung von Neuzugang Gísli Thórdarson, der als Option für das defensive Mittelfeld eingeplant war, sowie angesichts des noch möglichen Abgangs von Joel Fujita, der wie Smith einen Wechsel in eine europäische Top-5-Liga anstrebt.
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Zur Smith-Zukunft sagt Bornemann mit Hinweis auf den laufenden Vertrag: „Uns liegt aktuell nichts vor, was daran etwas ändert und mit dem wir uns ernsthaft beschäftigen müssten.“ Tatsächlich gibt es Interesse von Vereinen, auch aus der Bundesliga, was bei einem Spieler des Kalibers von Smith nicht verwundert, aber nach MOPO-Informationen noch keine konkrete Offerte mit Ablöse-Angebot an St. Pauli.
Hat sich die Smith-Seite verzockt? Hätte nicht schon was passieren müssen, wenn es einem Klub ernst mit ihm wäre? Diese Interpretation käme zu früh. Der aktuelle Schwebezustand muss nichts heißen. So war es in der Anfangsphase des Pokers um Wahl mit Wolfsburg auch. Ausgang bekannt. Und bis zum Transferschluss am 1. September ist noch viel Zeit für Gespräche, Angebote, Offensiven – und übrigens auch weitere Einsätze von Smith im St. Pauli-Trikot. „Im Fußball können sich die Dinge schnell ändern“, betont auch Bornemann und fügt an: „In jede Richtung.“
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