Die Gas-Speicher in Deutschland sind ungewöhnlich leer. Das Wirtschaftsministerium reagiert. Die Bundesnetzagentur rechnet nun vor, ob es ein Problem geben könnte.
Stand: 01.10.2026, 22:48 Uhr
Die Gas-Speicher in Deutschland sind ungewöhnlich leer. Das Wirtschaftsministerium reagiert. Die Bundesnetzagentur rechnet nun vor, ob es ein Problem geben könnte.
Bonn – Droht im Winter ein Gas-Engpass, weil die Speicher nicht gut genug gefüllt sind? Vor diesem Szenario hatten Experten schon seit Längerem gewarnt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat nun das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen, mehr Gas einzukaufen. Richtig, meint auch die Bundesnetzagentur. Zudem beruhigt die Bonner Behörde. Probleme werde man wohl keine bekommen – bei einem normalen Winter.

Die Anweisung aus dem Wirtschaftsministerium sei die logische Konsequenz aus der nicht zufriedenstellenden Einspeicherung durch Gashändler in den vergangenen Wochen, so der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller, am Donnerstag. Demnach habe die Bundesnetzagentur schon im August angefangen, an die Gashändler zu appellieren, mehr Gas einzuspeichern. Das sei das „mildeste“ Mittel gewesen. Vor zwei Wochen habe Reiche an Sefe appelliert. Dies sei das „zweitmildeste“ Mittel gewesen. Nun habe sie Sefe angewiesen.
Doch reicht die Zeit noch?
Gas-Speicher zu leer? Bundesnetzagentur rechnet vor – und zeigt, in welchem Fall es eng werden würdeDie Ausgangslage: Die Gas-Speicher in Deutschland sind aktuell nur zu 58 Prozent gefüllt. Das ist ungewöhnlich wenig. Grund sind die hohen Preise infolge der geopolitischen Konflikte – etwa im Iran. Dadurch hatten die Großhändler weniger Anreiz, im Sommer die Speicher zu befüllen. In dieser Zeit ist Gas normalerweise günstiger. Was passiert aktuell: Reiche wies das staatseigene Unternehmen Sefe nun an, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Zum Vergleich: Die Speicher in Deutschland haben insgesamt ein Volumen von knapp 247 Terawattstunden.
„Die Versorgung ist gesichert“, beruhigt Müller und bezieht sich auf Daten aus dem letzten Jahr. Hier hätten die Temperaturen im langjährigen Durchschnitt gelegen, mit sehr kalten Januartagen. Im letzten Winter seien insgesamt 134 Terawattstunden aus den Speichern gezogen worden. Aktuell seien die Gasspeicher mit knapp 144 Terawattstunden gefüllt. Müller wies aber auch darauf hin, dass es so im Februar und März zu sehr niedrigen Füllständen kommen könne. Auf das Szenario eines sehr kalten Winters ging Müller aber nicht genauer ein.
Gas-Reserve reicht für den Winter – „Ausgangslage heute“Wie Müller ordnet es auch Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, ein. Neben den Gasspeichern komme parallel LNG-Gas nach Deutschland. Außerdem komme Gas insbesondere über Pipelines aus Norwegen. Reiches Anordnung sei eine Absicherung vor externen Schocks, wie besonderer Kälte, einem Anschlag oder einer zusätzlichen Verschärfung des Iran-Kriegs. Aber: „Ausgangslage heute“ sei die Versorgung gesichert, so Andreae.
Über Sefe:Sefe hieß früher Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht. Die EU-Kommission hat bestimmt, dass der Bund Sefe bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren muss.
Reiche plant für die Zukunft den Aufbau einer strategischen Gasreserve, um Risiken abzudecken. Die Ministerin hatte Krisensituationen genannt, bei denen Energieflüsse nach Deutschland gestört seien. Die Sprecherin des Ministeriums sagte, der Aufbau der Gasreserve werde nach der entsprechenden Gesetzesänderung im Jahr 2027 beginnen.
Die Finanzierung der Gasreserve ist offen. Reiche hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es gebe zwei Finanzierungsoptionen. Die eine sei eine Umlage über die Gaskunden, die zweite eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Vielleicht gebe es auch ein Mischmodell. (Verwendete Quellen: dpa, reuters) (rjs mit dpa)
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