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„Bester Torwart der Liga“? Womit St. Paulis neue Nummer eins ein Problem hat

Дата публикации: 10-08-2026 15:34:00

Zwei Jahre stand er im Schatten von Nikola Vasilj, jetzt ist Ben Voll die Nummer eins des FC St. Pauli. Im ersten Ligaspiel zeigte er, warum. Doch eine Sache mag er nicht.

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Es ist eine Sache, zur Nummer eins ernannt zu werden und eine andere, auch wirklich eine Nummer eins zu sein und wie eine zu halten. Ben Voll hat nur gut 90 Minuten gebraucht, um eindrucksvoll zu untermauern, warum er neuerdings diesen Status beim FC St. Pauli hat. Mit mehreren Glanzparaden hielt er die Kiezkicker im Spiel und am Ende den Punktgewinn beim 1:1-Remis gegen Fürth fest. Er zeigte, warum er das Zeug dazu hat, in die Fußstapfen von Vorgänger Nikola Vasilj zu treten und ein Top-Keeper und Leistungsträger der Braun-Weißen zu werden. Nur mit einer Sache hat Voll auch nach der beeindruckenden Premierenvorstellung so seine Probleme. 

Die Laune war bestens zum Wochenstart. Kein Wunder nach der gelungenen Premiere, die beim Schlussmann nicht nur für Freude, sondern auch eine gute Portion Erleichterung gesorgt haben dürfte, denn schließlich hatte er unter besonderer Beobachtung gestanden, was auch mit einer nicht immer fehlerfreien Saisonvorbereitung zu tun hatte.

Ben Voll: Saisonstart als Nummer eins von St. Pauli „unbeschreiblich“

„Super-schön, super-gut, hat total Spaß gemacht“, fasste der 25-Jährige am Tag danach das Gefühl, erstmals als offizielle Nummer eins bei einem Pflichtspiel ins Millerntorstadion einzulaufen, zusammen. Es sei „unbeschreiblich“ gewesen. 

Super-gut war auch seine Leistung gewesen beim Auftaktspiel gegen Fürth, bei dem er mehrfach im Mittelpunkt gestanden und insbesondere gegen Felix Klaus ein ums andere Mal in höchster Not mit starken Reflexen gerettet hatte, in der Manier eines Kraken-Mannes. Das machte ihn zum „Man of the Match“. 

Mitspieler schwärmen in den höchsten Tönen von Voll 

Zu viel zu tun oder gerade richtig, um sich auszeichnen und ein Ausrufezeichnen zu können? „Ich spiele am liebsten zu Null, und wenn wir im Endeffekt keinen Schuss aufs Tor bekommen und 3:0 gewinnen, dann würde ich das sehr, sehr gerne nehmen“, betont Voll. „Aber wenn sie mich brauchen, dann versuche ich natürlich mein Bestes zu geben und da zu helfen.“

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Die Kollegen wussten, bei wem sie sich nach dem Remis am meisten zu bedanken hatten und überschütteten Voll geradezu mit Lob. „Überragend“ fand Neuzugang Branimir Hrgota die Leistung des Keepers. Eric Smith bezeichnete den 1,95-Meter-Mann als „unglaublichen Torwart“ und mache sich überhaupt keine Sorgen, dass Voll der neuen Hauptrolle nach zwei Jahren als Nummer zwei absolut gewachsen sei, denn „er ist einer der besten Torhüter, mit denen ich jemals zusammengespielt habe“. Stürmer Martijn Kaars legte sich im Überschwang schon nach dem ersten von 34 Spieltagen fest: „Bester Torwart der Liga.“

Was Voll über die Lobeshymnen und Superlative sagt

Das geht Voll dann doch zu weit – noch jedenfalls. Mit den Superlativen und Lobeshymnen der Mitspieler konfrontiert, scheint der gebürtige Bergisch-Gladbacher, der zwar als enorm ehrgeiziger Spieler, aber zugleich bescheidener und zurückhaltender Teamplayer gilt, mehr Probleme zu haben als mit den gefährlichen Torschüssen des ersten Gegners der Saison. Die verbalen Lorbeeren schienen ihm unangenehm und fast peinlich zu sein. Zu viel des Guten. Zu früh.

Ben Voll pariert im Millerntorstadion einen Schuss von Felix Klaus vor dem FC-St.-Pauli-Tor.

Fürths Felix Klaus verzweifelte mehrfach an St. Pauli-Keeper Ben Voll. IMAGO / Nordphoto

„Vielen Dank für die Blumen“, meinte der Hüne nach dem regenerativen Training am Montag in einer kleinen Medienrunde und wehrte die Zuschreibungen dann gekonnt ab, „aber ich würde da gern noch ein paar Spiele erst mal machen, bevor ich mich zu sowas dann äußere. Mich freut es einfach, dass ich gestern eine gute Leistung gezeigt habe, dass ich für mich persönlich gut in die Saison gekommen bin, und dass ich der Mannschaft einfach helfen konnte.“ Typisch Voll. Sich selbst nicht zu wichtig nehmen und das Team über alles andere stellen.

Im dritten Jahr bei St. Pauli endlich die Nummer eins

Nach zwei Jahren als loyale Nummer zwei hinter Vasilj, starken Leistungen im Training und bei seinen wenigen Einsätzen war die Zeit reif für den Schritt aus dem Schatten ins Rampenlicht. Die Beförderung hatte sich angedeutet, folgte einem Langzeitplan von Verein und auch ihm selbst. „Mir war schon klar, dass ich irgendwann die Chance bekomme, auch im Laufe der letzten Saison schon“, sagt Voll, der aus sportlichen wie menschlichen Gründen ein hohes Standing in der Mannschaft hat.

Mir war schon klar, dass ich irgendwann die Chance bekomme, auch im Laufe der letzten Saison schon.

Ben Voll

Dennoch muss Voll – wie er selbst richtig erkannt und angemerkt hat – erst einmal auf Strecke überzeugen und die Top-Leistungen konstant abrufen, über Monate, über eine gesamte Saison. St. Pauli ist zwar abgestiegen, aber für Voll bedeutet der Stammplatz in der zweiten Liga einen Aufstieg und das nächste Level, denn Nummer eins war er zuvor nur bei Drittligist Viktoria Köln.

Bescheiden, aber sehr ehrgeizig: Voll verfolgt einen Plan

Seine glaubhafte Bodenhaftung und Bescheidenheit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er enorm ambitioniert ist und dabei einen klaren Plan verfolgt, was seine Karriere und die Entwicklung zu einem Topkeeper im Profibereich angeht. Dazu gehört, dass er spätestens im dritten Vertragsjahr bei St. Pauli die Gelegenheit bekommt, sich als Nummer eins zu beweisen, nachdem er in den ersten beiden Saisons beim Kiezklub ein Ligaspiel und zwei Pokal-Partien von Beginn an absolviert und überzeugt hatte.

Torwart Ben Voll vom FC St. Pauli springt im Training in Flachau nach einem Ball.

Abflug! Ben Voll will in dieser Saison durchstarten bei St. Pauli Witters

Der Abgang von Vasilj, dessen Vertrag sich durch den Abstieg nicht automatisch um ein Jahr verlängert hatte, machte den Weg für Voll frei, aber es hätte möglicherweise auch im Falle des Klassenerhalts einen Wachwechsel und eine Verjüngung im St. Pauli-Tor gegeben.

Viel Geduld und Arbeit als Back-up von Nikola Vasilj

Auf die sicherlich nicht befriedigenden und oftmals harten zwei Spielzeiten als Reservist blickt Voll nüchtern und ohne jedes Selbstmitleid zurück. „Das ist ja immer der Job beim Torwart: es kann nur einer spielen.“ Zugleich sei er „von mir so überzeugt“ gewesen, „dass ich dachte, dass ich die Chance irgendwann bekomme und dann hoffentlich nutzen werde.“ Er gibt jedoch zu, dass es nach seinen sporadischen Einsätzen jeweils „gekitzelt“ habe, im Tor zu bleiben und nicht wieder für Vasilj Platz zu machen.

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Die Konkurrenzsituation und die hohe Qualität im Keeper-Training unter der Regie von Torwarttrainer Sven van der Jeugt hat Voll besser gemacht und weitergebracht. „Das ist natürlich sehr wichtig für meine Entwicklung, dass man da jeden Tag Vollgas gibt, um halt seine Schritte zu gehen.“

Vorbild Vasilj? Ben Voll über die Arbeit im Torhüter-Team

Auf eine mögliche Vorbildrolle Vasiljs und damit verbundene Lerneffekte angesprochen, hält sich Voll auffällig zurück. „Niko an sich ist natürlich ein sehr, sehr guter Torhüter, wo man sich auf jeden Fall Sachen abschauen kann“, sagt der Nachfolger auf Nachfrage und fährt etwas ausweichend und auch umständlich fort: „Aber jetzt im Detail wüsste ich das nicht. Was dann genau hängengeblieben ist, ist schwer zu sagen.“

Es sind Sätze, die nichts weiter bedeuten müssen und in die man auch nicht mehr hineininterpretieren sollte. Einerseits. Oder aber es ist Ben Volls Art, indirekt zu sagen, dass er sich schon länger für ebenbürtig hält – er wäre übrigens längst nicht der einzige beim FC St. Pauli – und nun endlich die Chance hat, es regelmäßig zu beweisen.

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